Zufikon
Streit um Dorfverkehr: «Messresultat ist nicht aussagekräftig»

In Zufikon soll der Verkehr durchs Dorf gemessen werden. Darüber ist nun ein Streit entbrannt. Kritisiert werden Messmethode und fehlende Messpunkte.

Lukas Schumacher
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Abkürzung für Pendler: Feierabend-Verkehr auf der Stiefelstrasse, einer Zufiker Gemeindestrasse. Archiv/sl

Abkürzung für Pendler: Feierabend-Verkehr auf der Stiefelstrasse, einer Zufiker Gemeindestrasse. Archiv/sl

Die Diskussion um den Zufiker Dorfverkehr reisst nicht ab. Nach Anwohner Tomas Bartos kritisiert jetzt auch die Interessengruppe Verkehr Zufikon (IGVZ) die Ergebnisse der angewandten Verkehrsmessmethode BlueScan. Bekanntlich gipfelt die BlueScan-Erhebung in der Aussage, dass 90 Prozent des Dorfverkehrs hausgemacht sind. «Das Messresultat ist unvollständig und nicht aussagekräftig», hält Alois Felder im Namen der IGVZ fest. Zudem fusse das Ergebnis teils auf Hochrechnungen und nicht auf exakten Zählungen.

«Wichtige Messpunkte fehlen»

Die vom Kanton Aargau lancierte und vom Unternehmen Swisstraffic durchgeführte BlueScan-Messung war überregional ausgerichtet. Zufikons Gemeindebehörde nutzte die sich bietende Gelegenheit und liess zusätzliche Messstationen einrichten. Davon erhoffte man sich exakte Daten über den Verkehr, der durchs Dorf fährt. «Leider wurden die Anliegen der Gemeinde und der Anwohner nur ungenügend berücksichtigt», teilt die IGVZ mit. Wichtige Messpunkte fehlten, nämlich: «Kreuzung Unterdorfstrasse - Zufikerstrasse - Aettigüpfstrasse, Kreuzung Oberdorfstrasse - Zugerstrasse und Kreuzung Bachstrasse – Herrengasse - Breitenzelgstrasse.»

Weshalb diese Messpunkte unberücksichtigt blieben, sei nicht nachvollziehbar. Die IGVZ habe den Gemeinderat schon vor der BlueScan-Erhebung auf diesen Mangel hingewiesen.

«Fragwürdige Strategie»

Ein dickes Fragezeichen setzt die Interessengruppe hinter die Strategie von Gemeinderat und Verkehrsexperten, die benachbarten Bremgarter Wohnquartiere im Gebiet Bärenmatt sowie den Einkaufsverkehr dem hausgemachten Verkehr von Zufikon zuzuschlagen. Bremgarten habe eigene Gemeinde- und Kantonsstrassen für die Zufahrt zum Zufiker Kreisel und den dortigen Verkehrsachsen, argumentiert die IGVZ. Folglich seien die Bewohner des Städtchens «nicht auf das ohnehin überlastete Zufiker Gemeindestrassennetz angewiesen».

Im Weiteren sei enttäuschend, dass sich der einheimische Firmenfahrzeug-Verkehr in den Schul-, Dorf- und Kindergartenzonen nach wie vor nicht verringere. Dies trotz allerlei Anstrengungen vonseiten der Gemeindebehörde.

«Zahlen zu tief angesetzt»

Nach Auffassung der Interessengruppe sind die vom Gemeinderat im «Zufiker Bulletin» veröffentlichten Zahlen zum Verkehr in der Kernzone, auf der Stiefel- und der Aettigüpfstrasse zu tief angesetzt. Erwiesener Fakt anhand einer Grafik des Kantons sei, dass der Verkehr auf den beiden Kantonsstrassen Zuger- und Züricherstrasse nur minim zugelegt habe. Die Kantonsstrassen würden zu wenig genutzt und die Gemeindestrassen stattdessen übernutzt. Folge davon seien «immens belastete Gemeindestrassen». Dabei gebe es kostengünstige, taugliche Lösungsansätze für weniger Verkehrslärm, für eine Verringerung des Durchgangsverkehrs und mehr Sicherheit zugunsten der Fussgänger und Velofahrer.

«Bremgarter Nachbar darf durch Zufikon rollen»

Ein strittiger Punkt in der Diskussion um den gemäss Verkehrserhebung «zu 90 Prozent hausgemachten Dorfverkehr» ist die Definition des Begriffs «Dorfverkehr». Nach Auffassung der Interessengruppe IGVZ zählen die Autofahrer, die in den angrenzenden Bremgarter Wohnquartieren daheim sind und durch Zufikon rollen, nicht zum «eigenen Dorfverkehr», sondern zum «Durchgangsverkehr». Anderer Ansicht sind Verkehrsfachleute und der Gemeinderat Zufikon. Nebst dem gemeinsamen, dicht zusammengewachsenen Siedlungsgebiet Zufikon/Bremgarten bestünden enge gesellschaftliche und wirtschaftliche Vernetzungen, teilt der Gemeinderat mit und hält explizit fest: «Es gibt keinen Grund, weshalb der 500 Meter hinter der Gemeindegrenze wohnende Nachbar nicht durch Zufikon fahren soll. Er ist hier weder fremd noch unerwünscht. Auch wir fahren auf Strassen ausserhalb unseres Gemeindegebiets.» Die hohe Mobilität sei eine Realität. (SL)

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