Merenschwand/Benzenschwil
Nach Brandserie: Jetzt sollen die beiden ehemaligen Gemeinden auch unterirdisch «fusionieren»

Benzenschwil und Merenschwand haben sich 2012 zusammengeschlossen, ihre Wasserversorgung blieb aber getrennt. Nach der Brandserie von 2019 war klar: Das muss sich ändern.

Pascal Bruhin
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Tiefbauamt-Vorsteher Daniel Schmid zeigt, wo die neuen Wasserleitungen durchlaufen sollen. Im Hintergrund die Liegenschaft «Gutenmorgen».

Tiefbauamt-Vorsteher Daniel Schmid zeigt, wo die neuen Wasserleitungen durchlaufen sollen. Im Hintergrund die Liegenschaft «Gutenmorgen».

Pascal Bruhin

Merenschwand ist im Umbruch. Zahlreiche Baustellen zeugen von reger Bautätigkeit. Gemeinderat und Tiefbauamt-Vorsteher Daniel Schmid führt die AZ durch sein Dorf und berichtet über das neueste Projekt, das in der Gemeinde ansteht. Ein Projekt, von dem man gar nichts sieht, weil es wortwörtlich unter der Erde liegt.

Am 16. Juni stimmt die Ortsbürgergemeinde Merenschwand, die in der Gemeinde für die öffentliche Wasserversorgung zuständig ist, nämlich unter anderem über einen Kredit von 620'000 Franken für die Erneuerung und den Ausbau der Wasserleitungen ab. 2012 fusionierten Benzenschwil und Merenschwand, doch bis heute trinken Benzenschwiler und Merschenwander nicht das gleiche Glas Hahnenburger, die beiden Wasserversorgungsnetze sind komplett getrennt.

Während das Benzenschwiler Wasser vornehmlich aus Grundwasservorkommen unter der Reuss stammt, bezieht Merenschwand sein Wasser aus eigenen Quellen, aus dem Grundwasser und von der Wasserversorgungsgenossenschaft Muri sowie – für den Weiler Hagnau – von der Einwohnergemeinde Mühlau.

Brandserie 2019 zeigte Handlungsbedarf auf

«Ein grosser Teil der Probleme kann mit einer Verbindung der beiden Netze gelöst werden», erklärt Daniel Schmid. Und Probleme gibt es einige zu lösen, das hätten unter anderem die beiden Brandserien gezeigt, die die Gemeinde 2019 in Angst und Schrecken versetzen. «An Spitzentagen ist der Wasserbedarf im Dorfteil Merenschwand schon heute nicht zufriedenstellend sichergestellt», so Schmid. Er fügt an:

«Wenn dann noch so eine Ausnahmesituation dazukommt, wie die Brandserien, dann wird es heikel.»

Als eine der Sofortmassnahmen werden deshalb bereits 2021 die Pumpen im Grundwasserpumpwerk Unterrüti durch leistungsstärkere ersetzt, sodass täglich rund 300 m³ mehr Grundwasser gefördert werden können.

Langfristig reicht das aber nicht aus. Geplant ist daher eine Netzverbindung zwischen der Unterdorfzone Benzenschwil und der Zone Merenschwand im Gebiet «Gutenmorgen», benannt nach der gleichnamigen Liegenschaft. Dazu müssen rund 250 Meter neue Wasserleitungen verlegt und ein neuer Messschacht erstellt werden. Mit der neuen Verbindung kann im Brandfall Löschwasser von Benzenschwil nach Merenschwand geleitet werden.

Die neue Verbindung sorgt für Versorgungssicherheit in beiden Ortsteilen, ist sich Daniel Schmid sicher.

Die neue Verbindung sorgt für Versorgungssicherheit in beiden Ortsteilen, ist sich Daniel Schmid sicher.

Pascal Bruhin

Auch in Benzenschwil gibt es Handlungsbedarf. So sind etwa in der Unterdorfzone keine Ringschlüsse vorhanden. Schmid erklärt:

«Dies führt dazu, dass bei einem Leitungsbruch zahlreichen Haushalten das Wasser abgestellt werden muss.»

Mit der neuen Netzverbindung «Gutenmorgen» wäre im Gegenzug zukünftig auch eine Notversorgung von Merenschwand aus möglich.

Einige Wasserleitungen sind über 100 Jahre alt

Dies ist allerdings nicht die einzige Baustelle. Denn eine der beiden Reservoirleitungen des Ortsteils Merenschwand stammt aus dem Jahr 1931 und ist somit 90-jährig. «Es ist davon auszugehen, dass Abschnitte von ihr in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausser Betrieb genommen beziehungsweise ersetzt werden müssen», sagt Schmid. Das könnte insbesondere im Gewerbegebiet Allmend den Löschschutz massiv beeinträchtigen.

Gleichzeitig besteht im Gebiet Oberdorf in Benzenschwil noch ein Reststück von rund 160 Metern einer Wasserleitung, die mehrheitlich schon über 100 Jahre alt ist und deshalb ersetzt werden muss.

Traktanden der Ortsbürgergemeindeversammlung Merenschwand vom Mittwoch, 16. Juni

Das wichtigste Traktandum trägt die Nummer 5. Dabei geht es um die Bewilligung eines Verpflichtungskredites von 620'000 Franken für die Netzverbindung «Gutenmorgen» von Benzenschwil bis Merenschwand sowie den Leitungsersatz «Oberdorf» in Benzenschwil. Neben der Genehmigung der Jahresrechnung und des Rechenschaftsberichts 2020 stimmen die Ortsbürger zudem über die Ermächtigung des Gemeinderates zu Erwerb, Veräusserung und Tausch von Grundstücken, zur Einräumung von Rechten an solchen sowie zur Aufnahme von Darlehen, Anleihen und Krediten für die Amtsperiode 2022/25 ab.

«Es ist ein Projekt, das noch vielen Generationen nach uns dienen wird», ist sich Schmid, der diesen Herbst noch einmal gewählt werden will, sicher. Trotz des relativ hohen Investitionsbedarfs ist er frohen Mutes, dass die Ortbürgerinnen und Ortsbürger den Kredit genehmigen werden. Er sagt:

«Dem Thema Wasser sind die Ortsbürger in der Regel sehr wohl gesonnen.»

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