Villmergen
Erneuerbare Fernwärme: Dorf und Industriegebiet sollen je einen Wärmeverbund erhalten

Die Versorgung von Villmergen mit erneuerbarer Wärmeenergie kommt voran. Gemeinde und AEW Energie AG wollen zwei unabhängige Verbunde realisieren. Die Gemeinde plant einen Wärmeverbund im Dorf, die AEW einen im Industriegebiet. Beide sollen ab 2024 erneuerbare Fernwärme liefern.

Andrea Weibel
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Dorfansichten vom Villmerger Kirchturm aus: Ab 2024 sollen sowohl das Dorf als auch das Industriegebiet, das im Hintergrund zu sehen ist, einen eigenen Fernwärmeverbund erhalten.

Dorfansichten vom Villmerger Kirchturm aus: Ab 2024 sollen sowohl das Dorf als auch das Industriegebiet, das im Hintergrund zu sehen ist, einen eigenen Fernwärmeverbund erhalten.

Samuel Schumacher

Villmergen will die Energiestrategie 2050 umsetzen. Ein Schritt in diese Richtung ist, dass das Dorf mit erneuerbarer Fernwärme beliefert werden soll. Nun plant die Gemeinde im Dorfgebiet einen Fernwärmeverbund. Das schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung.

Doch nicht nur die Gemeinde selbst will einen solchen Fernwärmeverbund realisieren. Einen zweiten soll es für die Villmerger Industriezone geben. Dieser soll jedoch nicht von der Gemeinde, sondern von der AEW Energie AG als Investorin erstellt werden. «Das Vorprojekt ist bereits weit fortgeschritten. Für diesen Wärmeverbund soll Ende 2022 die Baueingabe erfolgen. Die erste Wärmelieferung ist auf Ende 2024 vorgesehen», heisst es in der Mitteilung. Und: Die AEW will dafür in einer ersten Phase rund 10 Mio. Franken investieren.

Am 25. November kommt der Wärmeverbund im Dorf vor die Gmeind

Im Dorf strebt die Gemeinde Villmergen gemeinsam mit dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) einen Wärmeverbund an. Ziel sei es, private und gemeindeeigene Liegenschaften wie Kombibauten und Schulanlagen sowie den bereits bestehenden Wärmeverbund von Gottfried Stähli in die neu zu bauende Heizzentrale einzubeziehen. «Eine sinnvolle Massnahme, wie die durchgeführte Machbarkeitsstudie zeigt», schreibt der Gemeinderat.

Zudem könnte das Forstgebiet Rietenberg direkt den Brennstoff liefern und der Betrieb der Anlage durch die Gemeindewerke Villmergen sichergestellt werden. Zuerst muss das Vorhaben, das Gemeinde und EWZ rund 7 Mio. Franken kosten wird, allerdings vor die Gemeindeversammlung. Es ist auf den 25. November traktandiert. «Die erste Wärmelieferung ist für die Heizperiode 2024/2025 geplant», heisst es im Schreiben.

Wertschöpfung soll in der Region bleiben

Die Wärme für den Wärmeverbund Industrie soll zu grossen Teilen aus regional gewachsenem Holz erzeugt werden. Dazu kommen Altholz sowie Öl zur Spitzenlastabdeckung und als Redundanz, schreibt die AEW dazu. In der Mitteilung wird verdeutlicht: Mit der Gesamtwärmemenge des Wärmeverbunds Industrie könnten etwa 700 Haushalte CO2-neutral geheizt werden. Künftig werden jährlich rund 640’000 m3 Erdgas eingespart, die 1900 Tonnen CO2-Emissionen verursachen würden. «Das entspricht circa 300 Erdumrundungen oder rund 11,7 Mio. Kilometern zurückgelegt mit einem durchschnittlichen Personenwagen», rechnet die AEW vor.

Ab der Heizperiode 2024/2025 soll Villmergen mit Fernwärme beheizt werden.

Ab der Heizperiode 2024/2025 soll Villmergen mit Fernwärme beheizt werden.

Severin Bigler

Das Konzept des Villmerger Verbundes Dorf hingegen basiert auf einer 100-prozentig CO2-neutralen Wärmeversorgung mit zwei Holzschnitzelwärmeerzeugern. Mit der Gesamtwärmemenge könnten hier etwa 340 Haushalte beheizt werden. Dadurch werden jährlich rund 352’000 m3 Erdgas eingespart, die 750 Tonnen CO2-Emissionen verursachen würden.

«Die Gemeinde Villmergen und die AEW freuen sich auf die Realisierung der umweltbewussten und nachhaltigen Wärmelösungen als wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie 2050», heisst es zum Schluss.