Öffentlicher Verkehr
Kaum Verbesserungen im Freiamt: «Wir ahnten bereits, dass der Fahrplanentwurf nicht viel Neues für uns enthält»

Der Fahrplanentwurf 2022 liegt bis zum 13. Juni zur öffentlichen Vernehmlassung auf. Im Freiamt kommt es nur zu geringfügigen Änderungen – und entsprechend wenigen Verbesserungen. Reto Widmer, Präsident von ÖV Freiamt, will das ändern.

Pascal Bruhin
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Für die S 25 zwischen Muri und Brugg, die sehr schlecht an das Busnetz angebunden ist, sind überhaupt keine Änderungen geplant.

Für die S 25 zwischen Muri und Brugg, die sehr schlecht an das Busnetz angebunden ist, sind überhaupt keine Änderungen geplant.

Pascal Bruhin (2020)

Dass die ÖV-Verbindungen im Freiamt, insbesondere ab Wohlen das Bünztal aufwärts, zu wünschen übrig lassen, ist kein Geheimnis. Nun liegt der Entwurf für den neuen Fahrplan 2022 zur öffentlichen Vernehmlassung auf. Was viele gehofft haben, bleibt unerhört.

Nur punktuell soll es zu leichten Anpassungen kommen – entsprechend wenig wird verbessert. Von einer besseren Einbettung der 2016 eingeführten und noch immer stiefmütterlich behandelten S 25 (Muri–Brugg) oder regelmässigeren Busverbindungen ab dem Bahnhof Muri fehlt im Entwurf jede Spur.

Das sind die geplanten Änderungen im Freiamt:

  • S 26 (Rotkreuz–Aarau): Die S 26 trifft neu auch an Samstagen und Sonntagen um 5.56 Uhr in Lenzburg ein (bislang 5.45 Uhr). Anschluss an neuen Regio-Express nach Zürich ab Lenzburg um 6.01 Uhr.
  • S 17 (Dietikon–Bremgarten West): Abfahrt in Dietikon zu den Minuten xx.18 und xx.48 statt xx.17 und xx.47. Somit Abfahrtszeiten regelmässig alle 15 Minuten.
  • Buslinie 231 (Bremgarten–Jonen): Zusätzlicher Morgenkurs von Montag bis Freitag ab Jonen mit Ankunft in Bremgarten um 5.52 Uhr.
  • Buslinie 340 (Wohlen–Meisterschwanden: Takterweiterung am Abend. Wohlen ab 18.20 Uhr (Samstag), 19.20 Uhr (Samstag) und 20.20 Uhr (Montag bis Samstag).
  • Buslinie 341 (Wohlen–Muri): Der Abendkurs um 18.41 Uhr ab Rottenschwil-Kapelle verkehrt neu montags bis freitags um 18.13 Uhr nach Wohlen. Grund dafür ist der Wegfall der Wendemöglichkeit in Rottenschwil Hecht.
  • Buslinie 346 (Hägglingen–Wohlen): Der Kurs um 5.25 Uhr an Samstagen von Villmergen nach Dottikon fällt mangels Nachfrage weg.
  • Buslinie 348 (Sins–Gisikon–Root): Montag bis Freitag: Anpassung der Abfahrtszeiten der Kurse Dietwil–Gisikon–Root während der Hauptverkehrszeiten für bessere Anschlüsse in Gisikon–Root.
  • Buslinie 350 (Berikon–Widen–Zürich Wiedikon): Taktausdehnung am Morgen mit einem Kurs um 5.13 Uhr ab Berikon–Widen bis Zürich Triemli (Montag bis Freitag).
  • Ortsbuslinie 4 (Wohlen–Anglikon): Der Kurs um 5.45 Uhr ab Wohlen nach Anglikon wird an Samstagen mangels Nachfrage aufgehoben.
  • Nachtbuslinie N6 (Zug–Mühlau): Zusätzlicher Einstiegshalt am Bahnhof Sins.
Reto Widmer, Präsident von ÖV Freiamt, sieht für den Fahrplan 2022 noch Verbesserungspotenzial.

Reto Widmer, Präsident von ÖV Freiamt, sieht für den Fahrplan 2022 noch Verbesserungspotenzial.

Melanie Burgener (2020)

Für Reto Widmer, seit diesem Jahr Präsident der Kommission ÖV Freiamt der Regionalplanungsverbände Unteres Bünztal und Oberes Freiamt, ist der Fahrplanentwurf 2022 entsprechend unbefriedigend. Seine Kommission setzt sich seit Jahren beim Kanton aktiv für die Stärkung des öffentlichen Verkehrs im Freiamt ein. Zum neuen Fahrplanentwurf sagt er: «Wir ahnten bereits, dass er nicht viel Neues für uns enthält.»

Dass aufgrund des Spardrucks infolge der Coronapandemie kein «gigantischer Ausbau» des ÖV-Netzes angekündigt wurde, sei zu erwarten gewesen. «Wir konzentrieren uns deshalb mehr auf qualitative Aspekte, auf günstig realisierbare Veränderungen», sagt Widmer.

Kommission will zehn Vorstösse in Aarau einreichen

Unter den rund zehn Vorstössen, die die Kommission ÖV Freiamt in den nächsten Tagen beim Kanton einreichen wird, befindet sich deshalb erneut der Appell nach Halten jeder S 26 (Aarau-Rotkreuz) in Benzenschwil und Mühlau. Reto Widmer konstatiert:

«In den Stosszeiten funktioniert es ja bereits heute. Also müsste es theoretisch den ganzen Tag über möglich sein.»

Zudem will sich die Kommission für zwei zusätzliche Zugsverbindungen für den im Dezember 2020 eingeführten Regio-Express zwischen Aarau und Arth-Goldau einsetzen. Die Verbindung sorgt jeweils am Wochenende für einen besseren Anschluss des Freiamts ans Tessin und Italien und sei sehr gut aufgenommen worden, so Widmer.

S-Bahn nach Zug verkehrt neu ab Wohlen

Ein Erfolg, den die Kommission bereits im laufenden Fahrplan erreichen konnte, ist die Einstiegsmöglichkeit in Wohlen in die ebenfalls 2020 eingeführte direkte S-Bahn um 6.42 Uhr ab Muri nach Zug. «Bis anhin war es so, dass der Zug zwar von Wohlen aus nach Muri fuhr, aber erst dort seine Türen öffnete.»

Bereits ab dem 14. Juni verkehrt die S-Bahn nun wochentags um 6.32 Uhr ab Wohlen. «Das ist sicher sehr positiv», sagt Widmer. Und weiter:

«Wir konnten den Kanton mit unseren Frequenzen überzeugen, und das Freiamt hat damit ein Zückerli erhalten, das es mehr als verdient hat.»

Einsetzen will sich die Kommission nun für einen Gegenzug am Abend aus Zug nach Muri und Wohlen.

Die Kundenfrequenzen seien denn auch das Problem bei der Umsetzung eines dichteren Busfahrplans ab Muri. «Viele der Busse fahren heute jeweils halbleer durch die Gegend», so Widmer. Dennoch plant ÖV Freiamt einen Vorstoss für einen Frühkurs von Abtwil über Auw in Richtung Sins, der es ermöglichen soll, vor 7 Uhr morgens am Zürcher HB zu sein.

Reto Widmer am Bahnhof Aarau.

Reto Widmer am Bahnhof Aarau.

Fritz Thut (2020)

Busse sollen S 25 am Bahnhof Dottikon-Dintikon abwarten

Auch für die S 25 fordert ÖV Freiamt eine Anpassung. So sollen die beiden letzten Abendkurse der Buslinie 346 (Wohlen–Hägglingen) drei Minuten später ab dem Bahnhof Dottikon-Dintikon verkehren, um so den Anschluss nach Dottikon und Hägglingen zu gewährleisten.

Ein weiteres Begehren von ÖV Freiamt sind Warndurchsagen vor durchfahrenden Zügen an den Bahnhöfen in Muri und Wohlen. Zudem will sich die Kommission für kürzere Wartezeiten der S 26 am Bahnhof Lenzburg einsetzen.

Reto Widmer zeigt sich zuversichtlich:

«Etwa die Hälfte unserer Begehren hat gute Chancen auf Annahme.»

Er hofft aber darauf, dass auch Einzelpersonen zum Fahrplanentwurf Stellungnahmen abgeben. Bis zum 13. Juni kann sich die Bevölkerung zum Fahrplanentwurf äussern und über die Website www.fahrplanentwurf.ch eigene Änderungswünsche anbringen.

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