Wölflinswil
300 Eier flogen am Eierlesen in Wölflinswil durch die Luft

Rund sechs Kilometer mussten die beiden Läufer, Dominik Müller und Oliver Röthlisberger, am Eierlesen zurücklegen. Daneben trieben die historischen Figuren Schabernack.

Martha Liechti
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Sowohl vom Werfer als auch von den Fängern war viel Geschick gefordert. mlw

Sowohl vom Werfer als auch von den Fängern war viel Geschick gefordert. mlw

In Wölflinswil wird der Wettkampf nicht wie an anderen Orten zwischen Winter und Frühling ausgetragen, sondern jeweils die zwei jüngsten Mitglieder des Turnvereins starten als Läufer am traditionellen Eierleset. Gegen 400 Gäste verfolgten bei bestem Wetter die Geschehnisse.

Je 150 rohe Eier im Abstand von einem halben Meter lagen in kleinen Sägemehlhäufchen auf zwei langen Linien den Strassen entlang bereit. Die beiden Läufer, Dominik Müller und Oliver Röthlisberger, die jüngsten des 60 Mitglieder umfassenden Turnvereins, hatten die athletische Aufgabe, die Eier einzeln einzusammeln und sie mit einem Wurf in den Fangkorb zu werfen. Ging eines daneben, klebte vielleicht ein Teil des aufgeschlagenen Eies am Hosenbein eines Zuschauers und der Läufer musste eine Zusatzrunde laufen. Jedes zehnte Ei war hart gekocht und wurde am Ziel unter den Kindern verteilt.

Oliver Wagner kommentierte am Mikrofon das Geschehen für die Zuschauer mit spannenden Hintergrundinformationen. Nach dreiviertel Stunden hatten Müller und Röthlisberger rund die Hälfte geschafft, und ihnen wurde eine kurze Pause gegönnt. Danach ging es bald Schlag auf Schlag, weil die Laufstrecken immer kürzer wurden.

Noch eine halbe Stunde und Dominik Müller hatte als Erster alle Eier bis auf die letzten zwei eingesammelt. Traditionsgemäss wurden diese über das Dach des Landgasthofs Ochsen geworfen. Trotz anfeuern gelang keinem der beiden Läufer der Wurf über das Haus.

Seit 1943 organisiert der Turnverein Wölflinswil den Eierleset regelmässig am ersten Sonntag im Mai. Vermutlich geht der Brauch bis in die keltische Zeit zurück. In einer Basler Chronik wurde er 1556 erstmals erwähnt. Nebst dem Ei, das als Fruchtbarkeitssymbol gilt, traten auch der Chrüschmutti, der Oerkegeist, der Waldmensch, die schwarzen Mannen, der Polizist, der Waldbruder, das Hochzeitspaar, die Osterhasen und der Hühnermann in Aktion und trieben Schabernack. Glimpflich davon kam man mit etwas Farbe im Gesicht, hatte man Pech, konnte man auch im kühlen Nass des Dorfbrunnens landen.

Das Rahmenprogramm gestaltete sich am Vormittag mit einem «Buurezmorge», organisiert vom Damenturnverein, zum ersten Mal auf dem Dorfplatz serviert, sowie einer kleinen Festwirtschaft und einer Bar am Nachmittag und verschiedenen Spielständen.

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