Es ist Mittag im Franbühlquartier von Wohlen. Die Kinder kehren von der Schule nach Hause zurück. Bei der Parterrewohnung von Pablo S. sind die Rolläden unten. In diese Wohnung brachte der Elektromonteur sein 14-jähriges Opfer am vergangenen Samstag.

Rollläden immer unten

«Ich habe diesen Mann noch nie gesehen. Die Rollläden waren immer unten», sagt eine Nachbarin im Gespräch mit der az. Und als Hundehalterin sei sie alle paar Stunden draussen und dies zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie ist entsetzt, als sie hört, was ihr Nachbar getan hat. Was sie beunruhigt: Direkt vor der Wohnung von Pablo S. befindet sich ein Spielplatz. Da würden sich die jungen Mädchen aus dem Quartier oft treffen.

So klingt es bei allen Nachbarn. Der Schock sitzt tief. Es ist aber auch Erleichterung zu spüren, dass die Polizei den Entführer geschnappt hat. Diese sei am Sonntag im Quartier gewesen und habe sich nach ihm erkundigt. Den Anwohnern sei aber nicht mitgeteilt worden, weshalb er gesucht würde.

Pablo S. lebte sehr zurückgezogen. Manchmal hätten die Nachbarn Licht durch die Jalousien gesehen. Nur eine Nachbarin sagt, dass sie ihn ein oder zweimal in der Garage gesehen hat. Sie hätten sich kurz «Hallo» gesagt. Mehr aber nicht. Nachdem die Polizei am Wochenende da war und nach Pablo S. befragte, hätte sie nun Angst in die Garage zu gehen. Sie ist erleichtert, dass der Kindsentführer geschnappt wurde. Schliesslich sei ihre älteste Tochter elf Jahre alt.

Unter falschem Namen?

Derweil wartet im Briefkasten von Pablo S. ein Päckchen, das an ihn adressiert ist. Während der Briefkasten mit seinem Namen beschriftet ist, steht an der Türklingel ein anderer Namen. Das sei erst seit kurzem so, sagt die ältere Frau, die in der Wohnung gleich nebenan wohnt. Letzte Woche habe sie einen Zügelwagen gesehen. Auch sie hat ihren unmittelbaren Nachbarn noch nie gesehen.

Gleich über der Parterrewohnung wohnt eine portugiesische Familie. Auch die Mutter bestätigt, dass das Schild mit dem Namen Nussbaum neu sei. Gesehen habe sie aber nie jemanden.

«20Minuten online» vermutet, dass Pablo S. kürzlich innerhalb von Wohlen umgezogen ist. Die Polizei bestätigte auf Anfrage lediglich, dass sein letzter Wohnsitz in Wohlen war.