Mühlau
Freiämter Bauer stellt von Rinder- auf Kaninchenzucht um

Susanne und Roland Giger-Stalder haben ihren Bauernbetrieb in Mühlau neu ausgerichtet: Im alten Kuhstall und in einer neuen Halle tummeln sich mehrere tausend Kaninchen. Diese werden besser als im Ausland gehalten - auch wegen der Fleischqualität.

Eddy Schambron
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Adrienne (10), Susanne und Roland Giger freuen sich über die neue Halle und die Ausrichtung des Betriebes auf Kaninchenaufzucht und Mast.

Adrienne (10), Susanne und Roland Giger freuen sich über die neue Halle und die Ausrichtung des Betriebes auf Kaninchenaufzucht und Mast.

Eddy Schambron

Anstatt Rinder Kaninchen: In der neu gebauten Halle und im alten, umgebauten Kuhstall der Familie Roland und Susanne Giger-Stalder, Kestenberg, Mühlau, tummeln sich jetzt 400 Muttertiere und 3000 Mastkaninchen. «Wir wollten unseren Bauernbetrieb zukunftsgerichtet ausbauen», begründet das Ehepaar den Schritt.

Mit Kaninchen sind sie in einem Nischenmarkt, der Wachstum verspricht. Gigers haben mit Felix Näf, Geltwil, Inhaber der Kani Swiss GmbH, einen Abnahmevertrag für die schlachtreifen Kaninchen. Dessen Unternehmen beliefert unter anderem Coop mit Schweizer Kaninchenfleisch.

Ganz unerfahren waren die Gigers nicht, als sie sich entschlossen, ihren Betrieb komplett auf Kaninchen umzustellen. Schon seit 2011 hatten sie, neben dem Rinderbestand, 170 Zibben für die Aufzucht von Kaninchen auf dem Hof. «Diese Erfahrung kommt uns jetzt zugute», sagt Roland Giger. «Kaninchen sind anspruchsvolle Tiere, man muss ein Auge für sie haben und sich Zeit nehmen».

Im alten Kuhstall und in der neuen, rund 650 Quadratmeter grossen Halle haben die Tiere mit der Erfüllung der Normen der «besonders tierfreundlichen Stallhaltung» gute Lebensbedingungen. «Grosszügig Platz, Gruppenhaltung, immer mit Stroh und Heu eingestreute Flächen sind selbstverständlich.»

Für die Kaninchen pflanzt Giger extra Esparsetten an, eine Pflanze, die der Gesundheit der Tiere förderlich ist und von ihnen am liebsten gefressen wird. «Wir wollen unsere Tiere nicht so halten, wie es im Ausland üblich ist. Schweizer Kaninchenfleisch soll sich qualitativ deutlich abheben.»

Viel Heu

Die Kaninchen sind jetzt der Haupterwerbszweig der Gigers. Auf dem 16 Hektaren grossen Betrieb, davon 1,5 Hektaren ökologisch vernetzt, betreiben sie einerseits Ackerbau, andererseits Gras und Futteranbau für die Kaninchen, je etwa zur Hälfte. «Die Kaninchen fressen unheimlich viel Heu.» Das sollen sie auch, um innert nützlicher Frist zum Schlachtgewicht zu kommen. Dann werden sie in die Metzgerei von Felix Näf in Geltwil/Isenbergschwil gefahren.

«Kaninchenfleisch ist fett- und cholesterinarm und eisweissreich», unterstreicht Susanne Giger, «es ist ein gesundes Nahrungsmittel.» Auch ihr Mann ist überzeugt, die richtigen Investitionen getätigt zu haben: «Mit der Umstellung muss ich nicht mehr auswärts arbeiten gehen und es ist anzunehmen, dass die Nachfrage nach Kaninchenfleisch zunehmen wird.

Grosse Nachfrage

Zu Ostern jedenfalls ist die Nachfrage besonders gross. Konkret verkaufen Rosmarie und Felix Näf über ihre Kani Swiss GmbH in der Osterwoche rund 5000 Kaninchen. «Das ist die doppelte Menge wie sonst in einer Woche», sagt Näf. Gegenwärtig sieht er sich wegen des Frankenkurses mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert. «Ausländisches Kaninchenfleisch, ohnehin schon wesentlich günstiger als schweizerisches, ist jetzt nochmals rund 15 Prozent günstiger geworden.»

Trotzdem ist Näf zuversichtlich, dass die Kundinnen und Kunden hohe Qualität zu schätzen wissen: «Wir müssen aber mehr arbeiten und noch stärker darauf aufmerksam machen, dass Schweizer Kaninchenfleisch seinen Preis wert ist, weil bei uns die Kaninchen tiergerecht gehalten werden.» Zudem gelte es, den Konsumentinnen und Konsumenten aufzuzeigen, dass Kaninchenfleisch nicht nur gesund ist, sondern sich zum Beispiel auch für den Grill hervorragend eignet.

«In der kommenden Grillsaison sollte auf keinem Grill Kaninchenfleisch fehlen», lacht er.

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