Im Schwalbennest schläft es sich gut

In Bettwil ist der über 300 Jahre alte ehemalige Pachthof des Klosters Hermetschwil zu einem historischen B&B umgebaut worden.

Marc Ribolla
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Das Büchler-Haus in Bettwil glänzt wieder nach der Restauration. Die Gastgeber Adele und Werner Keiser in einem der historischen Gästezimmer.
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Das Büchler-Haus in Bettwil glänzt wieder nach der Restauration. Die Gastgeber Adele und Werner Keiser in einem der historischen Gästezimmer.

Das Büchler-Haus in Bettwil glänzt wieder nach der Restauration. Die Gastgeber Adele und Werner Keiser in einem der historischen Gästezimmer.

Bilder: Marc Ribolla

Seit 310 Jahren markiert das Büchler-Haus, wie es seit etwa 1800 wegen der Besitzerfamilie Büchler genannt wird, einen Teil der Bettwiler Dorfgeschichte. Das steilgieblige Freiämterhaus, welches 1854 mit einem zweiten Wohnhausanbau erweitert wurde, hat über die Jahrhunderte einiges erlebt. Nun steht es wieder in voller Pracht da. Rund zweieinhalb Jahre Umbauzeit steckten die neuen Besitzer Werner und Adele Keiser in den ehemaligen Pachthof des Klosters Hermetschwil und machten aus ihm ein neues Bettwiler Bijou.

Sowohl aussen wie innen ist das Gebäude praktisch komplett überarbeitet worden. Das Projekt wurde auch eng vom kantonalen Denkmalschutz begleitet und dokumentiert. Entstanden ist ein schmuckes Gästehaus namens «Keiser’s Kammer» mit vier historischen Zimmern, einer heimeligen Wohnstube, einem mehrteiligen Gewölbekeller für Events, viel Umschwung und Adele Keisers Boutique «Arte&Tavola», die sie zuvor in Fahrwangen führte.

Farben gemischt wie vor 300 Jahren

«Beim Umbau haben wir sehr auf Nachhaltigkeit geachtet und nur Naturmaterialien verwendet. Die Stufen der neuen Aussentreppe sind beispielsweise die Platten der alten Seefeldbrücke in Meisterschwanden», sagt Adele Keiser. Ein Restaurator mischte die alten Farben der Fensterläden genau so her wie vor Jahrhunderten. Die Fassade wurde mit Hanf isoliert und mit Lehm verputzt, gearbeitet wurde mit Vollmassivholz aus der örtlichen Sägerei. Zig Wände wurden an andere Orte verschoben, Böden oder Decken gesenkt und angehoben, Fenster mit Butzenscheiben und Türen renoviert.

Alles aufzuzählen, was die Keisers im Haus veränderten, würde ein Buch füllen. Die Liebe zum Detail und das historische Flair spürt man aber sofort, wenn man über die Schwelle tritt. Werner Keiser hat alles Handwerkliche alleine erledigt, er schätzt seine Leistung seit 2017 auf gut 10000 Arbeitsstunden. «Man muss halt immer dran bleiben. Der Aufwand für das eindrückliche Projekt war sehr gross, aber es hat sich gelohnt. Der Enkel der Vorbesitzerin musste bei einem Besuch vor Freude weinen, weil es ihm so gut gefallen hat», sagt der Maschineningenieur.

Liebhaber mit einem Flair für Historie kommen im «Keiser’s Kammer» auf ihre Kosten. Jedes Zimmer ist von Adele Keiser exklusiv eingerichtet worden und hat auch moderne sanitäre Einrichtungen. Seit Mitte Juni ist das Gästehaus mit allen vier Zimmern offen und stösst bereits trotz Coronakrise auf viel Anklang.

Zielpublikum sind Ruhesuchende

«Wir sind mit der Belegung zufrieden, es läuft ganz gut», sagt Adele Keiser. Das Zielpublikum sind einerseits Ruhesuchende, die dem Alltagsstress in der Bettwiler Höhe entkommen wollen, aber auch Familien sind willkommen. Die meisten Gäste würden ein bis zwei Nächte bleiben. Die Zimmer verteilen sich über mehrere Etagen und tragen Namen wie Keiser’s Schwalbennest, Keiser’s Alkove oder Lilienzimmer. Begeistert vom neuen Ambiente sind auch ihre Kunden der «Arte&Tavola»-Boutique, die nun nach Bettwil kommen müssen. «Sie finden es hier oben sehr cool», sagt Adele Keiser.

Das Gesamtpaket des Bed & Breakfast und der Boutique werde sehr geschätzt. Genauso wie das kaiserliche Frühstück, das sie getreu ihrem Namen den Gästen am Morgen jeweils frisch auftischt, bevor sich diese zum Beispiel im Garten mit Lektüre entspannen können. Denn einen TV gibt es im ganzen Komplex keinen. Genauso halt wie vor 300 Jahren.