Wohlen
Erfolgsgeschichte Samichlaus geht in die Zukunft – ein neuer Verein solls richten

Der Brauch des St. Nikolaus soll längerfristig bestehen, denn er ist gefragter denn je. Am imposanten Chlausauszug aus der katholischen Pfarrkirche nehmen jeweils bis zu 3000 Schaulustige teil. Darum wird jetzt ein Verein gegründet.

Ruedi Burkart
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Rolf Wüst ist auch im Sommer im Chlausbüro auf Draht. Ruedi Burkart

Rolf Wüst ist auch im Sommer im Chlausbüro auf Draht. Ruedi Burkart

Ruedi Burkard

Der Wohler St. Nikolaus ist eine Erfolgsgeschichte. 1941 während der Wirren des Zweiten Weltkriegs von dem damaligen Pfarrhelfer Andreas Hofer gegründet, rettete sich der Brauch nicht nur hinüber ins Computerzeitalter. Er ist, vier Jahre vor dem 80-Jahr-Jubiläum, gefragter denn je.

Am imposanten Chlausauszug aus der katholischen Pfarrkirche nehmen bis zu 3000 Schaulustige teil. Zudem besuchen der Gütige und seine Schmutzli jeden Winter über 200 Familien. Diese Beliebtheit hat Rolf Wüst (64), ehemals Oberschmutzli und seit 1978 «Chlausvater», dazu bewogen, den Verein «Freunde des St. Nikolaus Wohlen» aus der Taufe zu heben. Die Gründungsversammlung findet am Sonntag, 25. Juni, im Chappelehofsaal statt.

Entlastung für den «Chlausvater»

Rund 400 Einladungen zur Gründungsversammlung hat Wüst in den letzten Wochen verschickt. «Ich habe die Kuverts eigenhändig zugeklebt und mit einer Briefmarke frankiert», schmunzelt er. Dieses moderne Zeug mit den Frankiermaschinen, das passe ihm nicht, sagt er.

Und die Einladungen per E-Mail versenden, das gehe schon gar nicht. «Es gibt Traditionen, die man einhalten muss.» Eine solche ist die St.-Nikolaus-Aktion in Wohlen. Wüst hält seit knapp vier Jahrzehnten die Fäden in der Hand. Mit der Zeit nahm ihn die immense Verantwortung immer stärker in Beschlag. «Der Laden mit den rund 120 Leuten muss auch dann laufen, wenn mal jemand ausfällt», sagt er nur.

Was also tun, um das Brauchtum langfristig zu bewahren? «Wir haben uns entschieden, einen Verein der «Freunde des St. Nikolaus Wohlen» zu gründen. Ziel ist es, breitere Strukturen einzuführen und die Qualität aufrecht zu erhalten.» Mit einem noch zu bildenden Vorstand, mit Statuten, die erst als Entwurf existieren.

Die Konsequenz aus der Gründung des neuen Vereins: Die ganze Chlausaktion wird aus der Organisation der Jungwacht Wohlen losgelöst und eigenständig. Dass Wüst am 25. Juni den Bettel hinschmeisst und dem neuen Vorstand den Rücken kehrt, ist unwahrscheinlich. «Bis das neue Konstrukt richtig läuft, braucht es vier, fünf Jahre. Solange bin ich sicher dabei. Wenn es mich braucht.»

Mädchen als weibliche Schmutzli

Jedes Jahr stehen für den St. Nikolaus zehn Chlausgruppen mit rund 100 Jugendlichen im Einsatz. Da der Bestand an Jungwächtlern immer weiter schwindet, muss der St. Nikolaus seine Gehilfen auch anderweitig rekrutieren.

Etwas, was vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre, scheint sich zu konkretisieren: Blauring-Leiterinnen als Schmutzli. «Die stehen schon in den Startlöchern», schmunzelt Wüst. Es ist klar: Das erste Blauringmädchen, das sein Gesicht für die Verwandlung zum weiblichen Schmutzli schwärzt, wird in die Geschichte des Dorfes eingehen.

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