Missbrauch
Damit Opfer ihr Schweigen brechen: Die Freiämter Soroptimistinnen laden zum Benefizanlass mit Regisseurin Alice Schmid

«Von Frauen für Frauen» lautet das Motto des Frauenserviceclubs Soroptimist Bremgarten-Freiamt. Mit ihrer nächsten Veranstaltung möchten sie das Tabu um Gewalt und Missbrauch brechen und weiblichen Opfern eine Stimme geben. Dazu zeigen sie den Film «Burning Memories» in dem die Schweizer Regisseurin Alice Schmid ihre eigene Geschichte erzählt.

Melanie Burgener
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Alice Schmid erzählt in ihrem Dokumentarfilm «Burning Memories» davon, wie sie als 16-Jährige missbraucht wurde und das 50 Jahre lang verdrängte.

Alice Schmid erzählt in ihrem Dokumentarfilm «Burning Memories» davon, wie sie als 16-Jährige missbraucht wurde und das 50 Jahre lang verdrängte.

zvg

«Ich stand im Museum vor diesem Bild mit dem nackten Mädchen und dem riesigen Schatten hinter ihr. Da konnte ich nicht mehr atmen, habe mich genau so nackt gefühlt und mich geschämt», sagt Alice Schmid in die Kamera. «Ich bin weitergelaufen, kehrte aber zurück. Ich stand noch einmal vor das Mädchen hin. Und dann war alles wieder da.»

Das Erlebnis, das Alice Schmid in einem Interview für den Schweizer Filmpreis 2021 schilderte, war der Auslöser für ihren Dokumentarfilm «Burning Memories». Für einmal beschäftigte sich die Schweizer Regisseurin nicht mit der Erfahrung von Gewalt und Missbrauch fremder Kindern. Sie erzählt ihre eigene Geschichte, vom Missbrauch, den sie als 16-Jährige erlebt hatte und den sie 50 Jahre lang verdrängte.

Anhand von Schmids Dokumentarfilm wird das Thema Gewalt an Frauen und Kindern am nächsten Benefizanlass des Frauenserviceclubs Soroptimist Bremgarten-Freiamt aufgegriffen. «Das ist ein Thema, das alle betrifft», sagt die Präsidentin des Clubs, Bettina Fischer.

Am Dienstag, 21. Juni, zeigen die Soroptimistinnen im Rahmen ihrer Benefizveranstaltung Schmids Dokumentarfilm «Burning Memories» im Kino Mansarde in Muri. Denn besonders jetzt sei es wichtig, dass diese Thematik wieder aufs Parkett kommt, wie Fischer sagt.

«Worte für das Verdrängte zu finden, war die grösste Herausforderung»

«Aktuell ist es eher schwierig auf das Thema Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen», erzählt Bettina Fischer. «Mit den vielen anderen Themen, die gerade aktuell sind, beispielsweise dem Ukraine-Krieg, geht dieses unter.» Dabei sei es enorm wichtig, dass Frauen, die auch in der Schweiz von Gewalt und Missbrauch betroffen sind und unter anderem in Frauenhäuser Schutz suchen, gehört werden.

«Deshalb haben wir uns dafür entschieden, beim nächsten Benefizanlass den Film von Alice Schmid zu zeigen. Häufig sind Frauen in den Tabus gefangen, weil sie sich schämen, über ihre Geschichte zu sprechen», so Fischer. Deshalb wollen die Freiämter Soroptimistinnen diesen Film auch in der Region ins Rampenlicht stellen.

Dieses Tabu zu brechen, sei auch für sie nicht einfach gewesen, wie Alice Schmid im Interview erklärt. «Scham ist belastend. Worte für das Verdrängte zu finden, war die grösste Herausforderung bei diesem Film.»

In «Burning Memories» läuft Schmid durch die Wüste Afrikas, um den Fragen in ihrem Innern nachzugehen. Warum habe ich geschwiegen? Wie funktioniert das Verdrängen, das Vergessen? Wie kommt es, dass ich in all meinen Filmen genau den Fragen zu Missbrauch und Gewalt nachging, ohne an mein eigenes Erlebnis zu denken?

Regisseurin Schmid nimmt am Benefizanlass teil

Schmid wird auch am Benefizanlass selbst in Muri vor Ort sein und im anschliessenden Gespräch weitere Infos zu ihrer Geschichte und der Entstehung des Filmes preisgeben.

Der Anlass startet um 19 Uhr mit einem Apéro und kostet 25 Franken pro Person. «Das Geld wird vollumfänglich gespendet. Die Häppchen für den Apéro kommen nicht vom Caterer, sondern von den Mitgliedern selbst», so Fischer.

Der Erlös komme ebenfalls Frauen zugute. «Wir können damit den Bau einer Getreidemühle im Afrikanischen Mali ermöglichen. Diese erleichtert den Frauen im Dorf die strenge Arbeit, die sie täglich beim Mahlen von Hirsen und Nüssen leisten müssen», so Fischer.

Tickets-Reservationen sind ab sofort möglich unter: kassierin@soroptimist-bremgarten-freiamt.ch. Weitere Infos unter: www.soroptimist-bremgarten-freiamt.ch.