Muri
25 Jahre Roth-Haus: Hier haben sich schon mindestens sechs Ehepaare kennen gelernt

Bei Festansprachen werden meist nur die Geschichten von Institutionen erzählt. Nicht so im Roth-Haus Muri. Zu seinem 25. Geburtstag stellt es ganz besonders jene Menschen ins Zentrum, die seit Beginn in der Institution für Schwerstbehinderte leben und arbeiten.

Melanie Burgener
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Zwölf Bewohnende und fünf Mitarbeitende sind seit Tag eins im Roth-Haus Muri. Ganz besonders ihnen soll das 25-Jahr-Jubiläum gewidmet sein.

Zwölf Bewohnende und fünf Mitarbeitende sind seit Tag eins im Roth-Haus Muri. Ganz besonders ihnen soll das 25-Jahr-Jubiläum gewidmet sein.

Melanie Burgener

An die genaue Zahl heutiger Ehepaare, die sich im Roth-Haus in Muri kennen gelernt haben, kann sich Geschäftsleiter Uwe Tischer nicht erinnern. «Es waren mindestens sechs. Zum Beispiel mein Stellvertreter und Teamleiter Claude Baeriswyl und Rita Meier von der Nachtwache», erzählt Tischer strahlend. Er ergänzt: «Beide arbeiten noch immer hier – nach 25 Jahren.»

25 Jahre – genauso lange ist es her, seit das Roth-Haus der gleichnamigen Stiftung in Muri eröffnet worden und 28 Klientinnen und Klienten ins Wohnhaus mit Beschäftigungsstätte für Schwerstbehinderte einziehen konnten. Zwölf von ihnen leben noch immer dort. Zusammen mit fünf Mitarbeitenden, die ebenfalls seit Tag eins dabei sind, haben sie jede Entwicklung der Institution miterlebt.

Wenn Tischer anlässlich des diesjährigen 25-Jahr-Jubiläums des Roth-Hauses über verliebte oder langjährige Mitarbeitende und zufriedene Bewohnende spricht, merkt man schnell, wie sehr ihm diese am Herzen liegen. Deshalb möchte er für einmal nicht nur auf die Geschichte der Institution aufmerksam machen.

Vergangenes Jahr wurde das Roth-Haus durch einen Anbau ergänzt.

Vergangenes Jahr wurde das Roth-Haus durch einen Anbau ergänzt.

Alex Spichale (30.7.2021)

«Die Planung fürs diesjährige Jubiläum war bereits weit fortgeschritten, als ich bemerkte: Da fehlt was. Deshalb möchten wir heute all jene Menschen feiern, die seit 25 Jahren bei uns leben oder arbeiten», sagte er am Montagnachmittag im Rahmen einer kleinen internen Feier.

Seit sie die Stiftung gegründet hat, bietet die Pflegi Hand

Die 17 Jubilarinnen und Jubilare und auch Geschäftsleiter Tischer, der das Roth-Haus seit 23 Jahren führt, haben viel zusammen durchgemacht. 1995 wurde die Stiftung Roth-Haus Muri vom damaligen Verein «Aargauisches Kranken- und Pflegeheim in Muri» (der heutigen Pflegimuri) gegründet. Am 1. Juli 1997 eröffnete das Heim, seither hat sich einiges getan.

Denn bald schon wurde es in den Ateliers im Erdgeschoss zu eng. Eine neue Beschäftigungsstätte musste her. «2006 hatten wir das Glück, dass wir das ehemalige Galiciahaus kaufen und auf dessen Grundstück die neue Beschäftigungsstätte realisieren konnten», sagte Uwe Tischer. Während den Bauarbeiten durften die Klientinnen und Klienten ihr Beschäftigungsprogramm im ehemaligen Ökonomiegebäude der Pflegi wahrnehmen.

Hilfe bot die Pflegi auch, als der Platz im Wohnbereich knapp wurde und 2019 die Realisierung eines An- und Umbaus startete. Dieser konnte im vergangenen Jahr fertiggestellt werden und die Bewohnenden wieder in ihr gewohntes Zuhause umziehen. Und zwar zum ersten Mal in ihr eigenes Zimmer, das sie nicht mehr teilen müssen und von denen jedes eine eigene angrenzende Nasszelle hat.

«Unsere neue Superbadewanne ist ein Hit»

All das sei ein unglaublicher administrativer Aufwand gewesen, berichtete Stiftungsratspräsident Harold Külling. Doch dieser habe sich gelohnt. «Zum 25-Jahr-Jubiläum können wir eine positive Bilanz ziehen», sagte er. «Auf die Frage, ob es den Leuten bei uns gefällt, können wir mit Ja antworten», so Külling. Schmunzelnd ergänzt er:

«Sie schauen lieber aus dem Fenster als in den Fernseher. Auch unsere neue Superbadewanne ist ihr Hit.»
Harold Külling, Stiftungsratspräsident vom Roth-Haus, freut sich über die positive Bilanz zum Jubiläum.

Harold Külling, Stiftungsratspräsident vom Roth-Haus, freut sich über die positive Bilanz zum Jubiläum.

Alex Spichale

Während alle Mitarbeitenden diese Veränderungen und die Freude der Bewohnenden bei Tageslicht erlebten, hat Rita Meier das aus einer ganz anderen Perspektive wahrgenommen. Seit 25 Jahren macht sie drei bis vier Tage die Woche die Nachtwache im Roth-Haus. «Und zwar ganz alleine», betont Tischer. Mit ihren Erlebnissen aus dieser Zeit könnte wohl auch sie ein Buch füllen.

So zum Beispiel aus der Zeit, als der Umbau stattgefunden hat und die Bewohnenden in der Pflegi untergebracht worden sind. «Wir waren da in einer Baracke. Im Winter war es eisig kalt und im Sommer sehr heiss», erzählt sie. «Und wenn es schneite, hat in der Nacht bei uns niemand den Schnee weggeräumt. Wir sind dann jeweils im Dunkeln mit der Schaufel durch den Schnee gestapft», erinnerte sie sich lachend.

Doris Leuthard kommt zum Geburtstag

Einmal habe sogar jemand versucht, ins Roth-Haus einzubrechen. «Ich war ja alleine und habe das Kratzen gehört. Sofort rief ich die Polizei an, diese wusste aber nicht, wo das Heim ist. Ich musste den Weg zuerst erklären», erzählt sie. Schlussendlich habe man aber nur noch die Kratzspuren an der Türe gefunden. «Beruhigt war ich trotzdem», sagte sie.

Vor knapp einem Jahr konnte das Roth-Haus nach Abschluss der An- und Umbauarbeiten wiedereröffnet werden. Auf einem Rundgang präsentierte Geschäftsleiter Uwe Tischer (rechts) Regierungsrat Alex Hürzeler die neue Superbadewanne.

Vor knapp einem Jahr konnte das Roth-Haus nach Abschluss der An- und Umbauarbeiten wiedereröffnet werden. Auf einem Rundgang präsentierte Geschäftsleiter Uwe Tischer (rechts) Regierungsrat Alex Hürzeler die neue Superbadewanne.

Alex Spichale (30.7.2021)

Nun blicken die Verantwortlichen, die Mitarbeitenden und die Bewohnenden mit Freude auf ihre geplanten Sommerfeiern. Der Hauptfestakt findet am Donnerstag, 18. August, im Festsaal des Klosters Muri statt.

Vor Ort werden unter anderem Festrednerin Doris Leuthard und das Jugendsinfonieorchester Aargau ihren Teil zum Fest beitragen. «Am Samstag können wir dann endlich wieder unser traditionelles Roth-Haus-Fest durchführen», freut sich Tischer.