Berikon
Diese spezielle Messstation schlägt bei Glatteis automatisch Alarm

Die Gemeinde Berikon hat an der steilen Friedlisbergstrasse beim Hotel Stalden ein System installiert, das die Werkhofequipe bei Glatteisgefahr informiert.

Marc Ribolla
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Zwei Bodensensoren und eine Messstation am Strassenrand sammeln Wetterdaten an der Friedlisbergstrasse beim Hotel Stalden in Berikon.

Zwei Bodensensoren und eine Messstation am Strassenrand sammeln Wetterdaten an der Friedlisbergstrasse beim Hotel Stalden in Berikon.

Marc Ribolla

Eine rasante Talfahrt auf einer schön gespurten, leicht vereisten Piste macht im Normalfall Spass. Blöd nur, wenn man dabei am Steuer eines Fahrzeugs sitzt und der Grund dafür plötzlich auftretendes Glatteis ist. Wie es zum Beispiel an der rund sechs Grad steilen Friedlisbergstrasse in Berikon oft vorkommt.

Aus diesem Grund hat die Gemeinde dort beim Hotel und Restaurant Stalden vor wenigen Wochen ein Glatteis-Frühwarnsystem eingerichtet. Remo Graf, Leiter des Bauamts, sagt:

Meines Wissens sind wir die einzige Gemeinde, die dies hat. Es gibt sicher solche, die uns nun deswegen belächeln».

An den Aargauer Kantonsstrassen sind aber schon 13 ähnliche Systeme installiert, beispielsweise an der Staffelegg oder am Bözberg.

Daten sind via App für die Mitarbeiter abrufbar

Die Beriker Station besteht aus zwei Bodensensoren, die unter anderem die Wasserfilmdicke, die Bodentemperatur und den schon vorhandenen Salzgehalt messen. Hinzu kommen Fühler erhöht neben der Strasse, die die Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, den aktuellen Niederschlag, den Luftdruck oder die Sichtweite registrieren.

Die beiden Bodensensoren liegen rund einen Meter auseinander.

Die beiden Bodensensoren liegen rund einen Meter auseinander.

Marc Ribolla

Die Werte werden alle sechs Minuten aktualisiert und vor Ort in einer elektronischen Einheit gespeichert. Die Daten sind via App für die Werkhofmitarbeiter abrufbar. Je nach Wetterwerte gibt es drei Alarmtypen, die ausgelöst werden und allenfalls ein Eingreifen nötig machen.

Die automatischen Alarme treffen via SMS oder E-Mail ein. Die Werkhofmitarbeiter wechseln sich täglich mit dem Winterdienst ab. «Der Diensthabende steht jeweils um 3.30 Uhr auf und kontrolliert auf der App, ob eine Warnung eingegangen ist oder wie sich die Datenlage präsentiert. Dann entscheidet er, ob etwas unternommen werden muss, beispielsweise ein Salzeinsatz angebracht ist», sagt Graf.

Weshalb hat sich Berikon für eine solche Glatteiswarnanlage entschieden? Bauamt-Leiter Graf erläutert:

Die Digitalisierung ist in unserer Gemeinde einerseits schon länger Thema. Andererseits haben wir wegen der erhöhten Lage oft Glatteisprobleme bei Bisenlage.

Die Station an der Friedlisbergstrasse sei quasi ein Pilotprojekt an einer neuralgischen Stelle. «Um die ganze Gemeinde abzudecken, wären etwa vier bis fünf solcher Systeme nötig», erklärt Graf. In Frage kämen zum Beispiel die Strassen beim Bahnhof oder der Schule.

Zusätzliche Kamera aus Datenschutzgründen nicht möglich

Berikon hat die Anlage gemietet, die jährlichen Kosten betragen 5000 Franken. «Wir haben bereits deutlich profitieren können. Früher mussten wir jeweils bei Glatteisgefahr im ganzen Dorf frühmorgens auf Kontrollfahrt gehen. Das fällt nun praktisch weg. Wenn die Anlage beim Stalden alarmiert, dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit das ganze Dorf betroffen sein», sagt Graf.

Noch perfekter wäre es, wenn das System mit einer Kamera ausgestattet wäre, wie an den Autobahnen oder Kantonsstrassen. «Doch das ist aus Datenschutzgründen hier nicht möglich», so Graf.

Und eines ist trotz allen technischen Hilfsmittel ebenso klar: Am Schluss muss noch immer der Mensch entscheiden, wann und wo gesalzen werden muss. Damit die Autofahrer keine glatte Rutschpartie erleben.

Remo Graf, Leiter Bauamt Berikon, bei der automatischen Winterdienst-Frünwarnanlage.

Remo Graf, Leiter Bauamt Berikon, bei der automatischen Winterdienst-Frünwarnanlage.

Marc Ribolla

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