Zugverbindungen
Freiamt soll ein neues Tor zum Süden erhalten

Einige Interessengruppen möchten das Oberfreiamt über den Bahnhof Rotkreuz besser vernetzen.

Dominic Kobelt
Drucken
Teilen
Von Muri nach Bellinzona in 1 Stunde und 31 Minuten, das ist in zwei Jahren möglich, dank Anschluss in Rotkreuz.

Von Muri nach Bellinzona in 1 Stunde und 31 Minuten, das ist in zwei Jahren möglich, dank Anschluss in Rotkreuz.

kob

«Das Freiamt soll ein Tor zum Süden bekommen», sagt Fredy Zobrist, Leiter der öV-Gruppe Freiamt. Das Ziel einer besseren Anbindung an die Neat verfolgt der Verein, zusammen mit anderen Institutionen, schon seit Jahren. Bis jetzt mit mässigem Erfolg; nun folgt ein weiterer Dämpfer: Die Metron AG, spezialisiert auf Verkehrsplanung, hat eine Potenzialabklärung vorgenommen, die ergab, dass ein geringes Aufkommen vom Aargau Richtung Neat und Innerschweiz zu erwarten sei.

Ziel im Richtplan

Damit ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Im Juni 2012 hat der Grossrat, trotz ablehnender Haltung des Regierungsrates, einen Vorstoss von Matthias Jauslin (FDP, Wohlen) und Herbert Strebel (CVP, Muri) überwiesen, der eine schnelle Anbindung des Freiamts an die Neat-Linie ab 2016 fordert – das Ziel muss somit weiterverfolgt werden.

Nach dem Befund der Metron AG, dass für Fahrten von Aarau zum Neat-Anschluss in Arth-Goldau nur ein geringes Potenzial besteht, wird der Bahnhof Rotkreuz noch wichtiger für das Freiamt. In Rotkreuz laufen Anstrengungen, die «öV-Drehscheibe» weiter auszubauen. Mit einem entsprechenden Regionalzug nach Rotkreuz hätten Sins, Muri, Boswil, Wohlen und Dottikon einen direkteren Anschluss ins Tessin.

Dass der Bedarf besteht, können die Freiämter in zwei Jahren unter Beweis stellen. «Im Dezember 2016 bis im Sommer 2018 öffnet sich das Tor zum Süden», erklärt Zobrist. Grund sind die Sanierung und der Ausbau der Gleise zwischen Zug über Walchwil bis Arth-Goldau. Die Fernverkehrszüge von Zürich nach Arth-Goldau und weiter Richtung Neat verkehren dann über Rotkreuz. Damit hat man in Rotkreuz nach wenigen Minuten Anschluss. Zobrist rechnet vor: «Bei einer Abfahrt um 9.19 Uhr in Muri ist man mit nur einmal Umsteigen in Rotkreuz schon um 10.50 Uhr in Bellinzona.» Nach der Sanierung schliesst sich das Tor leider wieder.

Petition für «Drehscheibe»

Dass die Verbindungen des Bahnhofs Rotkreuz weiter ausgebaut werden, dafür setzt sich der Verein Wirtschaftsregion Zugwest ein. Mitte Dezember wird er eine Petition, die mittlerweile schon von weit über 1000 Personen unterstützt wird, beim Kanton Zug einreichen. Eine von vier Forderungen ist die Anbindung Aarau/Freiamt an Rotkreuz. Dies sei auch im Interesse von Zugwest, erläutert Ivo Krummenacher, Mitglied der Regionalkommission: «Einerseits, um den Pendlerverkehr für Arbeitskräfte regionaler Unternehmen zu verbessern, andererseits bringt eine direkte Bahnverbindung von Rotkreuz über Arth-Goldau in den Süden Vorteile für den Freizeitverkehr.» Weitere Forderungen der Petition sind ein halbstündlicher Interregio-Halt und eine zusätzliche halbstündige Regio Express-Verbindung in Rotkreuz der Linie Luzern-Zug-Zürich und der Ausbau der Infrastruktur der Bahnhöfe Rotkreuz und Cham. Dass keine Nachfrage nach besseren Verbindungen in den Süden besteht, bezweifelt Krummenacher: «Wenn das Angebot erst da ist, kommt auch die Nachfrage.»

«Wir sind sehr daran interessiert, dass die ‹Drehscheibe Rotkreuz› weiter ausgebaut wird», bestätigt Josef Nogara, Leiter der Geschäftsstelle des Regionalplanungsverbands Oberes Freiamt. Er sieht darin die Chance, dem zunehmenden Individualverkehr entgegenzutreten. «Wir müssen dem öV einen Anschub geben, damit weniger Leute mit dem Auto zur Arbeit fahren.»

Aktuelle Nachrichten