Bühne
«Polenblut» fliesst bald durch Freiämter Adern

Die Operettenbühne führt im kommenden Frühling das Werk von Oskar Nedbal zum ersten Mal auf

JÖRG BAUMANN
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Die Operettenbühne Bremgarten gräbt eine Operette aus, die in den letzten Jahren zu Unrecht in der Versenkung verschwand: «Polenblut» von Oskar Nedbal. Premiere ist am 19. März 2011 im Casino Bremgarten.

Walter-Karl Walde, Kommunikationschef der Operettenbühne Bremgarten, weinte im dritten Akt, als er vor Jahren «Polenblut» im Stadttheater Winterthur zum ersten Mal sah. Paul Suter, in der 4. Saison Regisseur in Bremgarten, packte die Operette 1967 bei seiner persönlichen Premiere im Stadttheater St. Gallen. Und für Myriam Rufer-Staubli, Präsidentin der Operettenbühne Bremgarten, geht mit der Aufführung von «Polenblut» ein Kinderwunsch in Erfüllung. «Mein Vater Walter Staubli spielte vor Jahren in Zürich die Hauptrolle des Boleslaw Baranski», sagt sie.

Mit voller Kraft voraus

Die Operettenbühne spielte seit 1926 die ganze Operettenliteratur. Aber «Polenblut» von Oskar Nedbal kam nie an die Reihe. «Eigentlich wollten wir 2011 ‹Die Nacht in Venedig› aufführen. Die Operette steht gegenwärtig aber häufig auf dem Spielplan. Deshalb haben wir auf ein neues Pferd gesetzt. Jetzt sind wir froh, dass die Wahl auf ‹Polenblut› gefallen ist», erklärt Rufer-Staubli.

Hinter ihr stehen 140 Frauen, Männer und Kinder auf und hinter der Bühne: ein Berufsorchester, Berufssängerinnen und -sänger in den Hauptrollen, ein Erwachsenenchor, ein reizender Kinderchor und ein Ballettensemble. Regisseur Paul Suter legt die Hand ins Feuer: «‹Polenblut› ist eine frische, lebendig gebliebene Operette und kein traniger Operettenkitsch. Der Komponist Oskar Nedbal war immerhin ein Schüler von Dvorak – das heisst etwas.» Freilich habe er am Stück einige Striche vorgenommen, gab Suter zu.

Aber das sei bald hundert Jahre nach der Premiere nur normal.
«Polenblut» gefiel dem Publikum der königlich-kaiserlichen Donaumonarchie, weil es sich im Konflikt zwischen Adel und Bürgertum selber sah. Die Operette hat seither nichts von ihrem Glanz verloren. Zwischen 1913 und 1926 erlebten Wien und die anderen grossen Städte im ehemaligen Weltreich insgesamt 3376 Aufführungen. Mehr vom Erfolg konnte der Komponist Oskar Nedbal nicht geniessen. Er brachte sich 1930 in einer Depression ums Leben.

Heimatlied zum Auftakt

Andres Joho, musikalischer Leiter in Bremgarten, setzt in «Polenblut» einen neuen Akzent – «etwas echt Polnisches». Er fand in einem Antiquariat ein Loblied auf das Heimatland, das die Seele der Polen nicht besser zeigen könnte. «Dieses Lied singen wir auf Polnisch zum Auftakt», berichtete Joho. Als Solisten treten Barbara Buhofer (Helena Zaremba), Daniel Zihlmann (Boleslaw Baranski), Barbara Suter (Wanda Kwasinskaja) und Alois Suter (Bronio von Popiel) auf. Das in Bremgarten traditionell auftretende Ballett wird sich zum Quartett «Der faule Hans» von Oskar Nedbal drehen. Denn Nedbal war nicht nur ein tief fühlender Komponist, sondern als Geiger auch ein ausgewiesener Kammermusiker.

Die Kostüme mietet die Operettenbühne Bremgarten wie schon seit vielen Jahren auch für «Polenblut» bei Lambert Hofer in Wien, dem grössten Kostümverleiher von Europa. «Nächste Woche fährt eine Delegation des Vorstandes nach Wien, um die Kostüme auszusuchen», erzählte die Präsidentin. Als Verstärkung der Leitung des Operettenrestaurants konnte die Operettenbühne Anna Maria Gautschi, die frühere Wirtin des Restaurants Schifflände in Birrwil, engagieren.

Der Billettvorverkauf für «Polenblut»
beginnt am 6. Dezember (www.operette-bremgarten.ch, Bestellkarte per Post an Operettenbühne Bremgarten, Postfach, 5620 Bremgarten). Am Christkindlimarkt in Bremgarten verkauft die Operettenbühne Geschenkgutscheine.

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