Villmergen
Wärmeverbund mit Holz aus dem eigenen Wald: Villmergen will klimafreundlich heizen

Der erste Wärmeverbund könnte schon ab der Heizperiode 2024/25 die ersten Villmerger Häuser heizen. Dafür braucht es aber einerseits ein Ja an der Wintergmeind. Andererseits sind möglichst viele Haushalte gesucht, die sich der klimafreundlichen Heizvariante anschliessen möchten.

Andrea Weibel
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Marco Skär (ewz) und Martin Hössli, Geschäftsleiter der Gemeindewerke Villmergen, stellen den neuen Wärmeverbund, der im Dorf geplant ist, vor.

Marco Skär (ewz) und Martin Hössli, Geschäftsleiter der Gemeindewerke Villmergen, stellen den neuen Wärmeverbund, der im Dorf geplant ist, vor.

Andrea Weibel

Villmergen will klimafreundlicher werden. Einen grossen Schritt in diese Richtung plant die Gemeinde mit einer ökologischen Art zu heizen: einem brandneuen Wärmeverbund. «Unser Werkhof ist schon heute dem benachbarten Wärmeverbund der Schreinerei angeschlossen», erklärte Martin Hössli, Geschäftsleiter der Gemeindewerke Villmergen (GWV) am Dienstagabend allen Interessierten, die in ebenjenem Werkhof mehr über den Wärmeverbund hören wollten.

Die Schreinerei, die den kleineren Wärmeverbund betreibt, will diesen abgeben. «Darum sind wir seit 2018 mit dem Thema beschäftigt. Und zwar bereits so weit, dass wir nun die Interessierten suchen, die ihr Haus an den Wärmeverbund anschliessen wollen. Dann wissen wir nämlich schon bald, wie hoch der Kredit wird, mit dem wir im November an die Gmeind treten wollen», so Hössli weiter.

Denn natürlich richte sich dieser Preis auch nach der Länge der Rohre, die verlegt werden müssen. Hössli ist stolz: «Wir haben sogar schon Interessenten bis zum Dorfplatz hinauf.»

In Zukunft könnte es noch mehr Wärmeverbunde im Dorf geben

Genauere Angaben lieferte Marco Skär, der als Projektentwickler die Zürcher Energielieferantin ewz vertrat, die den Wärmeverbund zusammen mit der Gemeinde Villmergen plant. Er betonte: «Wärmeverbunde sind die klimafreundlichsten Heizsysteme für ganze Quartiere.»

Die Heizzentrale wird beim Tennisplatz geplant. Von dort aus sollen die Schulhäuser Hof, Mühlematten und Bündten mit erneuerbarer Energie geheizt werden. Aber nicht nur sie, sondern gerne auch alle Liegenschaften, die die Rohrleitungen auf ihrem Weg zu den Schulhäusern und zum Werkhof kreuzen. Also das Gebiet vom Fussballplatz bis zur Anglikerstrasse und möglicherweise bis hinauf zum Dorfplatz.

In diesen Gebieten und weiter bis zur Anglikerstrasse (unten rechts) sollen sich Häuser dem Wärmeverbund Villmergen anschliessen können.

In diesen Gebieten und weiter bis zur Anglikerstrasse (unten rechts) sollen sich Häuser dem Wärmeverbund Villmergen anschliessen können.

zvg

«Aber was ist dann mit dem Rest des Dorfes? Kann man die Anlage nicht grösser bauen?», fragte jemand aus dem Publikum. Hössli freute sich sichtlich über die Frage. Er antwortete: «Grösser bauen nicht, denn bei noch längeren Rohren wäre der Wärmeverlust zu gross. Aber wir könnten uns gut vorstellen, in Zukunft zwei bis drei solche Anlagen zu realisieren. Mit dem Gemeinderat haben wir abgesprochen, dass das aber frühestens in fünf Jahren passieren soll.»

Die ersten Häuser könnten 2024/25 mit Fernwärme geheizt werden

Skär zeigte die Vorteile eines Wärmeverbundes auf. «Er bietet sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile, denn auf Dauer ist der Wärmeverbund günstiger als beispielsweise die Versorgung durch Erdgas.» Dies zeigte er durch konkrete Zahlen auf.

Noch ökologischer wird die ganze Geschichte, weil das Holz, das als Schnitzel in der Heizzentrale verbrannt werden und somit die Wärme liefern soll, direkt vor Ort wächst. «Wir haben mit dem Förster Matthias Bruder, Leiter des Forstbetriebes Rietenberg, gesprochen. Er garantiert uns genügend Holz für die nächsten 30 Jahre», so Hössli. «Zudem können wir mit ihm einen Langzeitvertrag abschliessen, sodass auch der Einkaufspreis des Holzes stabil bleiben wird.»

Für die berechnete Laufzeit von 30 Jahren hätten die angeschlossenen Liegenschaften also einen stabilen Preis für ihre Heizung und das Warmwasser. Dafür sollen sich die Villmergerinnen und Villmerger, die in diesem Gebiet wohnen, aber so bald wie möglich anmelden. «Wir beraten Sie gerne, auch was das Anmelden für Subventionen angeht», lud Hössli ein.

Am 25. November kommt der Kredit, der bisher auf 7 Mio. Franken geschätzt wird, also vor die Gmeind. Sagt diese Ja, kann der GWV 2023 bereits mit dem Bau der Heizzentrale und den Leitungen beginnen. Die ewz bringt ihre Erfahrung mit ein und ist für die Technik zuständig. So könnten die ersten Häuser schon in der Heizperiode 2024/25 mit Fernwärme beheizt werden, alle anderen dann ein Jahr darauf.

Mehr Infos gibt die Website der Gemeindewerke Villmergen unter www.gwv.ch.