Mutschellen
«Wir brauchen eine Perspektive»: Lehrerschaft der Kreisschule schreibt offenen Brief zur Schulraumnot

Die Kreisschule Mutschellen platzt aus allen Nähten. Nächstes Jahr sollen drei weitere Klassen hinzukommen. Ein Provisorium hätte kurzfristig mehr Platz schaffen können. Berikon, Widen und Oberwil-Lieli stimmten vergangenen Herbst dafür, Rudolfstetten verweigerte eine Abstimmung. Jetzt fordert die Lehrerschaft politische Hilfe.

Andrea Weibel
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Die Platznot an der Kreisschule Mutschellen ist schon jetzt gross. Hier arbeiten Schülerinnen und Schüler in einer Abstellkammer der KSM 2.

Die Platznot an der Kreisschule Mutschellen ist schon jetzt gross. Hier arbeiten Schülerinnen und Schüler in einer Abstellkammer der KSM 2.

zvg

Die Entscheidung kam aus dem Nichts und liess drei Gemeinden und eine Schule ratlos zurück: Vergangenen November hätten alle vier Verbandsgemeinden der Kreisschule Mutschellen über ein Schulraumprovisorium abstimmen sollen. So wäre es möglich gewesen, nicht nur die bereits herrschende Schulraumnot der 26 Klassen vorläufig zu lösen, sondern auch die zusätzlichen drei Klassen, die es ab Sommer geben wird, gut aufzunehmen. Berikon, Oberwil-Lieli und Widen hatten dem Projekt bereits zugestimmt. Doch Rudolfstetten-Friedslisberg weigerte sich.

Gemeinderat strich das Traktandum kurzfristig

Im Büchlein zur Wintergmeind war das Traktandum abgedruckt. Rudolfstetten-Friedlisberg hätte 273'000 Franken an die Gesamtkosten von 960’000 Franken fürs Schulraumprovisorium zahlen müssen. Doch nur wenige Tage vor der Versammlung strich der Gemeinderat das Traktandum von der Liste. Er erklärte damals, er habe erst Infos zu einem Plan B und Alternativvarianten sehen wollen. Als diese nicht kamen, habe er das Traktandum verschieben müssen.

Was der Rudolfstetter Gemeinderat damit anrichtete, wissen die Lehrerinnen und Lehrer der Kreisschule Mutschellen am besten. Es ist mittlerweile ein halbes Jahr vergangen, und noch immer wissen sie nicht, wie es mit dem fehlenden Schulraum weitergehen soll. Darum machen sie ihrem Unmut und ihrer wachsenden Verzweiflung nun in einem offenen Brief Luft.

Lehrerschaft will keine Qualitätseinbussen für Schülerinnen und Schüler

Sie schreiben: «Bereits heute sind die Platzverhältnisse für die 26 Klassen an der Kreisschule Mutschellen knapp.» Es fehle speziell an Gruppenräumen. «Schülerinnen und Schüler müssen teilweise in den Gängen unterrichtet werden.»

Dass sie im Sommer keinen zusätzlichen Schulraum zur Verfügung haben wird, stelle die Kreisschule «vor grosse Herausforderungen». Eine vernünftige Stundenplangestaltung sei unter diesen Umständen extrem anspruchsvoll. «Es ist damit zu rechnen, dass es zu Qualitätseinbussen bei der Unterrichtsgestaltung kommt. Das ist für uns Lehrpersonen unbefriedigend und wir wollen das unseren Schülerinnen und Schülern nicht zumuten.»

Weil es sonst keinen Platz gibt, wurde der PC-Raum im Keller der KSM 2 eingerichtet. Hier werden 22 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

Weil es sonst keinen Platz gibt, wurde der PC-Raum im Keller der KSM 2 eingerichtet. Hier werden 22 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

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Ein Argument ist der Standortvorteil, den eine hohe Unterrichts- und Schulqualität und ein guter Ruf der Schule den Standortgemeinden bietet. Dies basiere auf zwei Säulen, wie die Lehrpersonen betonen: «kompetentes und motiviertes Personal und gute Infrastruktur». Konkret:

«Dass wir im nächsten Schuljahr noch stärker zusammenrücken müssen, ist eine Zumutung für Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen. Inakzeptabel wäre, wenn dieser Zustand länger andauern würde.»

Darum bitten sie die vier Standortgemeinden «eindringlich, alles daran zu setzen, dass für das Schulraumproblem schnellstmöglich eine befriedigende Lösung gefunden wird». Der Brief wurde von 40 Lehrerinnen und Lehrern unterzeichnet.

Lehrerschaft ist kompromissbereit, aber braucht einen Zeithorizont

Auf Anfrage hebt Mischa Schmid, Bezirksschullehrer und langjähriger Stundenplaner an der Kreisschule Mutschellen, hervor: «Im Moment gilt das Motto: Rückt zusammen! Das können wir, das haben wir beim Umbau des KSM 1 vor einigen Jahren bewiesen. Aber damals hatten wir eine Perspektive, wie lange die Umbauarbeiten dauern werden. Die fehlt uns jetzt.»

Sie seien kompromissbereit und wollen mithelfen, in der Übergangszeit, bis mehr Schulraum zur Verfügung steht, eben auch die engen Platzverhältnisse hinzunehmen. «Aber es geht nicht, dass wir überhaupt keine Ahnung haben, wie lange das dauern soll. Wir brauchen einen Horizont.»

Im besten Fall wird's ungemütlich

Als Stundenplaner hat Schmid immer vor allen anderen mit der Schulraumnot zu kämpfen. «Neben den Anforderungen des Kantons sind es auch die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler und der Lehrerschaft, die ich miteinbeziehen muss. Viele Lehrpersonen arbeiten Teilzeit und wollen nicht jeden Tag an der Schule sein.»

Sie seien sich aber einig, dass die Bedürfnisse der Schülerschaft vorgehen. «Darum werden die Stundenpläne für die Lehrpersonen ab dem Sommer im besten Fall ungemütlich, im schlimmsten Fall unmöglich», hält Schmid fest. Er betont deshalb noch einmal:

«Wir können das schaffen. Aber wir brauchen dringend Perspektiven, sonst rennen uns die Lehrkräfte davon.»

Zusätzlich haben sie Angst, dass es ohne Perspektiven zu jener Einstellung kommen könnte, vor der sich viele Arbeitnehmer fürchten, die Sonderefforts leisten: «Wenn wir es einfach möglich machen und uns verbiegen, befürchten wir, dass es auf einmal heisst: ‹Da müssen wir nichts ändern, es geht ja.›»

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