Fischbach-Göslikon
Weshalb eine Grossüberbauung mit 165 Wohnungen bei den Alteingesessenen für Skepsis sorgt

In Fischbach-Göslikon entsteht bis ins Jahr 2031 ein neues Quartier mit insgesamt 165 Wohneinheiten. Die Baubewilligung für die erste Bauphase des Projektes Widacher wurde kürzlich erteilt. Das Bauvorhaben wird im Dorf mit Skepsis betrachtet.

Nathalie Wolgensinger
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Eine Illustration der geplanten Überbauung Widacher in Fischbach-Göslikon, im Hintergrund rechts sieht man die alte Post.

Eine Illustration der geplanten Überbauung Widacher in Fischbach-Göslikon, im Hintergrund rechts sieht man die alte Post.

Visualisierung: zvg

Die Zahlen sind eindrücklich: Bis ins Jahr 2031 sollen im Gebiet Widacher – zwischen der Bremgarter- und Langfohrenstrasse gelegen – zehn Mehrfamilienhäuser und 46 Reihen- und Einfamilienhäuser mit total 165 Wohneinheiten realisiert werden.

Auf dem ehemaligen Beerli-Areal in Fischbach-Göslikon, wo einst Holzwaren produziert wurden, wird Wohnraum entstehen. Der entsprechende Gestaltungsplan für die Spezialzone besteht seit zwei Jahren. Hinter dem Projekt steht die Steiner AG aus Zürich.

Kürzlich wurde die Baubewilligung für die erste Etappe des Projektes erteilt. Während der ersten Bauphase ab Sommer 2022 werden 16 Reiheneinfamilienhäuser sowie 42 Wohnungen realisiert. Letztere verteilen sich auf drei Mehrfamilienhäuser sowie ein bestehendes denkmalgeschütztes Gebäude.

Gemeindeammann Hans Peter Flückiger sagt: «In einer ersten Phase werden nun die Mieter das Areal räumen müssen. Zudem werden die Werkleitungen der Langfohrenstrasse erneuert und die Strasse mit einem Trottoir ergänzt.»

Das «generationenübergreifende Wohnprojekt» stösst auf Skepsis

Die Grossüberbauung, die laut Unternehmer ein generationenübergreifendes Wohnprojekt wird, stösst in Fischbach-Göslikon auf breite Skepsis. Flückiger erzählt:

«Ich wurde in den letzten Tagen oft auf das Projekt angesprochen. Viele Einwohner wollen wissen, ob man damit gute Steuerzahler anlockt. Dazu kann ich derzeit aber wirklich keine Prognose stellen.»

Die Gemeinde zählt aktuell 1650 Einwohner und verfügt mit 99 Prozent über einen vergleichsweise tiefen Steuerfuss. Ob dies so bleibt, dazu kann heute noch niemand eine verlässliche Aussage machen.

Die alte Scheune bleibt erhalten und wird zum Gemeinschaftszentrum für die Bewohner der Überbauung umfunktioniert.

Die alte Scheune bleibt erhalten und wird zum Gemeinschaftszentrum für die Bewohner der Überbauung umfunktioniert.

Visualisierung: zvg

Ebenso unklar ist, wie sich die Neuzuzüger in das Dorfleben integrieren werden. Flückiger sagt: «Diese Frage treibt viele um. Es wird befürchtet, dass die Neuzuzüger kein Interesse am Vereinsleben haben und den Vereinen der Nachwuchs ausgehen könnte.»

Die Bauherren legen Wert auf viel Grünflächen

Fest steht, dass Fischbach-Göslikon mittlerweile zum Metropolraum Zürich gehört und damit eine Gemeinde an attraktiver Wohnlage ist. Vor dieser Entwicklung könne man sich nicht verschliessen, so Flückiger. Er sei gespannt, wer nach Fischbach-Göslikon ziehen werde. Dass das Dorf nicht auf einen Schlag anwächst, dafür sorgt die Aufteilung der Bauarbeiten in drei Etappen. Mit der Fertigstellung rechnet man im Jahr 2031.

In die Planung sind auch die beiden denkmalgeschützten Bauten Alte Post und Scheune eingebunden, die die Überbauung von der Hauptstrasse abgrenzen. Das neue Quartier ist architektonisch abwechslungsreich gestaltet und soll in jenem Bereich auch Dorfplatzcharakter mit Begegnungszone haben.

Gemäss Beschrieb ist der Wohnraum für junge Menschen, Singles, Paare, junge Familien, aber auch für ältere Menschen gedacht. Zudem legen die Bauherren Wert auf einen hohen Grünflächenanteil mit vielen Spielflächen.

Eine Kindertagesstätte im Quartier ist geplant

Die Architekten der zukünftigen Widacher-Überbauung sind die Graf Biscioni Architekten aus Winterthur, die unter anderem den Neubau mit Hotel und Wohnbereich beim Trafo in Baden realisiert haben. Inhaber Roger Biscioni kommentiert das in einem Video auf der entsprechenden Website: «Wir haben in Fischbach ein sehr vielseitiges Wohnungsangebot. Wir planen 21⁄2- bis 51⁄2-Zimmer-Wohnungen und Reiheneinfamilienhäuser. Jede einzelne Zelle ist sehr flexibel und funktional entworfen. Es arbeitet sich jeder Raum in die Natur, die dort vorherrscht, ein. Das war ein wichtiges Entwurfsmerkmal für unsere Siedlung.»

Biscioni streicht ebenfalls die historische Bedeutung der Alten Post und der Scheune und ihre zukünftige Nutzung hervor. «In der Scheune sollen im Erdgeschoss eine Kindertagesstätte entstehen sowie eine Werkstatt. Der Mehrzweckraum im Obergeschoss kann man für Partys oder Geburtstage nutzen oder auch für Homeoffice. Die Post soll ein Bijou mit drei Altbauwohnungen werden», sagt der Architekt.

Informationen zur Überbauung gibt es auf www.widacher-quartier.ch

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