Rudolfstetten
Ein knappes Ja zum Hallenbad: Die Gemeindeversammlung spricht erstes Geld

Die Traktanden der Rudolfstetter Gemeindeversammlung mobilisierten die Stimmberechtigten. Sie diskutierten engagiert über die Machbarkeitsstudie zum Hallenbadprojekt und über die Beteiligung am Mutschellenplatz.

Nathalie Wolgensinger
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Gemeinderat Reto Bissig (stehend) präsentierte an der Gemeindeversammlung gleich mehrere Geschäfte.

Gemeinderat Reto Bissig (stehend) präsentierte an der Gemeindeversammlung gleich mehrere Geschäfte.

Nathalie Wolgensinger

«Kommst Du wegen dem Hallenbad oder dem Mutschellenplatz?», fragte ein Stimmbürger seinen Sitznachbarn am Donnerstagabend in der Rudolfstetter Mehrzweckhalle. Es waren die beiden bestimmenden Geschäfte des Abends, die wohl einen grossen Teil der 116 von insgesamt 2651 Stimmberechtigten an die Gemeindeversammlung anlockte.

Im Mai des vergangenen Jahres reichte die IG Hallenbad Mutschellen eine Petition ein, die fordert, dass auf dem Burkertsmatt-Areal ein Hallenbad gebaut wird. Gemeinsam mit Widen und Berikon will Rudolfstetten nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die Auskunft darüber gibt, wie und wo das Vorhaben realisiert werden könnte.

Das Dorf ist geteilt in dieser Frage. Da sind einerseits die Eltern, die sich wünschen, dass ihre Kinder den Schwimmunterricht in der Nähe besuchen können und da sind vorwiegend ältere Ruedistetter, die finden, dass man in der unmittelbaren Nähe über genügend Hallenbäder verfüge. Gemeinderat Patrik Luther sagte:

«Wir wollen keinen Bauchentscheid fällen, sondern mit einer Machbarkeitsstudie eine gute Grundlage für den späteren Entscheid legen.»

Relativ knapp, nämlich mit 57 Ja zu 40 Nein hiess die Versammlung den Rudolfstetter Anteil von 34'400 Franken am 100'000-Franken-Kredit gut. Berikon und Widen entscheiden an ihren Gmeinden über ihren Anteil im Verlauf des Juni.

Bitte für mehr einheimische Pflanzen

Es war offensichtlich, dass einige Versammlungsteilnehmer nicht begriffen, was der Verkauf der Ausnutzung bei der geplanten Überbauung Mutschellenplatz bedeutet. Gemeindeammann Josef Brem erklärte dies wie folgt: «Auf der Mutschellenkreuzung ist eine zusätzliche Rechtsabbiegespur Richtung Widen-Rohrdorferberg geplant, die Einfahrt in die Gemeindestrasse muss deshalb aufgehoben werden und kann nicht mehr genutzt werden.»

Auf dem Areal Bolleri soll die Überbauung Mutschellenplatz entstehen mit zwei Mehrfamilienhäusern.

Auf dem Areal Bolleri soll die Überbauung Mutschellenplatz entstehen mit zwei Mehrfamilienhäusern.

Visualisierung: zvg

Diese künftig unbenutzte Strasse kann aber dem geplanten Mutschellenplatz zugeschlagen werden, für die Ausnutzung bezahlt der Investor 1500 Franken pro Quadratmeter. Der öffentliche Platz ist das eigentliche Herzstück der geplanten Überbauung mit zwei Mehrfamilienhäusern.

Eine Stimmberechtigte wies darauf hin, dass man den Platz doch bitte mit einheimischem Gewächs bepflanzen soll und der ehemalige Gemeindeammann Alfred Oggenfuss ärgerte sich, dass kein Kinderspielplatz geplant wurde.

Die Versammlung hiess den Verpflichtungskredit von 700'000 Franken für die Realisierung des Platzes und die Ermächtigung für die Ausnutzung der Strasse mehrheitlich gut.

Die Kreisschule hat ihre Hausaufgaben vergessen

Ein weiteres, nicht minder richtungsweisendes Thema, ist der Raumbedarf an der Kreisschule Mutschellen. Unter dem Traktandum «Verschiedenes» informierte Gemeinderätin Michèle Kaufmann über den Stand des Überweisungsantrages.

Die Gemeinde brüskierte im November 2021 die beteiligten Gemeinden Widen, Berikon und Oberwil-Lieli mit ihrem Entscheid, den Verpflichtungskredit für ein Schulraumprovisorium aus der Traktandenliste zu streichen und stattdessen nach einer langfristigen Lösung zu suchen.

Rudolfstetten will die Schulraumproblematik mit einer langfristigen Lösung in den Griff bekommen.

Rudolfstetten will die Schulraumproblematik mit einer langfristigen Lösung in den Griff bekommen.

Marc Ribolla (18. Mai 2022)

Architekt Michael Gutknecht präsentierte der Versammlung erste Ergebnisse. Unbestritten ist die Tatsache, dass man nicht darum herum kommt, ein Provisorium zu erstellen, das die ständig steigenden Schülerzahlen abfedert.

Es gelte nun parallel dazu, eine langfristige Strategie zu entwickeln, die auch den Zustand der Gebäude und den Standort der Provisorien prüfe, so Gutknecht. Diese Arbeiten, so betonte er, müssen in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Schule gemacht werden.

Für Diskussionen sorgte der Verpflichtungskredit von 990'000 Franken für die Sanierung des Kindergartens Schlössler. Man habe zu lange gewartet mit den Arbeiten und müsse nun sehr viel Geld investieren, warf ein Stimmberechtigter dem Gemeinderat vor.

Die Mehrheit war aber einverstanden und hiess die Sanierung gut. Der Verpflichtungskredit von 480'000 Franken für die Generelle Entwässerungsplanung passierte die Versammlung hingegen diskussionslos.

Nicht ohne Stolz konnte Reto Bissig die Jahresrechnung präsentieren, die mit einem leichten Plus abschloss. Die Rechnung wurde genehmigt, unter dem Vorbehalt, dass die Kreisschule Mutschellen ihre Hausaufgaben noch macht. Diese hatte nämlich vergessen, ihre Jahresrechnung gutzuheissen. In Rudolfstetten geht man aber davon aus, dass der jährliche Beitrag weiterhin bei 548'000 Franken bleibt.