Public Viewing
«‹Spannung› kann die Situation hier nicht annähernd beschreiben»: So emotional erlebten die Murianer das Viertelfinalspiel

In der Wave-Bar in Muri fieberte das Publikum mit der Schweizer-Nati mit. Viele sassen schon seit dem Nachmittag vor der Grossleinwand, um sich die besten Plätze zu sichern. Die AZ war vor Ort und hat die emotionale Stimmung miterlebt.

Melanie Burgener
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Das Public-Viewing in der Wave-Bar in Muri war bis auf den letzten Platz besetzt. Je länger das Spiel dauerte, desto emotionaler wurden die Fans.

Das Public-Viewing in der Wave-Bar in Muri war bis auf den letzten Platz besetzt. Je länger das Spiel dauerte, desto emotionaler wurden die Fans.

Melanie Burgener

Bereits von der Hauptstrasse aus sehe ich, dass die Wave-Bar gut besucht ist. Mein Verdacht, dass ich jetzt, um 17 Uhr, für einen Sitzplatz zu spät bin, bestätigt sich, als ich das Murianer Public Viewing betrete. Die Bänke und Stühle rund um die Grossleinwand und auch jene Plätze im innern der Bar vor den kleineren Bildschirmen sind restlos besetzt. Viele der Gäste warten bereits seit Stunden auf das Spiel. So auch Dominik Rohner aus Oberlunkhofen und seine Freunde. Er erzählt:

«Ich bin schon seit 15 Uhr hier, um einen Platz zu besetzen. Für den Match heute habe ich extra freigenommen.»
Die meisten Fans waren schon Stunden vor dem Anpfiff angereist, um sich Sitzplätze zu sichern.

Die meisten Fans waren schon Stunden vor dem Anpfiff angereist, um sich Sitzplätze zu sichern.

Melanie Burgener

Das Spiel stehe für ihn heute zwar im Vordergrund, aber er geniesse hier auch die gemeinsame Zeit mit seinen Freunden. Einige Fans an den Nebentischen vertreiben sich mit Kartenspielen die Zeit und verpflegen sich beim Foodtruck mit Currywurst und Hamburgern. Die letzten Gäste treffen ein, ein paar sogar mit eigenen Festbänken und Campingstühlen auf den Schultern - ich wünsche mir, ich hätte dieselbe Idee gehabt.

Während der zweiten Halbzeit liegen sich die Fans in den Armen

Plötzlich erheben sich viele der Fans, legen ihre Hand auf ihr Herz und singen inbrünstig die Nationalhymne mit. Dann werden die Gesichter wieder ernst, noch einmal wird Bier nachgeschenkt, dann pfeift der Schiedsrichter das Viertelfinalspiel Schweiz-Spanien an. Zu Beginn der ersten Halbzeit sind die Zuschauerinnen und Zuschauer erstaunlich ruhig. Zwischendurch wird geklatscht, oder gejohlt, besonders, wenn ein Lastwagen vorbeifährt und lautstark hupt.

Je länger das Spiel dauerte, desto ausgelassener fieberten die Fans mit.

Je länger das Spiel dauerte, desto ausgelassener fieberten die Fans mit.

Melanie Burgener

Seit dem Ausgleich zum 1:1 werden die Zuschauer aber deutlich emotionaler. Oft stimmt die eine oder andere Gruppe ein «Schwiizer Nati» oder ein anderes Lied an, wobei alle anderen bald schon einstimmen. Sie springen immer wieder auf, wenn Yann Sommer einen Ball hält, und skandieren seinen Namen.

Je länger das Spiel dauert, desto nervöser wird das Publikum. In der Nachspielzeit sind die Bänke leer, die meisten Fans stehen. Immer wieder vernebelt jemand das Publikum mit Rauchbömbchen. Jeder Ball, der in die Nähe des Schweizer Tors kommt, löst eine Welle von Rufen aus. Umso grösser ist die Erleichterung, wenn Torwart Sommer den Ball hält. «Der ist wie eine Mauer!», schreit ein Fan, zwei andere liegen sich in den Armen.

Nachdem Torwart Yann Sommer einen Ball nach dem anderen souverän gehalten hatte, lagen sich die Fans in Muri in den Armen.

Nachdem Torwart Yann Sommer einen Ball nach dem anderen souverän gehalten hatte, lagen sich die Fans in Muri in den Armen.

Melanie Burgener

Hinter mir im Publikum steht Jasmin Menet. Nervös packt sie mich am Arm, als der erste Spanier am Penaltypunkt steht. «Schau, wenn der rein geht, sind wir weg», sagt sie. Um uns herum wird gesungen und wieder Rauchbälle entfacht, die uns in roten, stickigen Rauch tauchen. Jasmin freut sich über diese Atmosphäre:

«Hier kommt der Zusammenhalt der Murianer zum Vorschein. Das Wort Spannung kann die Situation hier nicht annähernd beschreiben.»

Die Enttäuschung in Muri ist gross, als der entscheidende Ball der Spanier im Netz landet und das Spiel endgültig abgepfiffen wird. Die Raketen und restlichen Pyros werden trotzdem gezündet, und mit wieder vollen Gläsern auf die Nati angestossen, die bis zum Schluss gekämpft hat.

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