Wohlen
Abrechnung liegt vor: Neue Eishalle und Badi kosteten 3 Millionen mehr als geplant

Knapp drei Jahre nach der Eröffnung der neuen Eishalle und der Badi kann der Wohler Gemeinderat die definitive Kreditabrechnung präsentieren. Statt der geplanten 24 Millionen sind es am Ende 26,9 Millionen Baukosten. Die effektive Kreditüberschreitung beträgt jedoch nur knapp 500'000 Franken.

Marc Ribolla
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Der Eingangsbereich des Schüwo-Parks in Wohlen.

Der Eingangsbereich des Schüwo-Parks in Wohlen.

Marc Ribolla

Es war im wahrsten Sinn des Wortes der Auftakt in ein Jahrzehnteprojekt, als die FDP Wohlen im Oktober 2008 eine Volksinitiative einreichte – «Jetz esch d' Badi dra!» verlangten die Initianten damals. Im Laufe der Zeit wurde das Projekt um die Erneuerung der Eisbahn und weiterer Anlagen ergänzt.

Zehn Jahre später konnte die Neueröffnung des Schwimmbads im Juli 2018 und im Oktober des gleichen Jahres der neuen Eishalle gefeiert werden. Entstanden ist der Sportpark Bünzmatt, der heute den Namen Schüwo-Park trägt.

Den Grundstein dazu legte das Wohler Stimmvolk zuvor im September 2016 mit sehr deutlicher Zustimmung von jeweils rund 75 Prozent Ja-Stimmen zu den beiden Kreditvorlagen der Eishalle (12,3 Mio. Franken) und der Badi (11,1 Mio.). Letzterer Kredit wurde später separat für eine neue Wasserrutschbahn um 0,6 Mio. aufgestockt.

Die neue Eishalle des Schüwo-Parks kurz nach der Eröffnung 2018.

Die neue Eishalle des Schüwo-Parks kurz nach der Eröffnung 2018.

Cornelia Schlatter (4.10.2018)

Gespannt wurde seit langem von vielen Seiten die definitive Baukostenabrechnung zum Schüwo-Park erwartet. Kurz vor Weihnachten ist es nun so weit. «Bereits ein Jahr nach Abschluss der letzten Bau- und Garantiearbeiten präsentiert der Gemeinderat die Kreditabrechnung», heisst es in einer Medienmitteilung.

Die Abrechnung legt der Gemeinderat in Form eines Berichts und Antrags dem Einwohnerrat vor. «Die Kreditabrechnung eines so komplexen Projekts innert Jahresfrist abzuwickeln, ist administrativ eine sportliche Leistung», so die Exekutive.

Beide Projekte fast gleich teuer

Doch wie steht es nun effektiv um die Kosten? Der Blick in die Zahlenübersichten verrät, dass diese total rund 26,9 Millionen Franken betragen. Diese teilen sich auf die Projekte fast hälftig auf. Der Neubau der Eishalle kostete am Ende 13,71 Millionen, während die Erneuerung der Badi und weiterer Anlagen wie Minigolf, Skatepark oder Beachvolleyfeld mit rund 13,25 Millionen zu Buche schlug.

Das sind total 2,9 Millionen mehr, als in den Verpflichtungskrediten vorgesehen war. Die Überschreitung beläuft sich dabei auf 11,3% oder 1,4 Millionen (Eishalle) respektive 13,2% oder 1,5 Millionen (Badi). Ausschlaggebend für die Mehrkosten sind verschiedene Elemente, wie es im Bericht heisst.

Faktoren der entstandenen Mehrkosten

  • Aufwendiger Abbruch und Aushub
  • Längere Pfahlfundationen nötig
  • Aufwendige Sanierung der Pilzstützen beim alten Eingangsbereich
  • Aufwendige Arbeiten an den Flachdächern
  • Höhere Honorarleistungen

Der Gemeinderat teilt weiter mit: «Die Projektverantwortlichen waren vom Willen beseelt, den Neubau der Eishalle und die Sanierung des Schwimmbads innerhalb der plus/minus 10 Prozent der Kreditbeschlüsse ohne weitere Reserven abzuwickeln. Das ist bis auf eine Kreditüberschreitung von plus 2 Prozent gelungen.»

Zieht man die allgemeingültige 10%-Planungsungenauigkeit ab, schliesst die Rechnung der Badi-Sanierung nur noch 0,38 Mio. und die Eishalle nur noch 0,16 Mio. teurer als angenommen ab. Auf den Abstimmungszetteln der Urnenabstimmung 2016 wurde dem Stimmvolk die Abweichung der Kosten von plus/minus 10% explizit dargelegt.

Auf Anfrage sagt der zuständige Gemeinderat Paul Huwiler zu diesem Vorgehen: «Die üblicherweise bei Projekten einkalkulierte Reservesumme wurde blöderweise aus dem damaligen Kreditantrag gestrichen. Man konnte so dennoch bei der Ausführung einen gewissen Betrag als Manövriermasse schaffen.» Deshalb seien die plus/minus 10% erstmals aufgeführt worden.

Die Badi Wohlen im Frühling dieses Jahres.

Die Badi Wohlen im Frühling dieses Jahres.

Nathalie Wolgensinger (30.4.2021)

Bei späteren Vorlagen zu Projekten wie beispielsweise der neuen Hofmattenhalle oder dem Halde-Schulhaus wurde dies beibehalten, wobei die Reservesummen dort in den Kreditanträgen zusätzlich wieder enthalten sind.

Ausstrahlung über die Region hinaus

Huwiler ist mit der Bauabrechnung sehr zufrieden und verweist auch auf die sehr speditive Bauweise. Er erklärt:

«Es gelang, das Projekt 2017/18 ohne den Verlust einer ganzen Eis- oder Schwimmbadsaison zu realisieren. Bis zur Eröffnung waren wir im Plan.»

Doch dann sorgten Probleme mit dem Potentialausgleich der verschiedenen Anlageteile und damit verbundener Spannung im Wasser für eine mehrwöchige Badi-Schliessung im Frühsommer 2019. Die Behebung führte zu Mehrkosten von 0,3 Millionen. Im Rahmen eines Vergleichs mit den beteiligten Firmen und mit Garantieleistungen wurden rund 0,2 Millionen wieder zurückvergütet.

Drohnenaufnahme des Baus der Eishalle im September 2017. Links daneben ist noch die alte offene Eisbahn zu erkennen.

Drohnenaufnahme des Baus der Eishalle im September 2017. Links daneben ist noch die alte offene Eisbahn zu erkennen.

Chris Iseli (8.9.2017)

Für den abtretenden Gemeinderat Paul Huwiler ist die Vorlage der Abrechnung zum Schüwo-Park der letzte Akt in seinem Amt. Mit ihm zusammen waren in den vergangenen 13 Jahren vier Gemeinderäte, fünf Bereichsleiter der Abteilung Planung, Bau und Umwelt und weitere Personen beim Projekt Sportpark Bünzmatt beteiligt.

Huwiler ist stolz auf das Erreichte. «Wohlen hat hier ein Schmuckstück geschaffen, das viele andere Gemeinden nicht zu diesem Preis erreicht hätten. Der Sportpark hat eine Ausstrahlung über die Region hinaus.»

Chronologie der Entstehung des Sportparks Bünzmatt

  • 7. Oktober 2008 – Volksinitiative «Jetzt esch d’Badi dra!»
  • 18. Oktober 2010 – Grundsatzentscheid offenes Eisfeld
  • 17. Januar 2011 – Rückkommen: Grundsatzentscheid Eishalle
  • 29. August 2011 – Planungskredit/Projektwettbewerb
  • 26. August 2013 – Kredit Projektvorbereitung
  • 17. März 2014 – Konzeptanpassung offene Eishalle
  • 23. Februar 2015 – Projektierungskredit 2 Millionen
  • 20. Juni 2016 – Erneuerung Schwimmbad / Neubau Eishalle 25 Mio.
  • 25. September 2016 – Volksabstimmung Erneuerung Schwimmbad / Neubau Eishalle (79% / 75% Ja)
  • 12. März 2017 – Spatenstich Neubau Eishalle
  • 7. Juli 2018 – Eröffnung des sanierten Schwimmbads (Baubeginn September 2017)
  • 20. Oktober 2018 – Eröffnung Neubau Eishalle
  • 20. Dezember 2021 – Verabschiedung Kreditabrechnung Gemeinderat