Eggenwil
Kleine Brötchen haben doch nicht gereicht

Stimmberechtigte befanden 2013 ein Schulraumprojekt als zu gross, jetzt reicht der Platz nicht mehr.

Toni Widmer
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Schülerzahlen steigen weiter: Kaum saniert und ausgebaut, ist die Eggenwiler Schulanlage schon wieder zu klein. Toni Widmer

Schülerzahlen steigen weiter: Kaum saniert und ausgebaut, ist die Eggenwiler Schulanlage schon wieder zu klein. Toni Widmer

Toni Widmer

Eggenwil hat ein akutes Schulraumproblem. Das schreibt der Gemeinderat in einer Medienmitteilung. Die Meldung ist insofern brisant, als erst im Oktober 2015 – also erst vor knapp drei Jahren – der Abschluss einer Sanierung und Erweiterung der Schulanlage mit einem kleinen Fest gefeiert worden ist. Für dieses Projekt war 2013 ein Kredit von 2,69 Mio. Franken bewilligt worden, die Realisierung kostete 90 000 Franken oder 3,4 % weniger.

Erstes Projekt abgelehnt

Ursprünglich hatte der Gemeinderat damals ein Projekt für 3,8 Mio. Franken geplant. Vorgesehen war, damit die Raumbedürfnisse von Schulen und Vereinen auf Jahre hinaus zu sichern. Das Vorhaben war heiss umstritten und warf hohe Wellen. Schliesslich wurde der beantragte Kredit nach emotionalen Debatten sowohl an der Gemeindeversammlung im November 2012 als auch an der Referendumsabstimmung im März 2013 deutlich verworfen. Der Gemeinderat musste kleinere Brötchen backen und liess eine reduzierte Variante ausarbeiten. Beim neuen Projekt fehlte vor allem der geplante Gemeindesaal, mit dem man die permanente Platznot der Vereine hatte beheben und der Schule zusätzliche Möglichkeiten eröffnen wollen.

Abgeschmettert worden war das Projekt, weil die Gegner einerseits die Schulraumprognosen des Gemeinderates anzweifelten. Anderseits spielte der Steuerfuss eine entscheidende Rolle. Mit dem Projekt wäre eine Erhöhung um 6 % (von 98 auf 104 %) verknüpft gewesen. Wohl nicht zuletzt deshalb wurde das Vorhaben von den Gegnern als völlig überrissen bekämpft.

Gemeinderat hat Recht gehabt

Jetzt zeigt sich, dass der Gemeinderat 2012 mit seinen Prognosen keineswegs daneben gelegen ist. Er war im Herbst 2012, als die Schulraumerweiterung erstmals auf der politischen Agenda gestanden hat, von einem Anstieg von damals 51 Schülern auf 72 für das Schuljahr 2018/19 ausgegangen. Das ist exakt so eingetroffen.

«Bis zum Schuljahr 2024/25 rechnet der Gemeinderat mit einem kontinuierlichen weiteren Anstieg bis auf 104 Kinder, die vom ersten Kindergarten bis zur sechsten Klassen den Unterricht in Eggenwil besuchen werden», hält die Behörde in ihrer Mitteilung fest.

«Das heisst», schreibt sie weiter, «dass ab dem Schuljahr 20/21 ein Kindergarten und ab dem Schuljahr 22/23 zusätzlich ein Klassenzimmer fehlen.» Im Mai habe der Gemeinderat deshalb die Schulpflege beauftragt, eine erneute Raumanalyse mit Überprüfung der Nutzungs- und Belegungskonzepte vorzunehmen und denkbare Lösungsoptionen aufzuzeigen. Im Vordergrund, schreibt der Gemeinderat, stehe gegenwärtig der Umbau, respektive die Umnutzung von Lehrerzimmer und Werkraum bei gleichzeitiger Schaffung von vertretbaren Ersatzlösungen, eine weitere zeitliche und räumliche Schaffung der Stundenplanung, gegebenenfalls mit Ausweitung des Unterrichts auf den Freitagnachmittag, die Nutzung des Sitzungszimmers oder der bislang vermieteten Räume im Obergeschoss. In Erwägung gezogen wird daneben die Planung eines Schulcontainers als Provisorium. Erste Ergebnisse sollen im August vorliegen, damit allfällige damit verbundene Ausgaben für das nächste Jahr budgetiert werden können.

Die aktuelle Situation zeigt, dass die Eggenwiler mit ihrem Entscheid vor fünf Jahren offenbar am falschen Ort gespart, respektive nötige Ausgaben einfach auf später verschoben haben.

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