Herzkrankheit
Syrischer Flüchtling erhält lebensrettende Operation: "Danke Schweiz, danke Unterlunkhofen"

In der Schweiz erhielt der Vater einer syrischen Flüchtlingsfamilie eine lebensrettende Operation. Sobald er sich erholt hat und sein Deutsch besser ist, möchte er gerne wieder busfahren.

Nora Güdemann
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Bassam Al Salloum und sein Sohn Hisham trinken sehr gerne Chai. Hisham kippt in seinen rund sechs Teelöffel Zucker. «Es ist kein richtiger Chai, wenn nicht viel Zucker darin ist», sagt der 27-Jährige. Seine Mutter Kathren steht in der Küche der kleinen Wohnung in Unterlunkhofen und kocht: Couscous, Kichererbsen, Poulet. Es riecht nach Zimt. Der Sohn erklärt, dass immer gekocht werde, wenn Gäste zu Besuch seien. Die Familie selbst isst nicht mit dem Gast, ganz gemäss dem arabischen Brauchtum. Im Hintergrund läuft der Fernseher, syrische Serien und Nachrichten werden gezeigt. Meistens läuft er rund um die Uhr. «Natürlich haben wir manchmal Heimweh», sagt Hisham, der seit 2015 in der Schweiz lebt. «Aber wir sind unendlich dankbar, hier in Frieden leben zu dürfen.»

Dankbarkeit war ein Wort, das während des Gesprächs mit der syrischen Flüchtlingsfamilie aus Damaskus häufig fiel. Denn dass Vater Bassam noch mit seiner Frau und den Kindern auf dem Sofa sitzen und Chai trinken kann, ist nicht selbstverständlich. Hisham spricht fast fliessend Deutsch und übersetzt für seinen Vater. «Er leidet an einer Herzkrankheit, die seine Arterien verstopfen lässt. Sein Vater und auch sein Bruder sind daran gestorben.» Bassam unterzog sich bereits mehreren Operationen. «Wir hatten Angst um ihn», sagt sein Sohn.

Er will wieder busfahren

Am 1. Mai wurde Bassam in der Hirslanden Klink in Aarau noch einmal operiert. Eine Bypass-OP. Mehrere Stunden wartete die Familie auf die Nachricht, dass alles gut gelaufen ist. Sie hatten Glück. Bassam war zehn Tage im Krankenhaus, bis er das Angebot bekam, in Chur in stationäre Therapie zu gehen. «Nein», sagt Bassam, «das wollte ich nicht.» Zu weit sei Chur von seiner Familie entfernt gewesen. Um mit ihnen zusammen zu sein, nimmt er es in Kauf, jeden Tag vier Stockwerke Treppen in die Wohnung zu steigen. «Es ist nicht einfach für ihn. Aber er macht Fortschritte», so Hisham. Die Kosten für die lebensrettende Operation wurden vom Kanton und den Krankenkassen vollumfänglich übernommen. Und dafür will Bassam Danke sagen. Er ringt nach Luft, grinst, ein Silberzahn blitzt auf. «Danke Schweiz, danke Kanton, danke Hirslanden und danke Gemeinde Unterlunkhofen.» Voller Freude fügt er an: «Merci beaucoup.»

In Damaskus war der 56-jährige Busfahrer. Er zeigt ein Bild, auf dem er, einige Jahre jünger, vor einem blau-rot bemalten Bus steht. Gerne würde er wieder fahren, aber seine Deutschkenntnisse reichen noch nicht aus. Zusammen mit seiner Frau und den zwei Töchtern Layla (25) und Rahaf (22) ist er vorläufig in der Schweiz aufgenommen. Sie kamen vor rund 3 Jahren ins Land: «Mit dem Flugzeug und einem Visum.» Der Krieg zwischen dem Assad-Regime und extremistischen Gruppierungen vertrieb die Familie aus ihrer Heimat. «Wir sind Christen und eine Minderheit in Syrien», erklärt Hisham.

Froh, am Leben zu sein

Der 27-jährige Sohn reiste seiner Familie nach, brach dafür sein Jurastudium ab. Seine Schwester Layla studierte Archäologie und lernt nun Deutsch auf dem Niveau C1, arbeitete als Ausgräberin für den Kanton. Rahaf war Physiotherapeutin und macht jetzt ein Praktikum in einer Tagesstätte. Hisham und seine Schwestern halten Vorträge über ihre Zeit in Syrien und über das Glück, in der Schweiz sicher zu leben.

Dankbar für die lebensrettende Herzoperation: Mutter Kathren, Flüchtlingsseelsorgerin Effi Spielmann Vater Bassam und Sohn Hisham (von links) in ihrem Wohnzimmer in Unterlunkhofen. Familie Al Salloum sagt Danke

Dankbar für die lebensrettende Herzoperation: Mutter Kathren, Flüchtlingsseelsorgerin Effi Spielmann Vater Bassam und Sohn Hisham (von links) in ihrem Wohnzimmer in Unterlunkhofen. Familie Al Salloum sagt Danke

Nora Güdemann

«Leider haben wir aber auch mit Vorurteilen zu kämpfen», sagt Hisham. Deswegen engagiere er sich als freiwilliger Helfer, beispielsweise bei der Caritas. Mutter Kathren klopft ihrem Sohn stolz auf die Schulter. «Das ist gut. Man muss rausgehen und offen sein. Wären nur die Billette nicht so teuer.» Ihr Mann nickt seufzend, aber man sieht ihm an, dass er einfach nur froh ist, am Leben zu sein.

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