Wohlen
Mit dem Polizeiauto unterwegs in den «Wilden Osten»

Alex Meyer (34) engagiert sich als Fahrer bei einem humanitären Hilfskonvoi in die Ukraine. Er sitzt ab Samstag für rund 2600 Kilometer am Steuer eines Streifenwagens, den die Kantonspolizei Aargau für ihre Kollegen in Sumy spendet.

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
Alex Meyer fährt mit dem Hilfskonvoi des Vereins Help-Point Sumy in die Ukraine.

Alex Meyer fährt mit dem Hilfskonvoi des Vereins Help-Point Sumy in die Ukraine.

Wenn am 13. April morgens um 6 Uhr der Konvoi des Vereins Help-Point Sumy auf dem Schützenhausplatz in Wohlen zur langen Fahrt in die Ukraine aufbricht, ist auch Alex Meyer dabei.

Der 34-jährige Bankangestellte aus Wohlen bringt zusammen mit 23 weiteren Chauffeuren rund 150 Tonnen Hilfsgüter, drei Polizeiautos und ein Kommandofahrzeug für die Feuerwehr in die Stadt und Region Sumy.

«Als Einwohner von Wohlen ist mir der Verein Help-Point Sumy aus der Presse ein Begriff», sagt Meyer. In einem Gespräch mit seinem ehemaligen Arbeitskollegen, Vereinskassier und Vorstandsmitglied Koni Häfeli, erwähnte Meyer, dass er sich für die Teilnahme an einem Konvoi interessieren würde. «Rund ein Jahr später ist es nun soweit», freut er sich.

Meyer engagiert sich gerne beim Help-Point Sumy. «Ich finde es eine gute Sache, dass bei uns nicht mehr benötigtes oder ausrangiertes Material nicht weggeworfen oder verschrottet wird, sondern in Sumy weiterhin seinen Zweck erfüllt.» Meyer hofft, dass sich die arme Region dadurch etwas weiterentwickeln kann.

Überdies ist er auf die Kultur und das Leben in der Ukraine gespannt. «Ich freue mich zudem neue Leute kennen zu lernen, als jüngster Teilnehmer sicherlich ein spezielles Erlebnis», schmunzelt er. Meyer blickt mit Vorfreude auf den Hilfstransport: «Ich bin sicher, dass ich viele Eindrücke vom Konvoi mit nach Hause nehmen werde», sagt er.

Der verheiratete Bankangestellte, der als Hobbys Biken, Fussball , Outdoor-Freizeitaktivitäten und Reisen angibt, engagiert sich zudem noch im Vorstand des Vereins für Jugend und Freizeit (VJF) in Wohlen.

Das kürzlich durchgeführte Fahrertreffen des Vereins Help-Point Sumy gab ihm einige Einblicke, was ihn auf der 2600 Kilometer langen und vier Tage dauernden Fahrt nach Sumy erwartet. «Ich lasse mich auch gerne überraschen», sagt Meyer, der zum ersten Mal bei einem Hilfskonvoi dabei ist.

Fast schon Routine sind die Fahrten für die Konvoileitung mit Beatrice Portmann und Hans Hächler. «Wenn man in die Ukraine fährt, muss man sich mit den Verhältnissen dort abfinden», sagt Portmann. Umso wichtiger ist für Hans Hächler, Inhaber einer Lastwagen-Garage in Othmarsingen, dass er auf ein gutes Fahrerteam und zuverlässiges Material zählen kann.

«Alex Mexer und die 23 übrigen Chauffeure sind mit ihrem Einsatz sehr wertvoll für uns», sagt der Konvoileiter. «Sie geben zehn Tage Ferien und bezahlen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung selber, das ist nicht selbstverständlich», betont Portmann.

Trotzdem sind für den bevorstehenden Konvoi beträchtliche Finanzmittel nötig. «Der grösste Posten ist der Treibstoff, dazu kommen Kosten für Fahrzeugunterhalt, Gebühren für Bewilligungen, Ausgaben für Übersetzungen und vieles mehr», zählt Beatrice Portmann auf.

Und Hans Hächler ergänzt: «Ohne die grosszügige Unterstützung von Importeuren, Transportunternehmern und Lastwagengaragen, die unserem Verein die Zugmaschinen, Auflieger oder ganze Sattelzüge zur Verfügung stellen, wären die Transporte gar nicht möglich.»

Seit acht Jahren bringt der Verein Help-Point Sumy humanitäre Hilfsgüter nach Sumy, in erster Linie Spitalbetten, medizinisches Material, Ausrüstung und Fahrzeuge für Feuerwehr und Polizei sowie Mobiliar für Schulen und Kindergärten. Der Verein hat bisher mehr als 80 Container mit über 2600 Spitalbetten sowie 50 Spezialfahrzeuge und 2500 Tonnen Hilfsgüter nach Sumy transportiert.

Im aktuellen Konvoi werden ungefähr 150 Tonnen Hilfsmaterial in die Ukraine gebracht. «Wenn man sieht, wie dankbar die Menschen in Sumy diese Hilfsgüter entgegennehmen, dann wird klar, wie wertvoll dieser Einsatz ist», sagt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti. «Wir versuchen, die Verhältnisse in Stadt und Region Sumy mit unserer Hilfe schrittweise zu verbessern», erklärt sie.

Piffaretti war im März zuletzt in der Ukraine und regelte die letzten Formalitäten für den bevorstehenden Hilfskonvoi. «Obwohl das Land 2012 die Fussball-Europameisterschaft organisierte, hat sich die Situation in Sumy und der ganzen Ukraine nicht verbessert», berichtet sie. Aufgrund der Wirtschaftskrise sei der Staat zum Sparen gezwungen, «deshalb wurden Mittel für neue Anschaffungen gestrichen. Ausser den Hilfsgütern, die wir mit dem Konvoi bringen, erhalten die Spitäler, die Feuerwehr und die Schulen in Sumy nichts», sagt Marianne Piffaretti.

Informationen zum Verein Help-Point Sumy auf www.help-point-sumy.ch - für seine künftigen Hilfskonvois ist der Verein Help-Point Sumy auf Spenden angewiesen. Das Postcheckkonto für Spenden lautet: 60-496007-8. Der Verein Help-Point Sumy ist vom Kanton Aargau als gemeinnützige Organisation anerkannt, Spenden können deshalb von den Steuern abgezogen werden.

Aktuelle Nachrichten