Freiamt
Hartes Pflaster: Von Kleinkunst allein kann man nicht leben

Kleinkünstler Philipp Galizia aus Muri hat erstmals eine CD mit dem Titel «Himmelbett» herausgegeben. Zusammen mit dem Komponisten und Musiker Roman Wyss erzählt er zwölf Geschichten, die fesseln und anrühren.

Eddy Schambron
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Philipp Galizia (vorne) bringt mit Musiker und Komponist Roman Wyss «Nachtschatte» auf die Bühne.

Philipp Galizia (vorne) bringt mit Musiker und Komponist Roman Wyss «Nachtschatte» auf die Bühne.

HO

Im Freiamt füllt er den Saal, ausserhalb bleibt ihm diese Anerkennung manchmal verwehrt, obwohl er ein schweizweit herausragender Kleinkünstler ist: Philipp Galizia aus Muri, Erzähler, Kontrabassist, Kabarettist, Sänger oder von allem etwas, hat neben seinem neuen Bühnenstück «Nachtschatte» erstmals eine CD mit dem Titel «Himmelbett» herausgegeben. Zusammen mit dem Komponisten und Musiker Roman Wyss erzählt er zwölf Geschichten, die fesseln und anrühren. «Himmelbett» sei nicht nur der Soundtrack zu seinem neuen Stück mit Wyss unter der Regie von Paul Steinmann, sagt Galizia. «Die CD ist zur Feier meines 50. Geburtstags dieses Jahr erschienen.» Sie soll auch dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad des Künstlers zu fördern, «zum Beispiel, indem sie hoffentlich am Radio gespielt wird».

Kleinkünstler finden in der Schweiz ein hartes Pflaster vor. «Ich habe im Durchschnitt etwa 80 Leute bei meinen Auftritten», sagt Galizia, «davon kann ich nicht leben». Er arbeitet deshalb auch als Gärtner und hat gegenwärtig noch ein Teilzeitengagement als Musiklehrer. Diese Situation frustriert ihn jedoch nicht. «Ich habe mich für diesen Weg entschieden und mich entsprechend eingerichtet», sagt Galizia. Er verbiegt sich nicht, um seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Er tut nicht Dinge, hinter denen er nicht stehen könnte, nur um in die Schlagzeilen zu kommen. Der Kleinkünstler will authentisch und ehrlich sein und bleiben.

So kommt auch sein neustes Produkt, seine erste CD, daher: Berührende und nachdenklich stimmende Texte, die wirkungsvoll getragen werden von der Musik von Roman Wyss, ein Gesamtergebnis mit «traurig-schönem Galizia-Humor», wie es der Künstler selber bezeichnet, das man nicht einfach nebenher hören kann, weil es aufwühlend und tröstend, antreibend und entspannend gleichzeitig ist. Beim Murianer sind Lachen und Weinen nahe beieinander. «Ich mag den magischen Moment, wenn sich das Lachen und das Weinen zuwinken», sagt der Künstler. Manche Lacher bleiben plötzlich im Hals stecken, weil man Doppeldeutigkeiten zu spät entdeckt. Ob «Gratis zum Mitnehmen» oder «Am Seil abelo», «Läufig», «Jakob Engel» oder andere Produktionen, Galizias Texte sind ganz nahe bei den Menschen angesiedelt, immer genau beobachtend, oft entlarvend, nie aber verletzend.

Galizia hat sich die CD sozusagen selber zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Die erste Idee kam im Tonstudio von Wyss im Zusammenhang mit dem neuen Programm «Nachtschatte» auf. «Ich sagte mehr zum Spass, wenn wir eine CD machen würden, dann könnte ich wenigstens die Lieder.» Am Schluss kamen Oli Hartung mit der Gitarre, Christian Brantschen mit dem Akkordeon und Andi Hug mit dem Schlagzeug dazu. «Es ist für mich eine Traumbesetzung», sagt der in Muri aufgewachsene und mit seiner Familie hier lebende Künstler, der die Kontrabass-Ausbildung bei Bruno Brandenberger genoss und seit 1986 in unterschiedlichen Formationen auf Kleinbühnen unterwegs ist.

Seine Kunst bezeichnet er als sein «Hobby, das auch noch etwas Geld bringt». Jetzt hofft er, dass es ihm mit der CD, die übrigens in einem Buchverlag, dem Knapp-Verlag in Olten, erschienen ist, gelingt, eine weitere Schiene zu fahren. Auch auf dieser Schiene wird er, der sein Potenzial und seine Vielseitigkeit schon mit dem Volksmusikunternehmen Familie Trüeb oder dem Pfannestil Chammer Sexdeet bewiesen hat, kaum von den leisen Antönungen und schon gar nicht von seinem Hang zum schwarzen Humor Abstand nehmen.

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