Uezwil/Aristau
Zu Gast bei Erika Burkart und Ernst Halter

In seinem neuesten Werk lädt Alois Lang die Leser mit verschiedenen Autoren ins Haus Kapf ein.

Andrea Weibel
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Alois Lang mit seinem zweiten und neuesten Werk zum Haus Kapf. Andrea Weibel

Alois Lang mit seinem zweiten und neuesten Werk zum Haus Kapf. Andrea Weibel

Andrea Weibel

Es ist viele Jahre her, seit der Uezwiler Fotograf Alois Lang das Haus Kapf auf der Moräne, die zu Aristau gehört, erstmals entdeckte. Ganz zufällig war das aber nicht. Wie so oft hatte er seiner Frau Ana aus dem Buchladen ein Buch als kleines Mitbringsel besorgt und es ihr unters Kopfkissen gelegt. Diesmal hatte er «Die Moräne» von der Freiämter Dichterin Erika Burkart ausgewählt. Ana Lang war hin und weg, und bald wünschten sich beide, diese Schriftstellerin persönlich kennen zu lernen.

«Es muss etwa 40 Jahre her sein, als ich im Winter mit Kindern und Hund vom Murimoos her spazierte und zum ersten Mal die Westseite des Kapfs sah. Es war eine eindrückliche Ansicht», erinnert sich Alois Lang. Bei einem anderen Spaziergang kam ihm das Schriftstellerpaar Erika Burkart und Ernst Halter sogar entgegen, doch er getraute sich nicht, sie anzusprechen.

Kurz vor Weihnachten legte seine Frau der Schriftstellerin ein kleines Präsent vor die Tür. Doch wie es der Zufall wollte, kam diese in dem Augenblick mit einem Gast aus dem Haus und war verdutzt, die fremde Frau zu sehen. Doch als Burkart erfuhr, was Ana Lang im Sinn hatte, lud sie sie spontan zum Tee ein. «Das war der Anfang der Geschichte, die nun bereits zum zweiten Buch geführt hat», erinnert sich Alois Lang lächelnd.

Ein Buch war nicht genug

Während seine Frau von den Texten Burkarts fasziniert war und noch heute ist, konnte der damalige Lehrer kaum die Augen vom über 300-jährigen Haus und dessen verwunschenem Garten lassen. Doch erst nach seiner Pensionierung 2004 konnte er sich endlich seinem Wunsch widmen, all das fotografisch festzuhalten.

Er durfte sich frei rund ums Haus bewegen und fotografieren, so viel sein Herz begehrte. Und diese Bilder, darunter viele Detailaufnahmen, eine Spezialität des Amateur-Fotografen, der noch immer analog fotografiert, passten so gut zu den Gedichten und Texten des Autorenpaars, dass 2008 ein gemeinsames Werk erschien. Es trug den Namen: «Das verborgene Haus: Zeit und Augenblick».

Es widmet sich dem alten Gemäuer, der Landschaft und dem Garten. Nur wenig ist dabei vom Interieur erkennbar. Und schon der Verleger jenes Buchs, Egon Ammann, war überzeugt, dass irgendwann ein zweites Buch die Räume und Ausstattungen des 1687 als Trotte des Klosters Muri gebauten Hauses zeigen sollte. Dieses irgendwann ist jetzt.

«Fotos von ihrem ‹Chapf›»

«Bevor Erika Burkart starb, war sie einige Monate im Reusspark. Damals bat sie mich, ihr Fotos von ihrem ‹Chapf› zu bringen, wo sie ihr ganzes Leben verbracht hatte. Das tat ich und fotografierte ihre liebsten Stücke, ihre blauen Gläser oder ihre Bücher, von denen im Haus über 10 000 zu finden sind», erinnert sich Alois Lang an das Jahr 2010. «In Absprache mit ihrem Mann, der noch heute im Kapf wohnt, machte ich weiter Fotos aus allen Stockwerken. Mir war bewusst, welch intime Details des Lebens der beiden Autoren ich dort festhalten durfte.»

Doch die Fotos allein reichten ihm nicht, um zeigen zu können, wie es gewesen war, zu Gast bei Erika Burkart und Ernst Halter zu sein. «Darum bat ich um eine Liste von Freunden, die von Begegnungen im Kapf erzählen konnten, und schrieb 26 von ihnen an.» Alle antworteten sofort und nur einer lehnte ab. So kamen unterschiedlichste Geschichten zusammen: vom Schriftsteller Klaus Merz über den Deutschlandkorrespondenten Peter Voegeli bis hin zur Künstlerin Heidi Widmer.

Ernst Halter selbst verfasste einen Text über den Oberhilfsgärtner Josef «Seppi» Niffeler vom Murimoos. «Das Paar hatte ein gutes Herz und immer Tee und Kuchen für jeden bereit, der es nötig hatte», erinnert sich Alois Lang. «Es waren Begegnungen, geprägt von grosser Offenheit und Mitgefühl.» Aber Erika Burkart war nicht nur die Fee, die viele heute in ihr sehen: «Sie konnte auch sehr streng sein, wenn es beispielsweise um Worte oder Texte ging, die ihr nicht gefielen.»

Erinnerungen in Wort und Bild

So entstanden einerseits Ansichten des Hauses, das bis in die 60er-Jahre eine Pinte beherbergte, dessen Wände dieselben Wandmalereien zieren wie das Schloss Horben und in dem auch noch Mitbringsel des «Reiherjägers vom Gran Chaco», wie Burkarts Vater Walter in Südamerika genannt wurde, aufbewahrt werden. Andererseits kamen Erinnerungen an das Autorenpaar zum Vorschein, die tiefe Einblicke in deren Leben, aber auch deren Wesen vermitteln.

Es sind Erinnerungen in Wort und Bild an den früheren Kapf. Denn Burkarts eher chaotische Art teilte ihr Mann nie. «Verständlicherweise ist nun alles eingeräumt, wie er es mag. Durch die Fotos ist aber auch Erikas ‹Chapf› erhalten geblieben», sagt Alois Lang.

Das Haus Kapf: Ein Haus voller Geschichte

1687 wurde auf der Moräne, wo heute noch das Haus Kapf steht, erstmals eine Trotte des Klosters Muri erbaut. 1736 folgte das heutige Haus, das damals dem Abt als Sommerresidenz diente. Bis in die 1960er-Jahre beherbergte es eine Gastwirtschaft. Ausserdem ist es bekannt als Wohnsitz des Freiämter Schriftstellerpaars Erika Burkart (1922 bis 2010) und Ernst Halter (1938). «Eine höchst bewegte Geschichte, die in oft rätselhaften Hinterlassenschaften sichtbar wird», beschreibt es Halter im Klappentext zum neuen Buch. Er selbst war Chefredaktor des Orell Füssli Verlags und ab 1985 freischaffender Autor, Publizist und Herausgeber. Unter anderem erhielt er 2000 den Aargauer Literaturpreis. Erika Burkart war Primarlehrerin und freie Schriftstellerin. Neben vielen anderen Preisen wurde sie 2005 mit dem ersten Grossen Schillerpreis der Schweizerischen Eidgenossenschaft ausgezeichnet.

«Haus Kapf – Zu Gast bei Erika Burkart und Ernst Halter», Alois Lang, Offizin Verlag, 156 Seiten, öffentliche Vernissage am Sonntag, 30. Oktober, 11 Uhr, Refektorium im Klosterschulhaus Muri