Merenschwand
Lehrer-Urgestein Markus Strebel legt nach 44 Jahren Kreide weg

Markus Strebel war 44 Jahre lang ein überaus engagierter Lehrer an der Schule Merenschwand.

Eddy Schambron
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Markus Strebel im Element: An der Wandtafel demonstriert er gerne grammatikalisches Grundwissen.

Markus Strebel im Element: An der Wandtafel demonstriert er gerne grammatikalisches Grundwissen.

Eddy Schambron

Es ist schwer, sich die Schule Merenschwand ohne den Lehrer Markus Strebel vorzustellen. Das ist nicht weiter verwunderlich: Er unterrichtet hier seit 44 Jahren – und geht nun in den Ruhestand. Er ist sozusagen ein Urgestein, in Merenschwand und auch als Lehrer. «Ich freue mich wie ein Kind auf den neuen Lebensabschnitt», erklärt Strebel, der von sich selber sagt, dass er Lehrer mit Leib und Seele gewesen sei. «Aber ich habe das Gefühl, dass es jetzt genug ist: genug korrigiert, genug Stundenplan, genug klar strukturierter Tagesablauf», erklärt er und lacht verschmitzt. «Von nun an werde ich selber Herr und Meister über meinen Tagesablauf sein.»

Markus Strebel hat «als junger Schnösel», wie er sich selber ausdrückt, am 30. April 1973 seine Unterrichtstätigkeit im heutigen Werkraum des Schulhauses AB an der Schule Merenschwand aufgenommen, bei einer 4. Klasse der Primarschule. Nach drei Jahren auf dieser Stufe ging er nach Lausanne, um seine Französischkenntnisse zu festigen und zu erweitern. Erst dann wechselte er an die Sekundarschule, an welcher er bis heute tätig war. In dieser Zeit hat er als Klassenlehrer gegen 500 Jugendliche begleitet. Seine berühmteste Schülerin sitzt heute im Bundeshaus. Doris Leuthard besuchte 1974 die erste Klasse von Strebel. «Als ausgebildeter Allrounder unterrichtete er alle Fächer der Stundentafel, mit einer Vorliebe für die Naturwissenschaften. Mathematik, Physik, Chemie und Informatik waren und sind seine Steckenpferde», hält Stufenleiter Stefan Woodtli fest.

Auch Lehrmittelautor und IT-Supporter

Markus Strebel war nicht nur Lehrer mit Leib und Seele. Kantonsweit machte er sich in der Zeit von 1978 bis 1993 zuerst einen Namen als Mitglied der Projektgruppe «Einführung Taschenrechner» und später als Mitautor des Aargauer Mathematik-Lehrmittels für die Oberstufe und als Kursleiter bei dessen Einführung. «Den Autoren gelang es, ein in sich schlüssiges, zyklisch aufgebautes und schüler- und lehrerfreundliches Lehrmittel zu entwickeln, mit dessen Hilfe unsere Oberstufenschüler sich während fast 20 Jahren die Grundlage mathematischen Denken und Handelns aneignen konnten», hält Stufenleiter Stefan Woodtli fest. Weiter war für ihn der Aufbruch ins Computerzeitalter eine überaus spannende Herausforderung. Strebel programmierte neben dem Unterricht unzählige hilfreiche Programme für die Lehrer- und Schülerschaft. Er unterstützte diese «als IT-Supporter und PC-Doktor bis heute».

Strebel hat während seiner Berufszeit 18 782 Kilometer Schulweg zu Fuss hinter sich gebracht, fast ein halbes Mal um den Globus. Er hat beinahe 500 Schülerinnen und Schüler als Klassenlehrer betreut, 48 633 Lektionen Unterricht erteilt und 650 Quadratmeter Adventsfenster gestaltet. (es)

Damals keine Hektik

«Es war idyllisch damals», erinnert sich Strebel: «Ein Schulhaus, acht Lehrer, keine Hektik, Zeit, sich in eine Thematik zu vertiefen.» Das hat sich geändert. «Den Schülerinnen und Schülern fehlt es heute an Musse, sich à fond mit etwas auseinanderzusetzen.» Der Lehrer sagt das nicht mit einem klagenden Unterton, sondern ganz sachlich: «Die Zeiten haben sich geändert, sie sind nicht besser oder schlechter als früher, sondern einfach anders.» Gleich geblieben sind für ihn – und das ist unverhandelbar – seine gradlinige Kommunikation mit Schülerschaft und deren Eltern sowie sein Bestreben nach konsequenter und gerechter Haltung. «Der Lehrer ist nicht der Kumpel, der Lehrer muss klar die Grenzen markieren.» Er forderte Werte wie Anstand, Ehrlichkeit und Pflichtbewusstsein ein, und es war für ihn immer selbstverständlich, den Jugendlichen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Daran denken heute ehemalige Schüler genauso wie an gelungene Ferienlager im Tessin oder legendäre Schulreisen mit bis zu elf Stunden Marschzeiten. «Solche Touren könnte man heute nicht mehr machen.» Gewechselt hat er die Schule nie, weil es ihm in Merenschwand einfach immer gefallen hat.

Stark engagiert

Markus Strebel war ein ausserordentlich engagierter Lehrer. Er übernahm 1987 die Leitung der Musikschule Merenschwand und übte diese Aufgabe bis 2008 aus. Er ist der «Vater» der riesigen Adventsfenster im Schulhaus E; insgesamt 13 Mal kreierte er ein solches für die mehr als 50 Quadratmeter grosse Fensterfront. Seinen Schülerinnen und Schülern in Erinnerung bleiben werden schliesslich die Ausflüge, unter anderem ins Bundeshaus, wo Doris Leuthard immer etwas Zeit für den Merenschwander Besuch fand.

«Jetzt zuerst einmal runterfahren», ist die Devise von Markus Strebel. Angst, in ein Loch zu fallen, hat er nicht. Dafür hat er zu viele Interessen, Hobbys und Leidenschaften. Er wird endlich mehr Zeit finden, in ganz Europa Kirchenfenster zu studieren, er ist ein fanatischer Flugsimulator-Pilot und ein angefressener Modelleisenbahner. «Was besonders wichtig ist: Ich kann mich mehr der Familie, den Enkelkindern widmen. Weil ich auf allen Hochzeiten tanzte, kam das bei den eigenen Kindern etwas zu kurz.» Aber Markus Strebel wurde noch – oder schon wieder – zu einer «Hochzeit» eingeladen: «Murikultur hat mich angefragt, ob ich nicht Klosterführungen machen könnte», erklärt er. «Ich lasse mich gegenwärtig diesbezüglich ausbilden.» Und schon ist wieder dieses verschmitzte Lächeln in seinem Gesicht.

Am Freitag, 7. Juli, wird Markus Strebel nach der Schlussfeier der Oberstufe in die Pension entlassen. Die Schulleitung freut sich, wenn sich möglichst viele Ehemalige und Bekannte um 17.15 Uhr auf dem oberen Pausenplatz einfinden. Für eine Überraschung ist sicher gesorgt.

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