Es ist früh am Montagmorgen, kurz vor fünf Uhr. Beim Eingang zum Schlachthof der Metzgerei Braunwalder in Wohlen hat sich eine kleine Gruppe von Menschen in gelben Leuchtwesten versammelt. Trotz früher Uhrzeit, Dunkelheit und kalter Temperaturen sind es ungefähr 15 Tierrechtsaktivistinnen und -aktivisten der internationalen Organisation The Save Movement, die für eine sogenannte Mahnwache angereist sind. Es ist die erste Aktion dieser Art in der Region. 

Ausgerüstet mit Protestschildern, einer Klappleiter und Kameras warten sie vor dem Tor auf die Viehtransporter. «Wenn die Chauffeure mit ihrem Lastwagen vor dem Gitter anhalten und warten, bis sie reinfahren können, bieten wir ihnen Kaffee und Kuchen an. Im Gegenzug dürfen wir dann durch die seitlichen Lichtöffnungen in den Anhänger schauen und uns von den Tieren verabschieden, sie filmen und fotografieren», erklärt Mitorganisator Damir Markotic. Mit der Aktion wollen sie den Tieren aus der Anonymität helfen und ihnen ein Gesicht geben. «Wir wollen der Welt zeigen, was man im Laden nicht sieht. Viele sehen nur das Fleisch auf dem Teller, aber an den Prozess des Schlachtens denken sie dabei nicht», verdeutlicht Aktivist Julian Scholl. 

Friedlich und gut kommuniziert 

Die Protestaktion läuft vollkommen friedlich ab. So soll es auch sein: «Wir empfinden keinerlei negative Gefühle oder Hass gegenüber den Chauffeuren und Mitarbeitern des Schlachthofes und der Metzgerei. Sie sind nur Teil dieses Systems», betonen Markotic und Scholl. Es sei ihnen wichtig, dass auf Augenhöhe kommuniziert werde. 

Eine Geste, die auch Stefan Strebel, Geschäftsführer der Metzgerei Braunwalder, sehr schätzt. «Es wurde sehr gut kommuniziert, auch seitens der Gemeinde», bestätigt er auf Anfrage. Er habe kein Problem mit solchen Aktionen: «Ich kann die Aktivisten verstehen. In der heutigen Zeit sollen solche Aktionen Platz haben. Es ist heute Morgen ja alles sehr friedlich verlaufen.» Der Protest sei für die Angestellten keine Behinderung gewesen. Ganz wichtig sei ihm ausserdem: «Es sind keine unnötigen Wartezeiten für die Tiere verursacht worden.» Dass solche Aktionen in Zukunft ausser Kontrolle geraten könnten, befürchtet er nicht: «Ich hatte ein gutes Einvernehmen mit den Organisatoren.» 

Nachdem ihm die Aktivisten am Donnerstag vor einer Woche mitgeteilt hätten, dass sie eine Mahnwache planten, habe er sich über die Organisation informiert. «Ich verstehe die Frau aus Amerika, die während eines Spaziergangs einen Viehtransporter mit Tieren in der brütenden Hitze gesehen hat. Sowas finde ich auch schlimm.» Denn ihm liege das Wohl der Tiere genauso am Herzen. Aus diesem Grund lege er Wert darauf, dass die Tiere, die zum Schlachten zur Metzgerei Braunwalder kommen, aus der Region stammen und einen möglichst kurzen Anfahrtsweg haben.

Kein Problem für die Polizei 

The Save Movement habe solche Aktionen bisher vor allem in Zürich durchgeführt, sagt Damir Markotic. «Jetzt gibt es aber immer mehr Mahnwachen an verschiedenen Orten der Schweiz.» Mittlerweile zählt die Organisation, die ihren Ursprung in Kanada hat, bereits über 560 Lokalvereine auf der ganzen Welt. 

Künftig sollen solche Protestaktionen ein- bis zweimal pro Monat bei der Grossmetzgerei in Wohlen durchgeführt werden. Das ist weder für den Geschäftsführer noch für die Regionalpolizei Wohlen ein Problem. «Diese Organisation hat schon einige friedliche Proteste in der Schweiz veranstaltet. Daher gibt es keine Anzeichen, dass sie in Zukunft Probleme bereiten wird», berichtet Matthias Schatzmann, Polizeichef-Stellvertreter der Regionalpolizei Wohlen. Er war gestern Morgen vor Ort, um sicherzustellen, dass die erteilten Auflagen der Bewilligung eingehalten werden. Kosten für die Aktivisten entstehen dadurch keine. «Das gehört zu unserem Grundauftrag», so Schatzmann.