Wohlen
Zivilstandsamt beim Strohmuseum? Ortsbürger verlangen vom Gemeinderat Alternativen für potenzielle Mieter

Der Wohler Gemeinderat prüft, ob das Zivilstandsamt neu in der Liegenschaft Bünzstrasse 3 neben dem Strohmuseum untergebracht werden kann. Diese gehört den Ortsbürgern. An ihrer Versammlung bewilligen diese den Projektierungskredit. Gleichzeitig möchten sie auch, dass der Gemeinderat weitere Möglichkeiten an potenziellen Mietern abklärt.

Marc Ribolla
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Die Liegenschaft Bünzstrasse 3 (links) liegt direkt neben dem Strohmuseum (rechts) im Isler Park.

Die Liegenschaft Bünzstrasse 3 (links) liegt direkt neben dem Strohmuseum (rechts) im Isler Park.

Marc Ribolla

Eine Tatsache ist bei allen Beteiligten unbestritten: Das Haus an der Wohler Bünzstrasse 3 weist einen hohen Sanierungsbedarf auf. Es ist ein Teil des Ensembles der Villa Isler, wo sich auch das Strohmuseum samt Park befindet.

Die Liegenschaft ist heute noch bewohnt und im Besitz der Wohler Ortsbürgergemeinde. Für die Sanierung hat sie im Finanzplan in den Jahren 2023 und 2024 total eine halbe Million Franken eingestellt. Bevor das Geld aber investiert werden soll, wollen die Ortsbürger die mögliche spätere Verwendung der Liegenschaft an der Bünzstrasse 3 abgeklärt haben.

Der Gemeinderat prüft, ob zukünftig das Zivilstandsamt dort untergebracht werden kann. Für die Projektierung der Sanierung beantragte er im Budget 2022 der Ortsbürgergemeinde einen Betrag von 80'000 Franken. Diese Summe und das Vorhaben des Gemeinderats an sich sorgten an der Ortsbürgerversammlung am Montagabend für den meisten Gesprächsstoff. Und für mehrere Anträge vom Souverän.

Trauungen sind wichtige Einnahmequelle fürs Strohmuseum

Hans Albrik Kuhn stellte das Begehren, dass im Rahmen des Projektierungskredits zusätzlich auch eine «Sanierungsvariante Light» erarbeitet wird. In der man sich beispielsweise auf das Notwendigste beschränkt – falls die Analyse ergebe, dass die geplante Sanierung für die Ortsbürger sehr viel teurer komme, als erwartet. Sein Antrag wurde von der Versammlung abgelehnt.

Einen breiteren Horizont an Möglichkeiten verlangte Stefanie Dietrich. Sie hat als Mitarbeiterin des Strohmuseums einerseits und als Ortsbürgerin andererseits zwei Hüte auf. Dietrich sieht die Idee des Zivilstandsamts im Haus Bünzstrasse 3 skeptisch. Sie sagte:

«Es macht keinen Sinn, zwei Traulokale am fast gleichen Ort zu haben.»
Ortsbürgerin und Einwohnerrätin Stefanie Dietrich.

Ortsbürgerin und Einwohnerrätin Stefanie Dietrich.

zvg

Denn schon heute biete das Strohmuseum Ziviltrauungen im ehemaligen Salon der Villa Isler an. Die jährlich bis zu 40 Trauungen à 200 Franken seien eine wichtige Einnahmequelle des Museumsbetriebs. Weiter hielt sie fest: «Zivilstandsamt und Strohmuseum können nicht voneinander profitieren.»

Sie beantragte, dass der Gemeinderat den Blickwinkel nochmals öffnen, alternative Nutzungsmöglichkeiten zusammen mit einer Arbeitsgruppe prüfen und darüber Bericht erstatten soll. Gemeindeammann Arsène Perroud gab zu bedenken, dass «es nicht so viele Möglichkeiten für langfristige Mietverhältnisse gibt». Dietrichs Antrag erhielt von den Ortsbürgern aber grossmehrheitlichen Zuspruch.

Gmeind lehnt Kürzung des Kredits auf 40'000 Franken ab

Auf keinen solchen stiess das Anliegen von Walter Dubler. Er schlug vor, den Projektierungskredit auf 40'000 Franken zu halbieren. Als Beispiel verglich er den Aufwand mit jenem beim Umbau der Villa Isler 2009. «Die Kürzung wäre berechtigt und die Summe immer noch grosszügig bemessen», sagte Dubler, fand aber keine Mehrheit.

Die Liegenschaft an der Bünzstrasse 3 gehört den Ortsbürgern und hat eine Sanierung in den nächsten Jahren nötig.

Die Liegenschaft an der Bünzstrasse 3 gehört den Ortsbürgern und hat eine Sanierung in den nächsten Jahren nötig.

Marc Ribolla

Auf mehr Gegenliebe stiess er hingegen mit seinem Antrag, dass der Gemeinderat die Richtplanänderung Anglikerstrasse Nord (Umzonung in Gewerbegebiet) wieder an die Hand nehmen muss. Das dortige Gebiet ist teilweise im Ortsbürgerbesitz und die Umzonung wurde 2013 vom Grossen Rat abgelehnt. «Es geht um ein Zeichen gegenüber dem Kanton», meinte Dubler. Perroud erklärte, dass dies wohl erst im Rahmen der nächsten Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung ab 2025 wieder ein Thema werden könne.

Verabschiedungen von langjährigen engagierten Ortsbürgern

Das Ortsbürgerbudget 2022 wurde bestätigt und rechnet mit einem Ertragsüberschuss von knapp 50'000 Franken. Ohne Diskussion und einstimmig genehmigten die 59 anwesenden Wohler Ortsbürgerinnen und Ortsbürger zudem die Gründung und den Beitritt zu den Gemeindeanstalten Forstbetrieb und Holzhandelsbetrieb Wagenrain.

Verabschiedet wurde Ernst Hochstrasser nach acht Jahren als Präsident der Finanzkommission, die langjährigen Mitglieder der Ortsbürgerkommission Sepp Muff (24 Jahre) und Hans Albrik Kuhn (15 Jahre) und Gemeinderat Paul Huwiler. Neues Mitglied der Finanzkommission ist Katharina Stäger.