Widen
Weltmeister Kevin Huser: Eisklettern ist sein Ausgleichssport im Winter

Er klettert jede Woche 10 bis 15 Stunden. Kevin Huser (17) hat sich bereits an die Eiskletter-Weltspitze gehievt. Dabei ist das Eisklettern nur ein Ausgleichssport im Winter.

Robert Benz
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Kevin Huser an der Eiskletter-Weltmeisterschaft Saas-Grund.

Kevin Huser an der Eiskletter-Weltmeisterschaft Saas-Grund.

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Fussballer Xherdan Shaqiri, seines Zeichens Kraftwürfel der Nation, kann einpacken. Kraftwürfel Kevin Huser aus Widen klettert ihm in Sachen Power den Rang ab. Unter den Eiskletterern bis 22 Jahre ist er bereits der beste der Welt.

«Das Eisklettern mach ich mehr so nebenbei», sagt Kevin Huser

«Das Eisklettern mach ich mehr so nebenbei», sagt Kevin Huser

davidschweizer.ch

Huser hat im Gegensatz zu anderen Jugendlichen bloss zwei Pickel, dafür sind sie riesig. An internationalen Wettbewerben muss er sie in schwindelerregender Höhe ins blanke Eis rammen, um nicht zu fallen.

Fokus auf Wettkämpfe gerichtet

Husers Oberarme sind muskulös, richtig muskulös. Er spricht mit tiefer Stimme, verhaspelt sich nie und macht auch sonst den Anschein, mit sich im Reinen zu sein. Mit 17 Jahren gehören er und seine Pickel natürlich nicht zum alten Eisen.

Allerdings ist bereits jetzt klar, dass er keines dieser absoluten Ausnahmegenies ist, wie beispielsweise Adam Ondra aus Tschechien, der mit 16 den Gesamtweltcup gewonnen hatte.

Trotzdem gibt es für Huser viel Luft nach oben, die er an der Kletterwand durchsteigen kann. Im Moment kratzt er bei den Erwachsenen Eiskletterern an der Weltspitze. Sein ausgeprägter Wettkampf-Geist gereicht ihm dabei zum Vorteil: «Für mich sind die Wettkämpfe das Coole. Mein Training ist voll auf den Wettkampf ausgerichtet», erzählt Huser.

Klettern, um sich fallen zu lassen

Im Alter von acht Jahren hat Huser zu klettern begonnen. Sein Vater Peter tat es ihm gleich und hat sich bei der Gelegenheit noch ein zweites Hobby zugelegt: die Fotografie (siehe rechts). Inwischen klettern die beiden Husers nur noch selten Seite an Seite. Kevin absolviert die Sport-Kanti in Zürich und wird professionell betreut. Als Kind wollte er in der Kletterhalle einfach nur oben ankommen und «ins Seil springen», um ein paar Meter freien Fall zu geniessen. Er wusste auch, dass er «etwas mit den Armen machen wollte».

Heute investiert Huser jede Woche 10 bis 15 Stunden ins Klettern, manchmal sind es auch 20. «Das Klettern ist schon ein recht grosser Teil meines Lebens, ich mache es jeden Tag, manchmal gibt es auch Zeiten, wo ich nicht so Lust habe, aber wenn dann wieder Wettkämpfe sind, merkt man’s gar nicht mehr. Dann macht es einfach Spass.»

«Brutal wenig an den Pickeln»

Genau genommen ist Huser ein Gelegenheits-Eiskletter-Weltmeister. Neun Monate im Jahr fasst er seine Pickel nicht einmal an, sondern klettert klassisch in der Halle. «Das Eisklettern mache ich mehr so nebenbei, nur im Winter fokussiere ich mich darauf. Von meinem Kletterstil her, bin ich automatisch ziemlich gut. Ich bin brutal wenig an den Pickeln», merkt er an.

Das Phänomen mit der Krankheit

Wenn es ernst gilt, ist Huser oft dermassen motiviert, dass er sich verkrampft. Vor zwei Jahren sei das Problem sehr heftig gewesen. «Mittlerweile kann ich das besser kontrollieren.» Wenn er sich selbst keinen Druck macht, sei er viel besser.

Daher war es ein Glücksfall, dass er kurz vor der letzten Eiskletter-Weltmeisterschaft eine Grippe eingefangen hat. Entkräftet und ohne grosse Ambitionen ging er ans Werk und setzte seine enorme Kraft ohne Druck perfekt ein. Den letzten Zug nach ganz oben, schaffte nur Huser. Wenn das Shaqiri wüsste . . .

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