Rudolfstetten-Friedlisberg
Öffentlicher Bus könnte Friedlisberg erschliessen

Weil der Ortsteil wächst, ist eine Buslinie Rudolfstetten-Friedlisberg-Berikon angedacht. Friedlisberg ist nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen, doch in den nächsten Jahren wird die Bevölkerung wachsen.

Andrea Marthaler
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Auf den Friedlisberg soll künftig ein Bus fahren, das wünscht sich die Bevölkerung.

Auf den Friedlisberg soll künftig ein Bus fahren, das wünscht sich die Bevölkerung.

ama

320 Einwohner leben heute auf dem Friedlisberg, der im Gegensatz zu Rudolfstetten nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Das könnte sich allerdings ändern. Denn der kleine Ortsteil wächst. Für fünf Mehrfamilienhäuser von zwei verschiedenen Investoren sowie mehrere Einfamilienhäuser stehen Projekte an. Dadurch könnte die Bevölkerung in den nächsten Jahren auf 400 Einwohner steigen.

«Die Bevölkerung schreit bereits heute nach einem Busbetrieb», sagt Gemeindeammann Josef Brem, der selber in Friedlisberg wohnt. Als vor kurzem das Bauprojekt der Immovesta AG auf dem Gemeindeland beim alten Milchhaus vorgestellt wurde, habe es sich nach drei Fragen nur noch um eine Buserschliessung gedreht. Nicht ohne Grund: Denn bei dieser Überbauung ist bereits eine Fläche entlang der Strasse für eine mögliche Bushaltestelle reserviert.

Testbetrieb während dreier Jahre

Um eine Buslinie zu lancieren, ist zwingend ein dreijähriger Versuchsbetrieb nötig. Die Kosten dafür müssen von der Gemeinde übernommen werden, wobei der Kanton sich mit maximal 25 Prozent beteiligen kann. «Dies, sofern es im Interesse des Kantons liegt», wie Jürg Bitterli, Projektleiter Angebotsplanung öV beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, ergänzt. «Bei 400 Einwohnern erachten wir das Potenzial als zu gering.» Die Erfahrungen der letzten Versuche mit Ortsbussen hätten gezeigt, dass in den wenigsten Fällen eine genügend hohe Nachfrage generiert werde. Definitiv entschieden, ob die Buslinie ins öffentliche Angebot übernommen wird und der Bund sowie der Kanton sich an den künftigen Kosten beteiligen, werde aber erst aufgrund der dreijährigen Testphase. Der Kanton verlangt dafür einen Kostendeckungsrad von 30 Prozent. Diesen zu erfüllen, ist das Ziel des Gemeinderats. «Ich bin zuversichtlich, dass wir das erreichen würden», sagt Gemeindeammann Josef Brem. Nicht zuletzt dank des Schülertransports: Denn von den rund 200 000 Franken, welche der Busbetrieb gemäss den ersten Offerten kosten dürfte, zahlt die Gemeinde bereits heute 40 000 bis 50 000 Franken für den Transport der Kindergarten- und Schulkinder vom Friedlisberg. «Unser Ziel ist es, ein Angebot aufzuziehen, das nach dem Versuchsbetrieb weitergeführt werden kann», betont Gemeinderat Joël Buntschu. (ama)

Halbstundentakt zu Pendlerzeiten

Vor zwei Jahren seien zudem bereits erste Gespräche bezüglich einer Buserschliessung des Friedlisbergs geführt worden, wie der zuständige Gemeinderat Joël Buntschu sagt. «Wir haben damals mit dem Kanton Kontakt aufgenommen mit der Rückmeldung, dass ein solches Angebot prüfenswert sei.» Entsprechend seien auch erste Offerten von möglichen Anbietern eingeholt worden.

Angedacht ist ein Busbetrieb von Rudolfstetten via Friedlisberg nach Berikon. «Dabei wollen wir in den Spitzenzeiten morgens und abends ein gutes Angebot mit einem Halbstundentakt aufbauen. In den Zwischenzeiten wäre der Betrieb aber reduziert», erklärt Buntschu. Optimalerweise müsse die neue Buslinie mit einem Fahrzeug sowie lediglich einem Fahrer pro Tag auskommen können.

Öffentlicher Bus und Schulbus

Der Busbetrieb soll mit dem Transport der Schüler kombiniert werden. Bereits heute werden die Kindergartenkinder und die Primarschüler der 1. bis 3. Klasse vom Ortsteil Friedlisberg um 12 Uhr sowie nach Schulschluss am Nachmittag hochgefahren. Nach der Einführung einer öffentlichen Linie könnten sie auch mit dem Bus hinunter.

Zudem hätten die Oberstufenschüler aus Rudolfstetten und aus Friedlisberg die Möglichkeit, mit dem Bus zur Kreisschule in Berikon zu fahren. «Heute werden viele Schüler von den Eltern zur Schule gebracht. Mit dem Bus könnten wir diesen Verkehr verringern», ist Gemeindeammann Josef Brem überzeugt.

Dass der Busbetrieb mit dem Schülertransport verbunden wird, findet Urs Lehmann sinnvoll. Sein gleichnamiges Taxiunternehmen fährt die Friedlisberger Kinder seit über 20 Jahren. Er teilt die Meinung, dass das Bedürfnis nach einem Bus gegeben ist. «Ich habe immer wieder Personen, die anfragen, ob sie mit mir hochfahren können.» Trotzdem ist Lehmann skeptisch, ob das Angebot einer Buslinie genügend genutzt wird. «Viele besitzen zwei Autos.» Er sei sich deshalb nicht sicher, ob die vom Kanton verlangte Kostendeckung erreicht werden könne (siehe Box).

Im Sommer prüfen

Vonseiten des Gemeinderats ist noch nichts in Stein gemeisselt. Erst will er abwarten, welcher Wohnungsmix tatsächlich gebaut wird. «Bis im Sommer soll das Baugesuch der Immovesta eingereicht werden. Dann können wir abschätzen, wie viele neue Einwohner es geben wird und haben Fakten, um einen Busbetrieb zu prüfen», sagt Brem. Zudem soll eine Bevölkerungsumfrage durchgeführt werden, um zu erheben, wie viele den Bus tatsächlich benutzen würden. Erst danach entscheide der Gemeinderat, ob der Busbetrieb an der Gemeindeversammlung beantragt wird. «Der Bus fährt sicher nicht vor 2014. Dann erwarten wir den Bevölkerungsschub», ergänzt Buntschu.

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