SERIE FREIÄMTER BIBLIOTHEKEN (5)
Schwester Gaudentia – das Buch ist nicht nur spannend, sondern handelt von der Tante der Bibliotheksleiterin

In einer monatlich erscheinenden Serie stellt die AZ Freiamt Bibliotheken aus der Region, Bibliothekarinnen und deren Lieblingsbücher vor. Im fünften Teil ist die Reihe an den Mitarbeiterinnen der Bibliothek Dottikon und deren Leiterin Jacqueline Luzio.

Verena Schmidtke
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Die Dottiker Bibliotheksleiterin Jacqueline Luzio mit ihrem Buchtipp: Es sei nicht nur sehr spannend, sondern handle von ihrer eigenen Tante, Schwester Gaudentia.

Die Dottiker Bibliotheksleiterin Jacqueline Luzio mit ihrem Buchtipp: Es sei nicht nur sehr spannend, sondern handle von ihrer eigenen Tante, Schwester Gaudentia.

Verena Schmidtke

Schon von der Bushaltestelle in der Bahnhofstrasse aus ist die Dottiker Dorfbibliothek gut sichtbar. Beim Eintreten fühlt sich der Besucher gleich wohl im gemütlich und einladend wirkenden Raum zwischen den Bücherregalen. Unter der Maske lächelnd sagt Leiterin Jacqueline Luzio beim Interview: «Besser, ich schalte das Licht aus, sonst sind eventuelle Kunden enttäuscht, weil jetzt noch nicht geöffnet ist.»

Durch die Coronapandemie sei die Dorfbibliothek bisher recht gut gekommen, berichtet Luzio: «Im ersten Lockdown wurde gerade von Älteren der Homeservice sehr gut genutzt, dafür haben wir mit Handschuhen die bestellten Bücher in die Briefkästen gelegt.» Auffällig sei ein Einbruch bei den Ausleihzahlen bei den Kindern. «Diese suchen nicht unbedingt im Online-Katalog nach Autoren», führt die Leiterin aus, «sondern eher hier vor Ort nach einem spannenden Cover.» Abgesehen von den Beschränkungen laufe jetzt aber glücklicherweise alles wieder recht normal.

Die Dottiker Dorfbibliothek lädt schon von weitem zum Schmökern ein.

Die Dottiker Dorfbibliothek lädt schon von weitem zum Schmökern ein.

Verena Schmidtke

Enger Bezug zur Bibliothek

Bevor Jacqueline Luzio zu ihrer Beschäftigung bei der Bibliothek kam, machte sie eine KV-Ausbildung und arbeitete danach als Flight-Attendant bei einer Fluggesellschaft. Sie bekam Kinder und machte sich danach auf die Suche nach einer interessanten Tätigkeit. «Damals war die Bibliothek gerade in dieses Gebäude gezügelt, und es wurden Mitarbeiterinnen gesucht», erinnert sie sich. Da sie schon als Kind leidenschaftlich gern gelesen habe und selbst eine gute Kundin der Dorfbibliothek gewesen sei, schrieb sie eine Bewerbung und hatte Erfolg. «Das war 2006, die Leiterin bin ich seit fünf oder sechs Jahren.»

An ihrer Tätigkeit gefällt Jacqueline Luzio vor allem der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern besonders gut, dabei liegen ihr insbesondere die jüngeren Bibliotheksbesucher sehr am Herzen. «Dazu gehört es auch, Geschichten vorzulesen», erzählt sie begeistert, «wie die Bücherzwerge mit Bewegungsspielen. Das ist einfach herzig. Deswegen kaufe ich für den Bestand gern Kinderbücher.» Schön sei auch, wenn sie bei den Kleinen einen engen Bezug zur Bibliothek schaffen könne. «Es ist toll, wenn Schulkinder zu mir kommen und fragen, ob ich sie noch aus dem Kindergarten kenne», schmunzelt die Leiterin.

Ein tolles Team: die Dottiker Bibliothekarinnen Jacqueline Luzio (Leiterin), Bernadette Moos, Karin Guger und Kathrin Fischer (von links).

Ein tolles Team: die Dottiker Bibliothekarinnen Jacqueline Luzio (Leiterin), Bernadette Moos, Karin Guger und Kathrin Fischer (von links).

Verena Schmidtke

Sie selbst lese einfach unheimlich gern, dabei möge sie gern Bücher aus dem Fantasy-Bereich. «Historische Romane finde ich auch spannend, da sind viele gut recherchiert.» Schön sei auch die gute Zusammenarbeit mit ihrem Team, betont die Bibliotheksleiterin voller Freude.

Zum Abschalten und Entspannung sei bei ihr Nordic Walking ein willkommener Ausgleich. Sie beschreibt mit einem Schmunzeln:

«Dazu höre ich auch gerne mal einen Krimi. Es kann aber schon etwas unheimlich werden, wenn ich währenddessen in der Dämmerung noch unterwegs bin.»

Was sie im Augenblick sehr vermisse, seien Kinobesuche, hält sie zudem fest.

Das Buch handelt von ihrer Tante, einer Freiämter Ordensschwester

«Als Buchtipp habe ich von Helene Arnet ‹Mit Gottvertrauen im Gepäck› ausgesucht», informiert Jacqueline Luzio. Unverhofft erklärt sie:

«In dem Buch geht es um Schwester Gaudentia Meier – meine Tante, die Nonne im Kloster Baldegg ist.»
Lesetipp: Helene Arnet, «Mit Gottvertrauen im Gepäck».

Lesetipp: Helene Arnet, «Mit Gottvertrauen im Gepäck».

Verena Schmidtke

Auch die AZ habe schon über sie berichtet. «1969 verliess Gaudentia das Freiamt, um als Missionsschwester in Papua-Neuguinea zu arbeiten.» Ihre Tante sei ausgebildete Krankenschwester und Hebamme. Zusammen mit ein paar weiteren Schwestern baute sie im Laufe der Jahre im Regenwald ein Spital und eine Pflegerinnenschule. Das Leben dort sei verglichen mit jenem hier sehr einfach, besonders die einheimischen Frauen hätten es oft schwer. «Zur Geburt ihrer Kinder gingen die Frauen in den Busch. Gaudentia setzte sich dafür ein, dass sie im sicheren Spital ihre Kinder bekommen können.»

Ein weiteres erschreckendes Phänomen dieser Region seien Hexenverfolgungen gewesen. Auch dem versuchte die Schwester entgegenzuwirken. «Sie war gerade zu Besuch hier, als meine Tochter das Thema Hexenverfolgung in der Schule hatte», erinnert sich Luzio. Ihre Tante habe daraufhin in der Schule einen Vortrag gehalten und aufgezeigt, dass es so etwas auch heutzutage noch gebe.

Inzwischen lebe die Schwester, die inzwischen über 80 Jahre alt ist, wieder in der Schweiz. Sie sei sehr bescheiden, es ging ihr weniger darum, den Glauben zu vermitteln, als darum, den Menschen aktiv zu helfen. «Das Buch über diese faszinierende Frau ist sehr spannend», sagt die Bibliotheksleiterin und fügt hinzu: «Das hier ist mein persönliches Exemplar, das der Bibliothek ist gerade ausgeliehen.»

Dorfbibliothek Dottikon

Die Dottiker Bibliothek an der Bahnhofstrasse 28 ist 184 Quadratmeter gross. Vier Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Leserschaft des Ortes. Zur Auswahl stehen 13'434 Medien, dazu gehören Belletristik, Sachbücher, Kinderbücher, Comics, DVDs, Hörbücher und Zeitschriften. Im Jahr 2020 wurden 28'176 Ausleihen getätigt. Ausserdem bietet die Dorfbibliothek Veranstaltungen wie Lesungen oder die beliebten Bücherzwerge an. Infos gibt's unter www.dottikon.biblioweb.ch.

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