Mutschellen
Hofläden sind im Trend: Nun will JackRipe Bauern und Kunden noch direkter vernetzen

Während der Lockdowns boomten die Hofläden. Danach nahmen sich die Leute aber bald keine Zeit mehr, um beim nächsten Bauern einzukaufen. JackRipe will ein Bindeglied sein, die Ware bei den dorfeigenen Hofläden abholen und zu den Kunden nach Hause liefern.

Andrea Weibel
Drucken
Teilen
Freude und Nähe an und zu den Lebensmitteln und deren Produzenten, das will JackRipe schaffen. Im Bild die Gründer und Mitarbeiter Tim Müller, Jonas Eichenberger, Simon Thut, Andreas Thut und Thomas Winkler (von links).

Freude und Nähe an und zu den Lebensmitteln und deren Produzenten, das will JackRipe schaffen. Im Bild die Gründer und Mitarbeiter Tim Müller, Jonas Eichenberger, Simon Thut, Andreas Thut und Thomas Winkler (von links).

zvg

«Wir wohnen seit 20 Jahren hier in Widen, aber erst vor einem halben Jahr haben meine Frau und ich den tollen Hofladen Wisli-Shop entdeckt, der keinen Kilometer Luftlinie von uns ennet dem Wald zu finden ist», beginnt Andreas Thut zu berichten. «Wir fanden, das kann doch nicht sein, dass man so was nicht weiss.»

Aber genau so geht es vielen. Thuts Nachbar und Firmen-Mitgründer Thomas Winkler sagt: «Vor allem während des ersten Lockdowns vor einem Jahr boomten die Hofläden. Die Kunden entdeckten, dass ganz in ihrer Nähe wunderbare Produkte angeboten werden. Doch nach dem Lockdown verfielen sie wieder in ihren Alltagstrott, in dem sie die Zeit für die Hofläden nicht mehr finden.»

Mitgründer Andreas Thut ist begeistert von JackRipe.

Mitgründer Andreas Thut ist begeistert von JackRipe.

zvg

Um diese Lücke zu füllen und die lokalen Produzenten besser mit ihrer Kundschaft zu vernetzen, haben die beiden die Firma JackRipe gegründet.

Kunden sollen den Bezug zu ihren Produzenten wiederfinden

Die lokalen Produzenten mit ihren Kunden zu vernetzen, ist aber nur eines der Ziele des jungen Unternehmens, das am 1. April gestartet hat. Thut, der sich als ehemaliger Arzt und Ehemann einer Ärztin vermehrt mit Ernährungsfragen auseinandersetzt, erklärt: «Es liegt im Trend, dass die Leute hinterfragen, wo ihr Essen herkommt. In den grossen Läden kann man oft erfahren, welcher Hof die Schweizer Ware herstellt, aber einen echten Bezug schafft das dennoch nicht. Diesen wollen wir bieten.»

So kann man jeweils bis am Mittwochnachmittag auf www.jackripe.ch seine Ware bestellen, die wird von den lokalen Produzenten bereitgestellt, am Donnerstagmorgen von JackRipe eingesammelt und am Nachmittag direkt an die Haustüren geliefert. Thut hält fest:

«Das ist superlokal, die Ware kommt aus einem Radius von wenigen Kilometern. Transportweg und -zeit sind sehr kurz. Wir wollen zeigen, dass so viel Gutes so nah produziert wird.»

Das verbessert auch den ökologischen Fussabdruck. «Ausserdem weiss der Kunde genau, von welchem Hof seine Ware kommt – so schaut er vielleicht auch wieder einmal direkt beim Hofladen vorbei», sagt Thut mit einem Lächeln.

Mitgründer Thomas Winkler freut sich über die innovativen Produkte der Landwirtinnen und Landwirte.

Mitgründer Thomas Winkler freut sich über die innovativen Produkte der Landwirtinnen und Landwirte.

zvg

So sind auch ihre vier Grundsätze bereits erklärt. «JackRipe steht für superlokal, transparent, saisonal und persönlich. All das ist für die Kunden gerade während der Coronazeit immer wichtiger geworden», fasst Thut zusammen.

Die Saisonalität hat JackRipe denn auch zu seinem Namen verholfen. Es ist ein Wortspiel: «Wir haben bemerkt, dass wir bei vielen Dingen gar nicht mehr wissen, wann sie überhaupt Saison haben», sagt Winkler und fügt lachend hinzu: «So kamen wir auf die Idee, dass man bei uns checken kann, was reif ist. Aus ‹check what's ripe› wurde JackRipe.» Er betont: «Unsere Produzenten liefern eben nur dann, wenn ihre Produkte reif sind.»

Landwirtinnen und Landwirte zeigen sich sehr innovativ

Winkler war positiv überrascht: «Es ist unglaublich, wie innovativ die Landwirtinnen und Landwirte sind, mit denen wir zu tun hatten. Einige haben bereits neue Ideen für Produkte, die sie über JackRipe anbieten möchten. So können sie herausfinden, ob die Produkte gefragt sind.»

JackRipe steht für Nähe zu den Produzenten – und zur Natur. Das zeigen Simon Thut, Tim Müller, Andreas Thut, Thomas Winkler, Jonas Eichenberger (von links).

JackRipe steht für Nähe zu den Produzenten – und zur Natur. Das zeigen Simon Thut, Tim Müller, Andreas Thut, Thomas Winkler, Jonas Eichenberger (von links).

zvg

Einer ihrer wichtigsten Ansprechpartner ist Jonas Eichenberger, Landwirt und mittlerweile Leiter Produktion bei JackRipe. «Er kennt sämtliche Hofläden und Produzenten der Gegend, das ist eine riesige Hilfe. Und er ist es auch, der die Produkte bei ihnen abholt und sie dann zu den Kunden bringt», so Thut.

Bisher nur vier Gemeinden – bald sollen es mehr werden

Weil das Superlokale ihnen so wichtig ist, hat JackRipe mit den vier Mutschellengemeinden Widen, Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg und Oberwil-Lieli als Lieferregion begonnen. Nur aus diesen vier Dörfern kann im Moment bestellt werden. «Dennoch haben wir bereits über 100 Anmeldungen», freut sich Winkler. «Im Moment sind es noch neun Produzenten, von konventionell bis bio, die von Käse über Gemüse und Früchte bis Brot, Milch und Eier gut 150 Produkte anbieten. Wir sind aber mit einigen mehr im Gespräch, deren Produkte bald reif sein werden.»

Bisher beliefert JackRipe nur vier Gemeinden. «Aber schon diesen Herbst wollen wir das Feld vergrössern», erklärt Thut. «Darum können sich alle, die Interesse haben, schon jetzt mit ihrer Postleitzahl auf unserer Website anmelden. So werden sie informiert, sobald JackRipe auch in ihre Gemeinde liefert.»

Aktuelle Nachrichten