Gemeindeversammlung
Villmergen wagt den Alleingang: «Ja» zum Ausstieg aus dem KESD-Verband

Der Diskussionsbedarf an Gemeindeversammlung in Villmergen war gross – trotz bloss 68 anwesenden Stimmberechtigten. Zu reden gaben neben dem Austritt aus dem Verband des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes überraschend auch die Wasserversorgung.

Nathalie Wolgensinger
Merken
Drucken
Teilen
«Gmeind» in Zeiten von Corona: Mit Abstand und Masken.

«Gmeind» in Zeiten von Corona: Mit Abstand und Masken.

nw

Dass der Austritt aus dem Gemeindeverband Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (Kesd) Diskussionsstoff liefert, war klar. Dass aber die Sanierung und der Ausbau der Wasserversorgung rege diskutiert werden, hätten wohl wenige der 68 anwesenden von total 4154 Stimmberechtigten am Freitag für möglich gehalten. Nachdem die «Sommergmeind» pandemiebedingt ausfiel, war der Diskussionsbedarf gross.

«Das hört sich ja an wie ein Krimi»

Es ging ans Eingemachte. Nichts weniger als der Austritt aus dem Gemeindeverband des Kesd stand zur Abstimmung. Gemeinderätin Rosmarie Schneider berichtete von internen Querelen im Kindes- und Erwachsenenschutzdienst, die für mediale Berichterstattungen sorgten. «Es gab bezüglich Mandatsführungen unterschiedliche Auffassungen und teilweise unüberwindbare Differenzen», so Schneider.

Diese Unstimmigkeiten hätten zu Beschwerden geführt, bei denen die Gemeinde Villmergen jeweils Recht bekommen habe. Dem Gemeinderat fehle das Vertrauen, um die Zusammenarbeit weiterzuführen, fasste sie zusammen. Sie beantragte die Kündigung des Vertrages und die Schaffung eines eigenen Gemeindeverbandes. Für Umbau und Einrichtung würden einmalig Kosten von gut 60'000 Franken entstehen. Danach würden jährlich gut 410'000 Franken an Lohnkosten anfallen. Zum Vergleich: Für 2021 hat der Kesd Kosten von rund 389'000 Franken für Villmergen budgetiert.

«Das hört sich ja an wie ein Krimi. Was ist denn da vorgefallen?», wollte ein Stimmbürger wissen. Schneider lieferte keine Details, wies aber darauf hin, dass das Zerwürfnis tief und eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei. Mehrere Villmerger waren der Meinung, dass ein Alleingang nicht die Lösung sei und die Gemeinde teurer zu stehen komme. Eine Mediation wurde vorgeschlagen, jemand anderes bezeichnete dies hingegen als Luxuslösung. Trotz vieler Bedenken stimmte die Versammlung mit 47 zu 12 Stimmen dem Alleingang zu.

Grossinvestoren sollen Gebühren abfedern

Dass die dritte Etappe für den Ausbau und die Sanierung der Wasserversorgung umstritten ist, das hatten die wenigsten auf dem Plan. Ein Stimmbürger störte sich, dass Bauherren von Grossüberbauungen nicht stärker zur Kasse gebeten werden. Er stellte den Antrag, dass die Wasseranschlussgebühren für Grossüberbauungen erhöht werden, um so die anstehende Wasserzinserhöhung abzufedern. Der Antrag wurde gutgeheissen, darum steht der Gemeinderat nun in der Pflicht, einen Vorschlag zu präsentieren. Dem Verpflichtungskredit von 3,68 Mio. Franken wurde ebenfalls zugestimmt.

Die Rechnung schliesst mit einem Plus von 2 Millionen Franken, dies dank Sondersteuern. Ein Blick in die Zukunft lässt nicht viel Gutes ahnen: Notwendige Investitionen in Strassenbau und Schulen lassen die Verschuldung weiterhin ansteigen, sie liegt deutlich über dem Kantonsmittel. Das Budget geht jedoch von einem unveränderten Steuerfuss von 102 Prozent aus. Das fand ein Stimmbürger verantwortungslos: «Wir wälzen die Schulden auf die kommende Generation ab.» Er beantragte einen Steuerfuss von 105 Prozent. Damit ging er aber sang- und klanglos unter.

Ohne Kommentar passierten die Kreditabrechnungen für bauliche Anpassungen an den beiden Schulhäusern, die Sanierung der Badi-Wasseraufbereitung, die generelle Entwässerungsplanung, den Ausbau der Büttikerstrasse und die Bushaltestelle im Dorf.