Fiese Masche
Firma will Gemeinden mit falschen Toner-Rechnungen abzocken

Gleich drei Rechnungen für Druckertoner, den sie weder bestellt noch erhalten hat, sind seit August bei der Gemeinde Kallern eingegangen. Nun ist klar: der Absender, die Firma Office Service Discount aus Lausen BL, versucht so Gemeinden abzuzocken.

Fabian Hägler
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Druckertoner-Abzocke

Druckertoner-Abzocke

Keystone
Das ist eine der drei falschen Rechnungen, welche die Gemeinde Kallern erhalten hat.

Das ist eine der drei falschen Rechnungen, welche die Gemeinde Kallern erhalten hat.

zvg

Gemeindeammann Claudia Hoffmann nervt sich über die fingierten Rechnungen von fast 13 000 Franken für angeblich gelieferte Druckertoner: «Das ist in der Tat eine Drecksmasche. Nicht nur, dass wir auf der Gemeindekanzlei mit solchen Rechnungen beglückt wurden, nein – auch unser Schulsekretariat», schreibt sie auf Facebook.

Gemeindeschreiberin Cécile Banz kamen die Rechnungen komisch vor. Sie versuchte telefonisch, bei der Firma nachzufragen und teilte Office Service Discount per Mail mit, dass Kallern bei ihr kein Material bestellt habe. «Leider nahm nie jemand das Telefon ab und auch auf das Mail kam keine Rückmeldung», hielt Banz am Montag in einem Mail an alle Aargauer Gemeinden fest. Kallern warnt darin vor den fingierten Rechnungen: «Wir haben heute – durch die Kantonspolizei Muri – herausgefunden, dass dies tatsächlich alles Fake-Rechnungen sind.»

Warnung an andere Gemeinden

Banz geht davon aus, dass das System der Firma bei grösseren Gemeinden funktionieren könnte. «Uns als Kleingemeinde ist es vor allem wegen des hohen Rechnungsbetrages negativ aufgefallen», schreibt die Gemeindeschreiberin weiter. Auch Gemeindeammann Claudia Hoffmann warnt zur Vorsicht: «Da der Betrag meist nicht sehr gross ist und die Rechnung plausibel erscheint, sind grössere Institutionen vielleicht eher versucht, zu zahlen.»

Kallern hat nicht bezahlt, sondern sich beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) über die Methoden der Firma beschwert. Dort ist Office Service Discount bekannt, wie eine wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem E-Mail an die Gemeinde festhält. «Das Unternehmen hat mit dem Verschicken von unbegründeten Rechnungen in den letzten Wochen eine Menge Leute verärgert. Gut, dass Sie von vorneherein bemerkt haben, dass mit den Rechnungen etwas faul sein muss und diese nicht bezahlt haben.»

Anzeige gegen Firma hängig

Das Seco rät betroffenen Gemeinden oder Firmen, die Rechnung nicht zu bezahlen. Zudem sollten sie die Office Services Discount anschreiben und darauf hinweisen, dass keine Bestellung gemacht worden sei und die Rechnung deshalb auch nicht bezahlt werde. Wie das Seco der Gemeinde Kallern in einem E-Mail schreibt, sei es «jedoch gut möglich, dass weitere Mahnungen folgen werden».

Darauf müsse die Kanzlei aber nicht reagieren, denn das Seco habe «bereits Mitte September einen Strafantrag eingereicht». Dieser sie bei der Staatsanwaltschaft Liestal hängig, die Ermittlungen seien im Gang.

Bei der Office Service Discount GmbH war telefonisch am Montag niemand erreichbar. Auf eine Mail-Anfrage antwortete Geschäftsführer Patrick Tschopp, mit Verweis auf die Gemeinde Kallern: «Wie bereits telefonisch von unserem Verkaufsberater mitgeteilt, wurde die Bestellung gelöscht. Zudem haben wir Sie aus unser Datenbank gelöscht.»

Zum konkreten Vorwurf, die Firma wolle mit fingierten Rechnungen Gemeinden abzocken, nahm Tschopp keine Stellung. Auch zum laufenden Ermittlungsverfahren wollte der Geschäftsführer keine Auskunft geben. «Wir sind eine Rechnungsstelle im Bereich Büro & Hygiene Artikel», teilte er lediglich mit.

Noch zwei Gemeinden betroffen

Die Kallerer Gemeindeschreiberin Cécile Banz betont: «Von unserer Gemeinde hat niemand bei dieser Firma eine Bestellung aufgegeben, es ist mir völlig schleierhaft, wie wir in eine Datenbank gelangt sein sollen.» Laut Banz sind aber auch mindestens zwei weitere Gemeinden im Aargau betroffen: «Kollegen aus Kirchleerau und Islisberg haben mir heute geschrieben, dass sie auch fingierte Rechnungen der Firma erhalten haben.»

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