Hermetschwil-Staffeln
Speedcubing: Die Würfelmagier kommen ins Freiamt

Am 13./14. Oktober finden erstmals Speedcubing-Meisterschaften im Aargau statt. Der Zauberwürfel-Profi Cédéric Winkler zeigt auf, dass das ganze nicht so schwierig ist, wie es wirkt.

Andrea Weibel
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Zwei Speedcuber liefern sich ein hartes Duell am Zürich Open 2018 – so wird es auch bald im Freiamt aussehen.

Zwei Speedcuber liefern sich ein hartes Duell am Zürich Open 2018 – so wird es auch bald im Freiamt aussehen.

zvg

Es ist fast unfassbar: Sie nehmen einen ungeordneten Zauberwürfel in die Hand, die kleinen bunten Quadrate verschwimmen vor Geschwindigkeit, und nur Sekunden später legen sie den Würfel säuberlich nach Farben geordnet wieder auf den Tisch. Zauberei? Computerbearbeitung? Nein. Die jungen Würfelmagierinnen und -magier sind tatsächlich so schnell. Das beweisen sie dieses Wochenende im Hermetschwil-Staffler Gemeindesaal, wo zum ersten Mal im Aargau eine Speedcubing-Meisterschaft stattfindet.

Die Würfel werden sogar blind gelöst

Denkt man an Rubik’s Cubes, kommt den meisten das Stereotyp des Nerds, also des oft bebrillten Strebers, in den Sinn. Aber wer spielt mit den Zauberwürfeln? Und was beinhalten die Meisterschaften? Die AZ Freiamt hat bei Ioannis von Swisscubing nachgefragt.

Herr Papadopoulos, was genau ist Speedcubing?

Es geht darum, den Rubik’s Cube und andere Puzzles so schnell wie möglich zu lösen – mit zwei Händen, mit einer Hand oder blind. Die Faszination besteht darin, dass man mit Übung immer schneller und schneller wird.

Wer sind die Speedcuber?

Die Speedcubing-Community ist extrem vielfältig. Die meisten Teilnehmer sind zwar zwischen 10 und 20 Jahre alt und männlich, jedoch finden sich sehr viele Ausnahmen.

Wie lange gibt es schon solche Turniere in der Schweiz?

Das erste fand 2008 in Genf statt. 2017 wurde Swisscubing gegründet, der offizielle Schweizer Speedcubing-Verband. 2018 fanden in der Schweiz bereits 14 Turniere statt.

Worum geht es beim Turnier?

Neben 3×3-Zauberwürfeln werden auch 2×2, 4×4, 5×5, 6×6, 7×7 und die Rubik’s Clock gelöst – der 3×3 auch mit einer Hand und blind. Haupt-Event ist der Megaminx, ein zwölfseitiges Puzzle, das vom aktuellen Schweizer Rekordhalter Manuel Bühler in ungefähr 50 Sekunden gelöst werden kann.

Wer darf teilnehmen?

Jeder, der sich angemeldet hat. Insgesamt sind es 39 Teilnehmer. Leider sind keine Freiämter mit dabei – aber hoffentlich beim nächsten Mal.

Infos und Programm gibts online unter den Links «Wettbewerbe» und «Argovia Open 2018».

Von den 39 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern stammt niemand aus dem Freiamt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es hier keine Cuber gibt. Der 30-jährige Cédéric Winkler aus Muri beschäftigt sich seit 2010 intensiv mit den Zauberwürfeln. Er sagt: «Jeder kann Cubes lösen, aber wer richtig schnell sein will, muss viel trainieren.»

Tipps für Anfänger

«Natürlich hatte ich als Kind auch ab und zu solche Würfel in der Hand», erinnert sich Winkler. «Aber so richtig interessiert hat es mich erst, als vor etwa acht Jahren ein Freund von mir damit begonnen hat. Er zeigte mir Tricks zum Einstieg. Von da an stachelten wir uns gegenseitig an.»

Wer ein paar Dinge weiss, hat eine gute Chance, einen Würfel überhaupt lösen zu können. Winkler erklärt: «Als Erstes muss man wissen, wie ein Cube aufgebaut ist. Die mittleren Teile auf jeder Seite, sogenannte Center Pieces, sind unbeweglich, die bleiben immer an Ort und Stelle. Das bedeutet, man weiss immer schon von Beginn an, wo welche Farben hinkommen.» Bei normalen Würfeln liegen sich immer weiss und gelb gegenüber, genauso wie rot und orange, blau und grün. «Es ist nicht so willkürlich, wie sich das viele vorstellen.»

Hat man das verstanden, kann man loslegen: «Man löst erst eine Oberseite, indem man sich dazu eines der Mittelteile aussucht und die Reihen so lange dreht, bis man mit derselben Farbe um die Mitte ein Plus gelegt hat. Danach folgen die Ecken.» Hat man diese erste Farbe richtig gelegt, sollte auf den Seiten die oberste Reihe bereits stimmen. Es folgt die zweite Reihe. «Am Ende die Unterseite zu lösen, ist das Schwierigste. Dafür muss man, um schnell zu sein, gewisse Algorithmen auswendig lernen. Aber man kann natürlich auch einfach ausprobieren.»

Militär: viel Zeit zum Üben

Verbessert hat er seine Fähigkeiten im Militär. «Wir hatten sehr viel Zeit totzuschlagen. Einige von uns begannen damals zu rauchen, ich trainierte mit dem Rubik’s Cube», erinnert sich Winkler lachend. «Einmal zitierte mich ein Feldweibel in sein Büro. Ich fragte mich, was ich angestellt hätte. Aber er sagte nur, ich soll ihm zeigen, wie man diesen Würfel löse.» Schmunzelnd schüttelt er den Kopf.

Warum nimmt er nicht am Wettbewerb teil? «Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich nicht mehr schneller werden konnte, ohne sehr viel zu trainieren. Da ich noch viele andere Hobbys habe, entschied ich mich gegen Speedcubing.» Noch immer macht es ihm Spass.

«Ungelöste Würfel machen mich wahnsinnig»

Dabei ist es eigentlich nur Aufräumen: «Wenn ich an einem ungeordneten Würfel vorbeigehe, kann ich nicht anders, als ihn zu lösen. Ungelöste Würfel machen mich wahnsinnig», fügt er grinsend hinzu. «Wenn ich einen Film schaue, fällt mir in einer Wohnung immer als erstes auf, wenn ein ungelöster Zauberwürfel herumliegt.» Winkler schaut sich auch gerne Videos von guten Cubern an. «Letztens habe ich eines gesehen, in dem jemand mit drei Rubik’s Cubes jongliert und sie gleichzeitig gelöst hat. Das ist unglaublich. Wieder andere lösen sie mit den Füssen.»

Wer diese Würfelmagie selber erleben möchte, kann am kommenden Wochenende den Cubern jeweils von 9.30 bis 18 Uhr im Gemeindesaal Hermetschwil-Staffeln live beim Zaubern zuschauen.

Wollen Sie sehen, wie schnell man einen Zauberwürfel lösen kann?

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