Wölflinswil
160'000 Franken für eine Asylwohnung

Im alten Gemeindehaus können ab dem 1. Juni zwischen vier und sechs Flüchtlinge wohnen.

Dennis Kalt
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Köbi Brem, Gemeindeammann Wölflinswil: «Keine Flüchtlinge aufzunehmen und sich stattdessen von der Aufnahmepflicht freizukaufen, stand niemals zur Diskussion.»

Köbi Brem, Gemeindeammann Wölflinswil: «Keine Flüchtlinge aufzunehmen und sich stattdessen von der Aufnahmepflicht freizukaufen, stand niemals zur Diskussion.»

Noch steht die Wohnung im alten Gemeindehaus in Wölflinswil leer – jedoch nicht mehr lange, denn sie soll schon bald als Unterkunft für Flüchtlinge dienen: «Wir warten noch auf die Zuteilung durch den Kanton», sagt Gemeindeschreiber Rolf Dunkel. Aufgrund dessen seien derzeit noch keine Angaben darüber möglich, aus welchem Herkunftsland die Flüchtlinge stammen und ob es sich um Einzelpersonen oder eine Familie handeln werde. In der Wohnung im alten Gemeindehaus hätten entweder eine vierköpfige Familie oder sechs Einzelpersonen Platz.

Aufnahmequote von vier Personen

«Der Druck ist weg», sagt Dunkel, der damit auf die Ersatzvornahmen anspielt, die ab dem 1. Juni bei verweigerter Unterbringung den Gemeinden vom Kanton in Rechnung gestellt werden. Die Kosten für die Ersatzabgabe betragen 110 Franken pro Person und Tag. Aktuell muss Wölflinswil vier Asylsuchende aufnehmen. Im Fall einer Verweigerung der Aufnahme würde für die Gemeinde vom 1. Juni bis zum Jahresende eine Ersatzabgabe in Höhe von rund 94 000 Franken an den Kanton fällig werden.

Mit der ab Juni bezugsbereiten Wohnung ist dieses Szenario jedoch vom Tisch. Dies unterstrich auch Gemeindeammann Köbi Brem vor einiger Zeit: «Keine Flüchtlinge aufzunehmen und sich stattdessen von der Aufnahmepflicht freizukaufen, stand niemals zur Diskussion.» Weiter fügt er hinzu, dass man es schon immer für sinnvoll erachtet habe, Flüchtlinge in der Gemeinde aufzunehmen. Darüber hinaus lasse sich die Integration von Flüchtlingen in einem Dorf mit Sicherheit leichter bewerkstelligen als in einem grossen Flüchtlingszentrum.

Um die Wohnung im alten Gemeindehaus für die Flüchtlingsunterbringung herzurichten, wurde am 22. November an der Gemeindeversammlung einem Kredit in Höhe von 160 000 Franken zugestimmt. Zuvor wurden bereits im Jahr 2014 im Zuge einer sanften Renovierung die Fenster erneuert.

Der Sanierungsumfang

Da in der ehemaligen Sozialwohnung nur ein Kachelofen zum Heizen vorhanden war, lag im Umbau der Heizung mit 55 000 Franken der grösste Kostenpunkt. Zu diesem Zweck wurde die Wohnung des alten Gemeindehauses mit einer isolierten unterirdischen Fernleitung an die Pelletheizung des neuen Gemeindehauses angeschlossen. Zusätzlich wurden in der Wohnung Heizwände installiert. Holz- und Schreinerarbeiten fielen mit 40 000 Franken ins Gewicht.

Neben der Erneuerung des Wohnungszugangs wurden die Wohnungs- und Zimmertüren ersetzt sowie der Estrich über der Wohnung isoliert. Weiter wurde eine Küche eingebaut. Hierfür mussten 15 000 Franken investiert werden. Zudem entstanden weitere Auslagen für Gipser- und Plattenlegerarbeiten, sanitäre und elektrische Installationen sowie Bodenbeläge und Malerarbeiten.

Aufnahmequote wieder erfüllt

Gemäss einer Liste des Kantons aus dem letzten Monat gehörte Münchwilen zu einer von vier Gemeinden aus dem Fricktal, die sich weigerten, Flüchtlinge aufzunehmen. Der Münchwiler Gemeindeammann Willy Schürch konnte diesen Vorwurf nicht stehen lassen und erklärte: «Wir nehmen schon seit Monaten Flüchtlinge auf», und fügte hinzu, dass die Asylsuchenden, die im Herbst in die Wohnung im ehemaligen Restaurant Post eingezogen waren, lediglich ihren Status gewechselt hätten. Mittlerweile sind die Asylsuchenden aus der «Post» ausgezogen. Nun sagt der Münchwiler Gemeindeschreiber Marius Fricker: «Wir haben unsere Aufnahmequote wieder erfüllt. Kürzlich haben wir sechs Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Die Asylsuchenden wurden aber nicht im Restaurant Post untergebracht, sondern in einer Liegenschaft, die sich im Besitz der Gemeinde befindet. (DKA)