Muri
«Typisch Spekulationsbau»: Projekt für Verwaltungsgebäude vom Tisch gefegt

In Muri wird für die Realisierung eines Verwaltungsgebäudes ein Architekturwettbewerb verlangt.

Eddy Schambron
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Zurück auf Feld eins: Gemeindepräsident Hampi Budmiger an der letzten Einwohnergemeindeversammlung.

Zurück auf Feld eins: Gemeindepräsident Hampi Budmiger an der letzten Einwohnergemeindeversammlung.

ES

So krass flog dem Gemeinderat Muri wohl noch nie eine Vorlage um die Ohren. Schon nach dem ersten, ablehnenden Votum und dem Applaus wurde deutlich: Das vorgelegte Projekt für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes in den Widmen hatte keine Chance. «Typisch Spekulationsbau» war noch die schmeichelhafteste Bezeichnung für den Vorschlag, den der Gemeinderat den Stimmberechtigten vorlegte. Gerüffelt wurde er dafür, dass er keinen Architekturwettbewerb durchgeführt hatte. Mit der Annahme eines Rückweisungsantrags wird das jetzt korrigiert. Auch der Standort für das neue Verwaltungsgebäude ist wieder offen.
Ein Architekt habe ihm geschrieben, das Projekt sehe «furchterregend» aus, erklärte Balz Käppeli.

Baukredit

Der Baukredit für das Verwaltungsgebäude Widmen belief sich auf 6,85 Mio. Franken plus Mobiliar für 370'000 Franken.

Ein anderer habe ihm gemailt: «Das ist reine Erledigungs-Architektur und muss unbedingt gestoppt werden.» Nochmals ein anderer sprach von «Dorfbild-Verunstaltung». Käppelis Kontakte zu Architekten kommen nicht von ungefähr. Er ist beruflich als Bauleiter von grossen Projekten in der Branche vernetzt und war bis 2014 selbst in der Fachkommission Bau und Planung der Gemeinde Muri. Jetzt kritisierte er nicht nur die Architektur des geplanten Verwaltungsneubaus, sondern auch das Vorgehen des Gemeinderats: Es sei kein Architekturwettbewerb ausgeschrieben worden, es seien offenbar keine wirklichen Fachleute in die Planung involviert gewesen, wohl nicht mal die Fachkommission Bau und Planung, kurz: «Es ist nötig, dass ein neues Verwaltungsgebäude projektiert wird, «wie es sich für Muri gehört und wie es der Bau- und Nutzungsordnung entspricht.»

«Keine Projektreife»

Vor einem Jahr sprach die Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit von 150 000 Franken. Es wurde das Architekturbüro Beeler beauftragt, das bestehende Vorprojekt zur Projektreife zu bringen; Architekt Alfred Beeler würde auf der ihm gehörenden Nachbarparzelle gleichzeitig einen nahezu identischen Kubus als Büro- und Wohngebäude auf einer gemeinsamen Tiefgarage bauen. «Das Projekt hat keine Projektreife», bemängelte Lorenz Schöb und stellte einen Rückweisungsantrag. Architektin Alexandra Schuler ist «ob der Visualisierung des Projektes erschrocken».

Das Projekt sei bezüglich Ortsbildschutz problematisch und ungenügend. Abgesehen davon stelle sich die Frage, ob der Gemeinderat das Submissisonsgesetz nicht «in krasser Weise» verletzt habe, wobei Schuler betonte, persönlich für ihr Architekturbüro keinerlei Interesse an der Planung dieses Bauwerks zu haben. Hans-Peter Frey mochte sich weder für die gewählte Heizung noch für den Standort erwärmen und lehnte das Projekt als «inakzeptabel» ab. Ruedi Wipf, ehemaliger Bauverwalter, kritisierte, dass «ausgerechnet die Gemeinde» keinen Architekturwettbewerb durchgeführt habe.

Josef Frei beantragte, weitere Varianten – auch die von Leodegar Huber mit einem Verwaltungsneubau im Bahnhofareal – zu prüfen. «Kein Unternehmer würde dieses Projekt realisieren», befand schliesslich kurz und knapp Marco Staubli. Gemeindepräsident Hampi Budmiger hatte den Argumenten nicht viel entgegenzusetzen. Nur Doris Gasser von der SP meinte, der Gemeinderat habe gute Arbeit geleistet und ein kostengünstiges Projekt aufs Papier bringen lassen.

Mit 258 Nein- und vereinzelten Ja-Stimmen wurde das Projekt versenkt und der Gemeinderat beauftragt, über einen Architekturwettbewerb zu einem neuen Projekt zu kommen, wobei auch der Standort wieder offen sein muss. Das bedeutet einen neuerlichen Projektierungs- und Baukreditkredit und Mehrkosten durch die zeitliche Verzögerung, denn die Abteilungen Finanzen und Steuern sowie Soziale Dienste werden ein längeres Provisorium benötigen.

Es gibt Schwimmunterricht

Mit 176 Ja zu 109 Nein wurde die Einführung von Blockzeiten für die Unterstufe ab Schuljahr 2018/19 mit Schwimmunterricht und zusätzlichen Unterrichtslektionen angenommen. Dagegen hatten sich vier Familien aufgelehnt, die unter anderem den Schwimmunterricht in der Verantwortung der Eltern sehen. Zuvor hatte Gemeinderätin Yvonne Leuppi die Vorteile der Blockzeiten und die Notwendigkeit des Schwimmunterrichts dargelegt. Diskussionslos über die Bühne gingen die Leistungsvereinbarung mit der Stiftung Murikultur zur Gemeindebibliothek, die Teilrevision des Gemeindevertrags Stützpunktfeuerwehr Muri+ mit Buttwil und Geltwil sowie das Budget 2018.

Verabschiedet wurden Eveline Bächler, Ersatzmitglied Wahlbüro, Marcel Schöpfer, Mitglied Steuerkommission, Daniel Meier, Hans Peter Knoblauch und Maria Küng, alle Finanzkommission, sowie Carolynn Handschin, Mitglied Schulpflege.

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