Bremgarten
Kommissar Wanninger raubte Paul Steinmann den Schlaf

Der Autor aus Villmergen war am Sonntag Gast im Kellertheater Bremgarten. Seine «Morgengeschichten» sind jetzt wieder im Radio zu hören.

Jörg Baumann
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Der Autor Paul Steinmann bei seinem Auftritt im Kellertheater Bremgarten.

Der Autor Paul Steinmann bei seinem Auftritt im Kellertheater Bremgarten.

Der Fernsehkrimi «Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger» war in den Sechzigerjahren ein richtiger Strassenfeger. Dem jungen Paul Steinmann aus Villmergen raubte eine der vielen Folgen aber sogar den Schlaf, dies nachdem der Jugendliche einen Wanninger-Krimi am kleinen Schwarzweiss-Fernseher in Grossmutters Stube gesehen hatte.

Sein traumatisches Erlebnis mit Kommissar Wanninger erzählte der Freiämter Schriftsteller und Dramatiker gestern an der Sonntagsmatinée im Kellertheater Bremgarten – verpackt in einer der ungezählten «Morgengeschichten», die Steinmann in den letzten Jahren fürs Radio SRF 1 geschrieben hat.

Ein Meister der Miniaturen

Mit seinen «Morgengeschichten», die nächste Woche wieder am Radio zu hören sind, fand Steinmann eine Form, die ihm liegt: Die Form der Kurzgeschichte mit einem Schuss Humor, der manchmal ins Abgründige zielt. Menschliche Schicksale, die er auch von der heiteren Seite zu nehmen versteht – wie die Geschichte von den Weltverbesserern, die sich vornehmen, ohne Geld zu leben, oder wie jene Serienstory, in der sich Armin im Tösstal aufmacht, auf Schusters Rappen zu seiner Angebeteten Jolanda in den «Zigerschlitz» zu pilgern, wo er ihr endlich einen Heiratsantrag machen will.

Oder dann stellt Steinmann die nervöse Frau Tobler vor, die in einem Ratequiz per Zufall den Hauptpreis gewinnt, aber sich dann bei der Wahl des Preises derart vertut, dass sie sich mit einem Trostpreis zufriedengeben muss.

Es sind aber nicht nur die kleinen Zufallsgeschichten, die Steinmann faszinieren. Er wagt sich ständig auch an grosse Stoffe: So mit dem Drama «Polenliebchen», das gegenwärtig erfolgreich im Kellertheater Bremgarten aufgeführt wird, oder mit dem Zeitstück «Emmetfeld – Vom Müselifräuli und de Franzose», das der Tellspielverein Hägglingen in diesem Sommer zeigen wird.

Auf den Zweiten Villmerger Krieg anno 1712 schnitt Steinmann 2012 sein Freilichtstück «Mit Chrüüz und Fahne» zu – und erntete damit ebenfalls einen durchschlagenden Erfolg. Steinmann hält es mit der Devise, dass einer, der sich erinnern wolle, schreiben sollte. «Ich habe einen Geschichtenbaum, den ich gut pflege», sagte er.

Ein produktiver Autor

Steinmann studierte einst Theologie. Die Frage, ob er seinen Berufsweg in der katholischen Kirche fortsetzen wolle, entschied sich, als er als Theaterspieler bei der freien Theatergruppe M.A.R.I.A 1983 zum ersten Mal auf der Bühne stand – zuungunsten der Kirche. Die Schweizer Theaterszene gewann so einen unerhört produktiven Autor, der die populäre Sprache zwar liebt, aber nie seichte oder schlüpfrige Comedy-Töne anstimmen muss, um beim Publikum anzukommen.

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