Wohlen
Drei Dirigenten in dreieinhalb Jahrzehnten

Der Wohler Projektchor Pro Musica Vocale feiert dieses Wochenende seinen 35. Geburtstag mit viel Liebe, Mundarttexten und Fidirallalla.

Andrea Weibel
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Andrea Weibel

Bach ist tabu. Mindestens für die nächsten Jahre. Nicht etwa, weil der Chor Pro Musica Vocale den berühmten Komponisten nicht singen könnte oder ihn nicht mag. Im Gegenteil, der Chor ist bekannt dafür, dass er von Barock bis Jazz alles meistert. Aber jedes Mal in der Chorgeschichte, wenn sie ein grösseres Werk von Bach aufgeführt haben, war das – ohne Absprache – auch das Abschiedskonzert des jeweiligen Dirigenten. In den 35 Jahren von PMV, wie sie sich nennen, wurde zweimal Bach gespielt. Einmal das Weihnachtsoratorium, als der Chorgründer René Koch aufhörte. Das zweite Mal, 16 Jahre später, die h-Moll-Messe, als Pirmin Lang seinen Rücktritt bekannt gab. Seither schwingt der Engländer Andrew Dunscombe den Taktstock bei PMV. Anstelle von Bach lernt er auf das Geburtstagskonzert des Vereins für einmal Schweizerdeutsch.

Der verliebte Dirigent und sein Rösly

René Kochs Vater war passionierter Blasmusiker. «Weil wir über dem Probelokal in der alten Schule Waltenschwil wohnten, bin ich oben immer mitmarschiert, wenn sie unten einen Marsch spielten», erinnert er sich lachend. So kam der Dirigent und heutige Dozent für Solo-Gesang und Stimme an der Fachhochschule in Brugg zur Musik. «1982 studierte ich an der Luzerner Akademie für Schul- und Kirchenmusik. Meine spätere Frau kam damals aus dem Kindergarten-Seminar und fand mit einigen Freundinnen, sie würden gerne in einem Chor singen.» Was tut ein verliebter Dirigent in solchen Fällen? Natürlich: Er gründet einen Chor. Dies geschah im «legendären Löwen-Säli» in Boswil. «Die zwölf Mitglieder trommelten wir aus unserem Freundeskreis zusammen. Einen Sänger kannte ich von der Schule und habe ihn auf dem Weg im Zug angesprochen. Er war gleich dabei.» Drei der Gründungsmitglieder singen noch heute im Chor, darunter jene Dame, wegen der der Chor – dies ist reine Spekulation – damals gegründet wurde: René Kochs Ehefrau Rösly.

Schon damals wurde nur alle zwei Wochen geprobt, eines der Erfolgsrezepte des Chors. «Es gab damals viele Chöre, man glaubte nicht, dass wir überleben würden. Aber 35 Jahre später gibt es uns immer noch», freut sich Koch. Damals mussten sie um Probelokale kämpfen. «Der Rektor der Berufsschule Wohlen war ein Freund von mir und gab uns ein Schulzimmer zum Proben.» Heute übt der Chor vor allem in der Aula der Kanti.

Der Chor mit den Mohrenköpfen

Nach zehn Jahren wollte sich René Koch umorientieren und solierte in einem Chor, der von Pirmin Lang geleitet wurde. «Ich wusste damals gar nicht, wo Wohlen ist», lacht Lang. Bald aber übernahm er PMV – neben den drei anderen Chören, die er damals leitete. Dass ihn der Chor gern hatte, merkte vor allem der heutige Dirigent, Andrew Dunscombe: «In meiner ersten Zeit sagten die Sängerinnen ständig: ‹Aber Pirmin hat das anders gemacht.›», berichtet er grinsend. Pirmin Lang leitete den Chor 16 Jahre lang. «Dann war es an der Zeit, frischen Wind hineinzubringen.» Er sprach Dunscombe beim Kaffee im Lehrerzimmer der Musikhochschule Luzern, wo beide arbeiten, darauf an. Der war interessiert und der Chor entschied sich für den Engländer. Auch er führte die Tradition weiter, dass von Barock bis Jazz alles Platz hat. Und selbst gemeinsame Konzerte mit Rapper Greis organisierte er. Lang beginnt zu lachen: «Solisten und andere Musiker spielen immer sehr gern mit PMV zusammen. Schon auch wegen der Musik, aber vor allem, weil es in den Pausen immer Dubler Mohrenköpfe gibt.»

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