Guggibad-Schwinget
Nach dem Hoselupf Harz am Hosefüdli: Vor 60 Jahren fand das erste Freiämter Schwingfest statt

Die Guggibad-Schwinget feiert am 14. April sein 60-Jahr-Jubiläum – der heute 84-jährige Ex-Schwinger Werner Köchli erinnert sich ans erste Mal.

Toni Widmer
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Der 84-jährige Werner Köchli mit Glocken und Trychle, die er als Schwinger gewonnen hat. In der Hand eine Gabe, die er besonders in Ehren hält: Eine Walliser Kanne vom Eidgenössischen Schwingfest 1966 in Frauenfeld.

Der 84-jährige Werner Köchli mit Glocken und Trychle, die er als Schwinger gewonnen hat. In der Hand eine Gabe, die er besonders in Ehren hält: Eine Walliser Kanne vom Eidgenössischen Schwingfest 1966 in Frauenfeld.

Toni Widmer

Seit 60 Jahren gibt es den traditionellen Guggibad-Schwinget im idyllisch gelegenen Weiler oberhalb von Buttwil, der aber zur Gemeinde Bettwil gehört. Weil 1976 und 1977 pausiert worden ist, steigt am 14. April (Verschiebedatum 28. April) allerdings nicht das 60., sondern erst das 58. Fest. Von Anfang an dabei gewesen ist der 84-jährige Sarmenstorfer Werner Köchli.

Und er ist dem Anlass bis ins hohe Alter treu geblieben: «Bis auf zwei bis drei Schwinget, an denen ich wichtige andere Termine hatte, bin ich bisher immer dabei gewesen. Der Saisonauftakt im Guggibad gehört für mich auch weiterhin fest zum Jahresprogramm. Solange es mir gesundheitlich möglich ist, bin ich dabei», sagt das Ehrenmitglied des Schwingklubs Freiamt.

Mit 18 Jahren im Vorstand

Dort wurde Werner Köchli im Alter von 16 Jahren Mitglied und sass schon zwei Jahre später im Vorstand. An den ersten Guggibad-Schwinget erinnert er sich noch gut: «Damals gab es noch keine Tribünen. Sitzgelegenheiten für das Publikum haben wir aus Brettern und Harassen selber gebaut», erzählt er. Die Harasse hätten sie beim Müller Röbu in Uezwil von der Heubühne geholt und die nötigen Bretter in der Sägerei Meyer, ebenfalls in Uezwil.

«Weil der Meyer zu wenig davon vorrätig hatte, mussten wir am Samstag noch extra eine Tanne sägen. Auf den frischen Brettern klebte am Sonntag noch das Harz. Aber nur am Morgen, am Abend klebte es dann an den Hosefüdli der Zuschauer», lacht der rüstige Rentner verschmitzt.

Bis 1967, als er zum Ende seiner aktiven Schwingerlaufbahn in Döttingen seinen letzten Kranz holte, war Werner Köchli am Guggibad-Schwinget nicht nur Mitorganisator, sondern auch aktiver Teilnehmer: «Aufs Podest hat es mir dort leider nie gereicht, aber es hat immer Spass gemacht. In der Scheune des benachbarten Bauernbetriebes gab es eine Bar und im Rübenkeller unten war Tanz. Da ging jeweils am Sonntag nach den Wettkämpfen mächtig die Post ab.»

Ein Waldfest für die Aktiven

Heute ist der Guggibad-Schwinget unter anderem auch für seinen speziellen Gabentempel bekannt. Früher gab es dort kaum etwas zu gewinnen. Auf Antrag von Julius Köchli, Werners Vater, war an der Generalversammlung des Schwingklubs Freiamt vom 1. Februar im Hermetschwiler Waldheim beschlossen worden, als 1. Preis am ersten Schwingfest ein Kalb zu stiften. Andere Preise gab es nicht, aber für jeden Aktivschwinger nach dem Wettkampf einen Cervelat mit Brot und ein Getränk. «Ein ‹Waldfest› zum Zvieri war etwas Besonderes für jene Zeit und hat den Teilnehmern natürlich schon gepasst», weiss der Schwinger-Veteran.

Der Anlass, berichtet er weiter, habe sich in der Folge recht gut entwickelt: «Am Anfang kamen so 200 bis 300 Zuschauer, im Laufe der Zeit sind es immer mehr geworden. Wir haben aber auch immer darauf geachtet, dass wir unser Fest laufend verbessern und dem Publikum ab und zu etwas Neues bieten konnten.»

Gibst wieder einen Freiämter Sieg?

Nach einer Durststrecke von 13 Jahren hat mit Joel Strebel im vergangenen Jahr erstmals wieder ein Freiämter das traditionelle Guggibad-Schwinget gewonnen. Dieses Jahr – am Sonntag,
14. April, mit Verschiebedatum vom Sonntag, 28. April, – kann der Anlass sein 60-Jahr-Jubiläum feiern, er hat im Juli 1959 erstmals stattgefunden. Der erneute Sieg eines Einheimischen ist keineswegs unwahrscheinlich. Die Aktiven des Schwingklubs Freiamt sind auch dieses Frühjahr gut in Form, wie der Saison-Auftakt am Hallenschwingen in Brunegg bewiesen hat: Joel Strebel bestritt den Schlussgang und belegte am Schluss den zweiten Platz, Andreas Döbeli beendete das erste Schwingen von 2019 auf dem 3. Rang.
Der Jubiläumsschwinget im Guggibad beginnt wie üblich mit der traditionellen Jodlermesse um 10.30 Uhr, es singt der Jodlerklub Echo vom Hasenberg. Um 11.30 Uhr geht es mit den Wettkämpfen los. Gemeldet sind Schwinger aus der ganzen Nordwestschweiz sowie Gäste der Schwingklubs am Albis und Cham Ennetsee. Die Festwirtschaft ist ab Veranstaltungsbeginn geöffnet. Ab 14 Uhr ist im Festzelt musikalische Unterhaltung angesagt. (to)

Eine schöne Tradition findet Werner Köchli beispielsweise die Jodlermesse, die 1988 erstmals durchgeführt worden und bis heute fester und beliebter Bestandteil des Anlasses ist. Und natürlich die Festhütte, die es seit 1986 gibt. In der ist 1997 sogar geschwungen worden: «Früher hat der Anlass im Sommer stattgefunden, dann wurde er zum Saisonauftakt in den Frühling verlegt.

Im Guggibad hat es da schon ab und zu geschneit. Ich erinnere mich noch gut an 1982, als wir den Schwingplatz am Sonntagmorgen komplett vom Schnee räumen mussten. 1997 hat man darauf verzichtet und die Sägemehlringe in der Festhütte aufgebaut», erzählt der Sarmenstorfer.

Der ehemalige Transportunternehmer Werner Köchli ist übrigens nicht nur in Schwingerkreisen bekannt: In seiner aktiven Sportlerlaufbahn hat er total 40 Kränze im Ringen, Schwingen und im Nationalturnen gewonnen. Und er ist nicht nur im Schwingklub Freiamt Ehrenmitglied, sondern auch im Kantonalen sowie im Nordwestschweizerischen Schwingerverband. Höhepunkte seiner Karriere waren die Teilnahmen an den «Eidgenössischen» von 1961 in Zug und 1966 in Frauenfeld.