Der Publikumsaufmarsch war schon am Morgen gross. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher schauten sich die neue Strickstube in der Kulturwerk-Stadt, gleich oberhalb der bekannten Sulzer Nagelschmiede, an. Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg, überbrachte die Grüsse der Stadt: «Ich bin stolz darauf, dass die Kulturwerk-Stadt lebt und dass das alte Handwerk so erhalten bleibt.»

Seit ungefähr 1880 bis in die 1960er-Jahre wurde im Sulztal eifrig gestrickt. Die Arbeit für die Fabriken in Laufenburg, Zürich, Bern und Basel besserte das Einkommen der Bauern auf. «Im Sulztal wurden vor allem Socken hergestellt», weiss Ewald Kalt vom Verein Kulturwerk-Stadt. «Das Stricken war früher schon gemeinschaftlich organisiert. Meistens standen mehrere Strickmaschinen am selben Ort und man traf sich, um zusammen zu arbeiten.» Die Landwirte waren auf das Nebeneinkommen angewiesen. «Sicher wurde auch nachts bei Kerzenschein gestrickt.»

Tradition wird fortgesetzt

Die Tradition des gemeinschaftlichen Strickens setzen rund 10 bis 15 Frauen vom Verein heute fort. Jeden Donnerstag treffen sie sich in der Kulturwerk-Stadt, um gemeinsam Socken, Schals, Dekorationen, Babymützchen und vieles mehr herzustellen. «Durch die jahrelange Übung sind die Frauen inzwischen versierte Strickerinnen», so Kalt. Die Resultate aus den donnerstäglichen Strick-Treffs konnten am Markt gleich vor der Kulturwerk-Stadt bestaunt und gekauft werden.

Alle gezeigten Strickmaschinen stammen aus der Fabrik Dubied aus Couvet im Vals de Travers. «Wir haben in alten Unterlagen gesehen, dass zum Beispiel zwischen 1892 und 1918 80 Strickmaschinen dieser Firma ins Sulztal geliefert wurden», so Ewald Kalt. Der Verein besitzt momentan rund 30 Maschinen; diese wurden nicht nur aus dem Tal gebracht, sondern kommen auch aus andern Teilen der Schweiz. Die Älteste der gezeigten Maschinen wurde um 1870 hergestellt.

Die ausgestellten Maschinen mussten vor Gebrauch revidiert werden. «Ein Vereinsmitglied hat von einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma Dubied gelernt, wie man die Maschinen instand hält. Ohne dieses Wissen wäre das Projekt nicht möglich gewesen.»

Von der ersten Idee – man sprach im Vorstand 2014 zum ersten Mal über eine neue Strickstube – bis zur fertigen Realisierung dauerte es fünf Jahre. Unterstützt wurde der Verein, der selber viel in Fronarbeit zum Ausbau beitrug, von verschiedenen Stiftungen und regionalen Sponsoren. Die neue Strickstube gefällt. Viele Gäste schauten den Strickerinnen lange und interessiert bei der Arbeit zu.

Am Freitag, 24. Mai, von 10 bis 19 Uhr, ist auf dem Bundesplatz im Bern, übrigens die Sulzer Nagelschmiede zu sehen.