Corona-Zeiten

Online-Marktplatz für Kleinstbetriebe: so kommt jedes Aargauer Gewerbe an Kundschaft

Miriam Fux aus Arni verkauft auf laedelishop.ch ihre gehäckelten und gestrickten Tiere.

Miriam Fux aus Arni verkauft auf laedelishop.ch ihre gehäckelten und gestrickten Tiere.

Viele Gewerbetreibende mit Kleinstfirmen können sich keinen eigenen Online-Shop leisten. Auf Laedelishop.ch ist nun ein Marktplatz entstanden, wo jeder Betrieb seine Produkte an den Kunden bringen kann.

Von einem Tag auf den anderen standen kleine Unternehmen und Läden Mitte März vor vollendeten Tatsachen. Ihr Geschäft musste wegen der bundesrätlichen Verordnung zum Coronavirus schliessen. Keine Kundschaft mehr, kein Umsatz mehr. Eine ganz schwierige Zeit.

In jenen Tagen hatte Gerhard Schriebl, Inhaber der Firma Digital Sprout in Zürich, eine Idee. Zusammen mit einer Handvoll Gleichgesinnten wollte er nicht einfach nur zusehen, sondern etwas unternehmen und stellte innert Kürze einen gemeinsamen Onlineshop für kleine Geschäfte auf die Beine.

Auf Laedelishop.ch ist so ein Pop-up-Marktplatz entstanden, wo jeder vom Corona-Lockdown betroffener Betrieb seine Produkte an den Kunden bringen kann. Das Einrichten ist kostenlos, vom Umsatz der verkauften Ware geht 15 Prozent an Laedelishop.ch. Die Einnahmen werden für Marketing und IT verwendet.

Initiant Schriebl sagt: „160 Läden aus der ganzen Schweiz sind bereits dabei. Die Lädeli brauchen noch mehr Laufkundschaft, die bei den Kleinen einkaufen statt bei Amazon oder Galaxus. Die Kunden können so ihre Solidarität zeigen. Hinter unserem Projekt steht ein Zusammenschluss von Freiwilligen aus dem Digitalbereich und auch ein Zürcher Gemeinderat hilft uns unentgeltlich. Wir arbeiten alle unentgeltlich während der Krise.“

Bereits erste Bestellungen eingetroffen

Auch aus dem Aargau haben sich rund zehn Online-Läden bereits registriert. Eine davon ist Miriam Fux aus Arni mit ihrer „Miri’s Lismistube“. Sie bietet gehäkelte und gestrickte Tiere und andere Accessoires an. „Normalerweise stelle ich auf Märkten oder an meinem Arbeitsort aus. Ein Bekannter aus dem PC-Bereich hat mich auf laedelishop.ch aufmerksam gemacht“, sagt Fux, die mit ihrem Hobby letztes Jahr begonnen hat und an einem Hasen rund sieben Stunden arbeitet.

„Auf Ostern hin hatte ich schon viele Produkte fertig gemacht, alles ist parat. Weil ich es gern mache, versuchte ich es mit dem Online-Shop“, erzählt Fux. Mit Hilfe ihrer Tochter hat sie einige der Tiere wie Hasen, Alpaka, Kuh oder Schaf fotografiert und online gestellt. Das hat sich ausgezahlt, schon drei Bestellungen sind eingetroffen.

Online-Shop für einen Schreiner schwierig

Noch ohne Bestellung steht bisher Antik- und Möbelschreiner Daniel Gerber aus Suhr da. Er stiess via einem Beitrag in der SRF-Sendung 10vor10 auf laedelishop.ch. „Ich fand es spontan eine gute Idee. Es gibt die Möglichkeit, vielleicht etwas zu verkaufen. Gerade im Hinblick zum Beispiel auf ein Ostergeschenk“, sagt Gerber. Zu kaufen gibt es eine Auswahl von Käsebrettern verschiedenster Art.

In seiner Branche ist das Online-Geschäft naturgemäss schwierig, die Kunden möchten ein Möbelstück anfassen vor dem Kauf. Gerbers Betrieb ist zwar grundsätzlich offen, die Ausstellung aber geschlossen. „Schon vor dem endgültigen Lockdown nahmen die Aufträge ab, seither klingelt das Telefon praktisch nicht mehr“, beschreibt der Suhrer die aktuelle Lage. Er betont, dass Bestellungen auch ausserhalb des Sortiments möglich seien, wie zum Beispiel von Kissen.

Sehr erfreut über laedelishop.ch ist Karin Jost vom Seifengarten in Möhlin. „Es läuft besser als ich gedacht habe. In der kurzen Zeit gab es schon fünf Bestellungen“, sagt Jost, die Fricktaler Naturseifen im Angebot hat. Normalerweise beliefert sie zwei Läden, die aber nun geschlossen sind und ist mit ihrem Angebot an Märkten präsent. Diese seien aber bis in den Mai hinein schon alle abgesagt. Deshalb ergänzt laedelishop.ch ihren eigenen Onlineshop ideal.

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