Sarmenstorf
Leuchtende Kinderaugen und viel Tradition zum Samichlaus-Auszug

Die Hausbesuche kommen nur dank vieler Freiwilliger und einer guten Organisation zustande.

Verena Schmidtke
Drucken
Teilen
Der Samichlaus auf dem Weg zur Kapelle. Verena Schmidtke

Der Samichlaus auf dem Weg zur Kapelle. Verena Schmidtke

Jedes Jahr, ob es regnet, stürmt oder schneit, begeht Sarmenstorf den Auszug des Heiligen Nikolaus feierlich in der St. Wendelinskapelle. Organisiert wird der Anlass vom Jugendforum Sarmenstorf und vielen freiwilligen Helfern. «Es ist eine schöne Tradition, mit der die Kinder hier aufwachsen und die verbindet», meinen Judith Bütler und Muriel Willborn vom OK.

Am Freitagnachmittag wandert der Heilige Mann mit seinen Gehilfen vom Wald aus zur Kapelle, wo ihn schon viele Kinder aufgeregt erwarten. Katechetin Jolanda Melliger bereitete die Andacht vor. Die Kleinen können Lieder und die Geschichte, die der Samichlaus erzählt kaum abwarten. Danach dürfen sie nach vorne, um ihm ein Versli aufzusagen. Draussen beim Lagerfeuer gibt es noch Lebkuchen vom Nikolaus. Dann muss sich er mit den Schmutzli auf den Weg ins Dorf machen. Schliesslich warten einige Familien auf seinen Besuch.

Der Samichlaus hat viele Helfer

Die Anmeldebögen für den Besuch, der 30 Franken kostet, lagen seit Ende Oktober in den Läden des Dorfes aus. Auf dem Formular können die Eltern Vermerken, was der Samichlaus an den Kindern loben und tadeln soll. Mit der Anmeldebestätigung erhalten die Familien ausserdem ein Feedback-Formular.

Seit September bereiten Jugendforum und Helfer den Anlass vor, erzählt Muriel Willborn, insgesamt seien 38 Personen beteiligt. Die meisten kommen aus Sarmenstorf oder haben einen Bezug zum Dorf. Es sind auch viele Jugendliche aus dem Blauring und der Jungwacht dabei, denen daran liegt, diese Tradition aufrecht zu erhalten. Sie sind am Freitag und Samstag als Schmutzli unterwegs. Judith Bütler dazu: «In Sarmenstorf können nämlich auch Meitli Schmutzli sein.» Sie begleitete den Heiligen Nikolaus selbst als Schmutzli und erzählt: «Mitte der 90er-Jahre war diese Tradition weniger gefragt.» Inzwischen sei das anders, die Zahl der Einsätze habe besonders in den letzten Jahren zugenommen und werde in den Familien oft wieder feierlich begangen.

Im OK sind sechs Personen, die den Überblick behalten. Für die Chläuse gibt es ein spezielles «Chlaus-Training», wo sie den würdevollen Auftritt lernen und vor allem, wie man auf die Kinder eingeht. Wichtig sind ausserdem die Gewänder der Samichläuse und Schmutzli, die alle selbst genäht sind. Im Gegensatz zu anderen Orten trägt der Samichlaus in Sarmenstorf keinen roten Umhang, sondern einen violetten oder bordeauxroten Überwurf über einem weissen Gewand. Nicht fehlen darf die Mitra, also die Bischofsmütze. «Das Nähen und pflegen der Gewänder ist schon ein gewisser Aufwand und kostet auch», erklärt Muriel Willborn.

Lange Tradition

Laut Vereinschronik der Jungmannschaft, die Vorläufer des Jugendforums ist, besucht der Samichlaus seit 1945 die Familien im Ort, in der Hoffnung, den Kindern eine Freude zu machen. Zuvor sei dieser Brauch sehr vernachlässigt worden.

Dieses Jahr absolviert der Heilige Mann insgesamt 40 Besuche und erfreut dabei über 100 Kinder. Alleine ist das natürlich schwer zu schaffen,
deswegen sind am Freitagabend vier und am Samstagabend acht Chläuse im Einsatz. Für die Organisatoren ist die Koordination der Einsätze ein grosser Zeitaufwand. Schliesslich müssen Routen, Besuchszeit und Anzahl der Besuche geplant werden. Da kann eine Nachmeldung einiges durcheinander bringen.

Alle Beteiligten sind sich einig, wieso sie gerne bei diesem Anlass mitwirken: «Zum einen geht es um die Tradition, zum anderen natürlich um die leuchtenden Kinderaugen.»

Aktuelle Nachrichten