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Der Mann mit Ecken und Kanten geht: Nach 28 Jahren ist für Vizeammann Klemenz Hegglin Schluss

Klemenz Hegglin tritt nicht ganz freiwillig von der Villmerger Politbühne ab. Der Vizeammann wurde nach 28 Jahren im Rat abgewählt. Der 68-jährige SP-Politiker ist darob aber nicht enttäuscht, es warten bereits neue Aufgaben auf ihn.

Nathalie Wolgensinger
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Nach 28 Jahren ist Schluss: Klemenz Hegglin blickt auf eine spannende Zeit im Villmerger Gemeinderat zurück.

Nach 28 Jahren ist Schluss: Klemenz Hegglin blickt auf eine spannende Zeit im Villmerger Gemeinderat zurück.

Nathalie Wolgensinger

Das Wahlergebnis war ein Schlag: Hegglins Sitz holte sich der 38-jährige Daniel Füglistaller, der 1186 Stimmen erhielt. Klemenz Hegglin erhielt bloss 619 Stimmen. Sein Herausforderer für das Amt des Vizeammanns, Renato Sanvido (FDP), vereinigte bei der Wahl zum Vizeammann 809 Stimmen auf sich, 438 Villmerger stimmten für Hegglin. Nach 28 Jahren im Villmerger Rat war nun also Schluss. Hegglin hadert nicht mit seiner Abwahl Ende September dieses Jahres. Er kommentiert in seiner pragmatischen Art: «Es ist, wie es ist.»

Der Tiefbauingenieur will nun nicht mehr zurückblicken, sondern nach vorne. Er kommentiert: «Ich hätte zwar gerne noch eine Legislatur angehängt. Aber es sollte nicht sein, nun habe ich mehr Zeit für meine Hobbys.»

Das Turnhallenverbot politisierte ihn

Hegglin stellte sich erst mit 40 Jahren zur Wahl in den Gemeinderat. Politisch interessiert sei er aber seit frühester Jugend gewesen. Er erzählt:

«Zu Hause am Familientisch wurde viel politisiert.»

Als aktives Mitglied des Arbeiter-Touring-Bundes war für ihn die SP die logische Heimat. Der Arbeiter-Touring-Bund war auch Heimat der Reigenfahrer. Diese Art des Kunstradfahrens wurde damals in Villmergen eifrig und mit viel Erfolg betrieben.

Der junge Klemenz Hegglin war ein begeisterter Orientierungsfahrer (vergleichbar mit Orientierungslauf) und nahm an Wettkämpfen teil. Dem Hausmeister der Villmerger Turnhalle passte es nicht, dass die Kunstradfahrer in der Turnhalle trainierten und ihre Velos Kratzer auf dem Boden hinterliessen.

Er verbannte sie aus der Turnhalle und sorgte dafür, dass sich Hegglin politisch für eine zusätzliche Sporthalle für die Villmerger Vereine starkmachte. Dieses Anliegen wurde zwar nicht umgesetzt, aber Hegglin nahm Einsitz in der Baukommission und lernte dort die politische Arbeit von der Pike auf kennen.

Klemenz Hegglin verabschiedete sich an der letzten Gemeindeversammlung von den Villmergerinnen und Villmergern.

Klemenz Hegglin verabschiedete sich an der letzten Gemeindeversammlung von den Villmergerinnen und Villmergern.

Nathalie Wolgensinger (25.11.2021)

Als er für das Amt des Gemeinderates angefragt wurde, sagte er zu. Mit 40 Jahren, im Jahr 1994, und als Vater dreier Kinder fühlte er sich nicht mehr zu jung dazu. Die Arbeit sei ihm nicht schwergefallen, er habe von seiner Erfahrung aus der Baukommission profitieren können.

«Die Arbeit im Gemeinderat ist Teamarbeit»

Wenn Hegglin von seinen ersten Jahren im Rat erzählt, dann gerät er ins Schwärmen:

«Die Abläufe waren einfacher und vieles konnte unkompliziert geregelt werden.»

Als Ressortvorsteher Bau hatte der begeisterte Micro-Car-Fahrer viel zu tun. Die Gemeinde wuchs in den letzten Jahrzehnten enorm. Das Schulhaus Dorf erhielt einen Anbau, das Gemeindehaus wurde saniert und erweitert, der Kindergarten wurde ebenfalls erweitert und das Schulhaus Mühlematten gebaut. Die Arbeiten begleitete er als Gemeinderat und hatte meistens auch den Einsitz in den Baukommissionen, was viele Sitzungsstunden und Besichtigungen auf Baustellen mit sich brachte.

Weitaus wichtiger sind ihm aber die schönen Freundschaften, die während seiner Zeit im Gemeinderat entstanden sind und die er bis heute pflegt. Hegglin schätzte stets die kurzen Wege und so blieb ihm die Zusammenlegung der Forstbetriebe am Rietenberg in besonders guter Erinnerung. Er sagt: «Hier konnte man direkt Einfluss nehmen.»

Während Hegglins Amtszeit fand auch die Fusion mit Hilfikon statt und die Ortsbürgergemeinde wurde in eine Stiftung umgewandelt. Zwei wichtige und richtungsweisende Entscheidungen, die bis heute spürbar sind in Villmergen. Hegglin ist folgende Feststellung wichtig:

«Die Arbeit im Gemeinderat ist immer Teamarbeit, es ist nicht der Einzelne, der etwas bewirkt.»

Der ehemalige technische Leiter eines Strassenbauunternehmens macht nun nach 28 Jahren den Platz frei für einen jüngeren Gemeinderat.

Der Villmerger Vizeammann Klemenz Hegglin in seinem Messerschmitt, Jahrgang 1956.

Der Villmerger Vizeammann Klemenz Hegglin in seinem Messerschmitt, Jahrgang 1956.

Toni Widmer (17.3.2017)

Erstaunt hat, dass sich der Vizeammann mit Ecken und Kanten an der Gemeindeversammlung keine Verabschiedung wünschte. Das will er nicht weiter kommentieren, sondern getreu seinem Motto nur voraus- und nicht zurückblicken. Er werde nun mehr Zeit haben für seinen Nebenjob, freut er sich.

Er verschiebt im Auftrag des Militärs Lastwagen zwischen den Logistikcentern. Und da steht auch noch der alte Messerschmitt mit Jahrgang 1956 in der Garage, der gepflegt werden will.

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