Sarmenstorf
«Smaak Fresh» – dieser kleine Laden hat dem Dorf gerade noch gefehlt

Marc Taeschler wollte dem alten «Mueterlihus» beim Lindenplatz neues Leben einhauchen. Zudem hat er gemerkt, dass im Dorf frisches Biogemüse aus der Region schwer zu finden ist. Sein «Smaak Fresh» ist Bauernladen und Marktplatz zugleich. Und er hat noch viele Ideen.

Andrea Weibel
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Der Sarmenstorfer Marc Taeschler hat im «Mueterlihus» seinen neuen kleinen Laden Smaak Fresh eingerichtet, der eine Art Marktplatz für frische Produkte aus der Region sein soll.

Der Sarmenstorfer Marc Taeschler hat im «Mueterlihus» seinen neuen kleinen Laden Smaak Fresh eingerichtet, der eine Art Marktplatz für frische Produkte aus der Region sein soll.

Andrea Weibel

Die Situation ist verzwickt: Es ist Wochenende, und aus heiterem Himmel hat sich Besuch aus dem Ausland angemeldet. Er soll mit einer frischen Rösti überrascht werden. Aber im Kühlschrank liegen gerade noch zwei einsame Kartöffelchen. Wo bekommt man so rasch frisches Biogemüse? An einem Samstagabend? In Sarmenstorf? Unterdessen ist das überhaupt kein Problem mehr. Denn jetzt gibt es «Smaak Fresh».

Der kleine Laden direkt neben dem Lindenplatz am Augustin-Keller-Weg 1 ist jeden Tag von 6 bis 22 Uhr offen. Es ist eine Art Bauernhofladen, in dem man seine Waren selber wiegen und das Geld anschliessend in die grosse Kasse einwerfen kann. Die Auswahl ist saisonal und regional – mit ein paar kleinen Ausnahmen wie Olivenöl aus Sardinien. Aber auch das bringt ein ausgewandertes Schweizer Paar von ihren Olivenhainen mit. Dieser Ort ist tatsächlich genau das, was Sarmi noch gefehlt hat.

Die Idee entstand während der Coronazeit

Marc Taeschler hat seinen kleinen Laden Ende Mai eröffnet. Damals wollte er noch kein Interview geben, denn er wusste nicht, wie «Smaak Fresh» bei den Leuten ankommen würde. Grinsend hält er jetzt fest:

«Unterdessen habe ich so viel positives Feedback erhalten. Die Leute freuen sich wirklich über das Angebot.»
Frisches Gemüse, Brot, Fleisch und auch haltbare Ware – «Smaak Fresh» bietet immer wieder neue Spezialitäten.

Frisches Gemüse, Brot, Fleisch und auch haltbare Ware – «Smaak Fresh» bietet immer wieder neue Spezialitäten.

Andrea Weibel

Entstanden ist die Idee während der Coronazeit. «Da habe ich mir vermehrt Gedanken über regionale, saisonale Ernährung gemacht», berichtet der Medizintechniker im Aussendienst, der normalerweise Operationssäle plant und Spitäler berät. «Mir fiel auf, dass viele Hofläden schlicht am falschen Ort stehen. Ich fand, man müsste sie näher zu den Kunden bringen, eben mitten ins Dorf.»

Ein weiteres Anliegen war es ihm, das «Mueterlihus», das Elternhaus seines Vaters, in dem er einen Grossteil seiner Kindheit verbracht hat und das heute zwei Wohnungen beherbergt, wiederzubeleben. Das Haus ist nach Lisette Ruepp-Uttinger benannt, die hier im 19. Jahrhundert eine «weibliche Erziehungsanstalt» leitete und eine Schülerin Pestalozzis war, wie ein Schild an der Aussenwand erklärt. So brachte der findige Ursarmenstorfer seine Ideen zusammen und eröffnete sein kleines Bijou im umgebauten ehemaligen Pferdestall.

Das «Mueterlihus» soll wiederbelebt werden, findet Marc Taeschler.

Das «Mueterlihus» soll wiederbelebt werden, findet Marc Taeschler.

Andrea Weibel

Als Nächstes folgen Smaak-Weinbar und Smaak-Musikfestival

Der Name «Smaak» stammt übrigens aus dem Afrikaans, das in Südafrika gesprochen wird, und bedeutet «Geschmack». Taeschlers Eltern haben fünf Jahre in Südafrika gewohnt, und Marc Taeschler und einige Freunde haben sich das Wort für ihren Weinklub ausgeliehen. Der ehemalige FC-Sarmenstorf-Präsident, der lieber anpackt, als alles lange zu zerdenken, sagt:

«Ich möchte unter der Marke Smaak noch viele weitere Aktionen aufziehen. Beispielsweise soll es im Untergeschoss noch dieses Jahr eine Smaak-Weinbar geben.»

Und ein Smaak-Musikfestival hätte er schon diesen Frühling planen wollen, «jetzt kommt es vielleicht im Herbst», fügt er lachend hinzu.

Mit seinem Laden wollte er etwas für Sarmenstorf tun. «Es gibt bereits Hofläden im Dorf, diese will ich nicht konkurrenzieren», ist ihm wichtig. Stattdessen hat er mit verschiedenen Anbietern Kontakt aufgenommen, die das Angebot im Dorf ergänzen können. Der bekannte Buttwiler Biobauer Kari Gmür beispielsweise ist dafür zuständig, dass die grünen Kistchen an der rechten Ladenwand stets mit frischem Biogemüse gefüllt sind.

Die benachbarte Bäckerei Ruckli bietet Brot vom Vortag in «Zweite-Chance-Säckli» für wenig Geld an.

Die benachbarte Bäckerei Ruckli bietet Brot vom Vortag in «Zweite-Chance-Säckli» für wenig Geld an.

Andrea Weibel

«Zudem hörte ich immer wieder, wie schade es ist, dass die Bäckerei Ruckli am Sonntag geschlossen ist und man kein frisches Brot holen kann», beschreibt der zweifache Familienvater. «Darum kann man jetzt beim Ruckli oder bei mir Brot für Sonntag vorbestellen und es dann im ‹Smaak Fresh› abholen.» Ruckli bäckt auch ein eigenes Mueterlihus-Brot für den kleinen Laden – und in Papiertüten gibt es für wenig Geld Brot vom Vortag aus der Rucklibackstube zu kaufen.

Produzenten sehen auf Videos, was fehlt, und liefern selbstständig nach

Die Eier stammen vom Tägerlihof, und die Würste – darunter die eigens für ihn hergestellte Rindsbratwurst «Smaak Fresh – Königin der Würste» – kommen vom jungen Fahrwanger Metzger Thalmann. All die Produzenten sind im Laden mit Bild zu sehen, wo erwähnt wird, wer sie sind und was ihnen an ihren Produkten wichtig ist.

Marc Taeschler gehen die Ideen nicht aus.

Marc Taeschler gehen die Ideen nicht aus.

Andrea Weibel

«Der Laden soll eine Art Marktplatz sein für die Lieferanten aus der Region. Und ich möchte, dass die Kunden wissen, woher ihre Ware kommt», sagt Taeschler. Das System ist simpel: Jedes Regal wird mit einer Kamera gefilmt. Das Bildmaterial wird an die Produzenten gesendet. «So muss ich kein Inventar machen, sondern sie sehen immer direkt, was fehlt, und liefern es, sobald es geht, wieder an», erklärt der Initiant. Und führt aus:

«Ich muss im Grunde nur morgens aufschliessen und am Abend wieder zumachen.»

Zudem ist er meistens am Samstag im Laden, dann verkauft er auch Wein und andere Spezialitäten. Letztere soll es immer mal wieder neue geben: «Ich bin gerade noch mit einer Käserei im Gespräch, denn im Winter möchte ich sicher auch eine eigene Fondue-Mischung anbieten.» Dem Sarmenstorfer, der im Herbst für den Gemeinderat kandidiert, gehen die Ideen auf jeden Fall nicht aus.

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