Oberwil-Lieli
Nach heftiger Debatte: Am Ende stimmten 55 Prozent für die Landhauszone

Monatelang wurde in der Gemeinde Oberwil-Lieli via Medien über die Umzonung gestritten. Das hat jetzt ein Ende: Die Pro-Fraktion hat gewonnen. Der Gemeinderat freut sich über das Resultat.

Andrea Weibel
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Umzonung im Juchächer

Umzonung im Juchächer

Aargauer Zeitung

Der Streit ist zu Ende: Die Umzonung des Juchächers vom Landwirtschaftsland in eine Landhauszone darf vollzogen werden. 675 Stimmbürger Oberwil-Lielis haben sich an der Urne dafür ausgesprochen, 552 dagegen. Das sind kurz und bündig die Fakten.

Wochen- und monatelang haben sich die Befürworter und die Gegner mit Flyern, Leserbriefen in der Gemeindezeitung «Wochenfalter», Stellungnahmen und Medienmitteilungen öffentlich für ihre Seite stark gemacht. Zuletzt hatte Pro Natura gar mit dem Fund einer seltenen Schlingnatter gegen die Umzonung geworben.

Gemeindeammann Ilias Läber atmet hörbar auf: «Ich bin froh, dass 55 Prozent sich dafür ausgesprochen haben. Es ist ein sehr positives Ergebnis für die Gemeinde. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viel Chaos im Vorfeld gestiftet worden ist.»

Bezahlbarer Wohnraum und Einfamilienhäuser

Er nennt mehrere Gründe, warum das Ergebnis nur gut für die Gemeinde sein könne. «Für uns ist es wichtig, dass wir beides abdecken können: bezahlbaren Wohnraum, aber auch Platz für Einfamilienhäuser.» An der Unterdorfstrasse habe die Gemeinde bereits zwei Mehrfamilienhäuser erstellt und dazu acht Alterswohnungen gebaut.

Ebenso gebe es im Unterdorf noch Landreserven, wo zu gegebener Zeit weitere ein bis zwei Mehrfamilienhäuser gebaut werden könnten. «Wir brauchen aber auch Platz für Einfamilienhäuser, denn die gehören zum Charakter unseres Dorfes. Wir sind eine Wohngemeinde, keine Gewerbegemeinde. Daher ist ein sinnvoller Mix für uns zentral», hält der Ammann fest.

Er sagt, wenn die Umzonung nicht genehmigt worden wäre, hätte die Gemeinde das Bauland im Unterdorf verkaufen müssen, «denn den Bau von zehn eigenen Mehrfamilienhäusern hätte die Gemeinde nicht stämmen können». Nun wird an der Unterdorfstrasse sowie im Letten Bauland zu Landwirtschaftsland umgezont, damit oben im Juchächer dafür Landwirtschaftsland in die erwähnte Einfamilienhauszone überführt werden kann. «Der Landverkauf hätte einmal Geld gebracht, wohingegen die Umzonung nachhaltig sein wird», ist sich Ilias Läber sicher.

«Viele Unwahrheiten waren in Umlauf»

Wichtig ist ihm auch, zu betonen: «Der Kanton hat dem Vorhaben zugestimmt. Die einzige Achillesferse sah er darin, dass durch die Umzonung 4000 Quadratmeter Fruchtfolgefläche, also gutes Landwirtschaftsland, verloren gehen würde. Doch das stimmt gar nicht.»

In einer detaillierten Analyse stellte eine externe Firma fest, dass stattdessen 2500 Quadratmeter noch hochstehenderes Landwirtschaftsland dazugewonnen wird. «Vor der Abstimmung waren viele Unwahrheiten in Umlauf. Jetzt ist der Gemeinderat sehr froh über das überaus positive Resultat.»

Nur zwei von drei Schulpflegern wurden gewählt

Im November 2019 haben sich drei Schulpflegemitglieder gemeinsam zum Rücktritt aus dem Amt entschlossen. Weil auf die Schnelle keine bessere Lösung in Sicht war, halfen drei Gemeinderäte, darunter Gemeindeammann Ilias Läber, interimistisch aus. Gestern Sonntag hat die Oberwil-Lieler Bevölkerung nun zwei der Gemeinderäte erneut in die Schulpflege gewählt. Dies sind Gabriela Bader (445 Stimmen) und Stefan Strebel (442). Ilias Läber wurde mit 398 Stimmen knapp nicht im Amt bestätigt, denn dafür hätte er 412 Stimmen gebraucht. Ebenso erging es Nicole Seiler (405), Carole Feusi (399) und Fabio Zahner (364). So bleibt ein Sitz offen, der zweite Wahlgang findet am 29. November statt.
Weitere Resultate: Die Augenweidstrasse darf für 2,784 Mio. Franken saniert werden. 973 Stimmbürger sagten Ja, 200 Nein. Die neue Lösung Mittagstisch und Randstundenbetreuung wurde mit 942 Ja- gegen 174 Nein-Stimmen gutgeheissen. Und der Beitritt zur ZSO/RFO wurde mit 1092 Ja- gegen 61 Nein-Stimmen genehmigt. (aw)

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