Uezwil
Der König ist gesund – die Schule auch

Alle Schulen machen derzeit ihre Schlussfeiern – die az hat eine der kleinsten besucht und nachgefragt.

Andrea Weibel
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Die Frühlingskönigin hilft dem kranken König mit ihren Blumenkindern – eine gelungene Schlussfeier in Uezwil. Andrea Weibel

Die Frühlingskönigin hilft dem kranken König mit ihren Blumenkindern – eine gelungene Schlussfeier in Uezwil. Andrea Weibel

Andrea Weibel

Oje, der König ist krank! Im Winter will er im Teich baden, im Sommer das Schloss heizen, am Morgen ein Fünf-Gänge-Menü, zur Mittagszeit geht er schlafen und abends will er sein Land regieren. Was fehlt ihm bloss? «Sie haben eine seltene und schlimme Krankheit», attestiert ihm die kleine Frau Doktor. «Sie haben die Zeit vergessen.»

So beginnt das Theater um den König, der die Zeit vergessen hatte, gespielt von 30 Schülerinnen und Schülern der Schule Uezwil. An ihrer eigenen Schule hat man jedoch alles andere als die Zeit vergessen. Im Gegenteil: Teilweise aus pädagogischen, hauptsächlich aber aus organisatorischen Gründen lehrt und lernt man hier in einer Form, die grössere Schulen derzeit als fortschrittlich wieder einführen. Die Schulform heisst ADL, also altersdurchmischtes Lernen. «Der Vorteil davon ist, dass die älteren Schüler mehr Rücksicht auf die jüngeren nehmen müssen und ihnen auch mal bei Fragen helfen. Die Kleinen hingegen lernen von ihren grossen Vorbildern», erklärt Schulleiter Daniel Wieser.

Modernes Schulsystem

Die Schule im 461-Seelen-Dorf Uezwil gehört zu den kleinsten der Region. Dennoch hat sie nicht mit zu wenig Schülern zu kämpfen, wie man denken könnte. Vor einigen Jahren sah das anders aus. Der Schulleiter erinnert sich: «Vor drei, vier Jahren brauchten wir noch eine Spezialbewilligung vom Kanton, damals hatten wir wirklich eine Talsohle erreicht, was die Schülerzahlen betraf.» Eine Gesamtschule, also eine Schule, in der alle Klassen von der ersten bis zur sechsten gemeinsam unterrichtet werden, braucht mindestens 15 Schüler. «So wenige waren wir nie, unser Bestehen stand nie infrage», beruhigt er. «Jedoch war es immer unser Ziel, in zwei Abteilungen zu arbeiten, damit die erste bis dritte Klasse und die vierte bis sechste jeweils ein Schulzimmer teilen.» Die Obergrenze pro Abteilung sind 25 Schüler. Für zwei Abteilungen braucht es aber mindestens 24. «Wir lagen damals knapp unter 24 Schülern. Hätten wir aber auf eine Gesamtschule umstellen müssen, wären uns viele Stunden, Schulsozialarbeiter- und andere zusätzliche Pensen gekürzt worden, die besonders die Lehrer stark entlasten.» Also durften sie weiter in zwei Abteilungen unterrichten.

Mittlerweile ist die Talsohle mehr als überwunden. «Unterdessen haben wir das gegenteilige Problem», so Wieser, der seit acht Jahren die Schule Uezwil in einem 20-Prozent-Pensum führt. «Die neuen Jahrgänge sind so kinderreich, dass wir langsam an die räumlichen Grenzen stossen.» Die diesjährige erste Klasse zählt zehn Schüler, die nächstjährige neun. «Nächstes Jahr werden allein die Erst- bis Drittklässler 24 Schüler zählen, das ist Rekord.» Die Schule wird dann total 35 Schüler unterrichten. Mit den voraussichtlichen neuen Zahlen, die man von den Geburten im Dorf ableitet, könnten es 2019 bereits 43 Schülerinnen und Schüler sein. «Dann müssten wir auf jeden Fall drei Abteilungen machen. Durch das vor zwei Jahren neu erstellte dritte Schulzimmer wäre das sicher möglich, nur hätten wir dann für Spezialstunden kaum mehr Ausweichmöglichkeiten.» Nach seinen Schätzungen könnten bis zu 50 Schüler aufgenommen werden, «danach müssten wir über die Bücher. Wir sind froh, dass der Gemeinderat uns sehr wohlgesinnt ist. Ich bin mir sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden», ist Wieser überzeugt. Doch das sei Zukunftsmusik.

Der König ist wieder gesund

Unterdessen hat der König im Abschlussstück seine vier Kinder in alle Himmelsrichtungen ausgeschickt, um ihm die Zeit zurückzubringen. Bei Winter-, Frühlings-, Sommer- und Herbstkönigen erhalten sie Hilfe und kommen mit vielen Geschenken zum König zurück. Und als ihn die Eiszapfen des Winters zum frieren bringen, er die Sonnenstrahlen des Sommers auf der Haut spürt und Schmetterlinge und Obst aus Frühling und Herbst bewundert, erinnert er sich auf einmal an die Zeit. Mit Gesang, bunten Tänzen und vielen strahlenden Gesichtern verabschieden sich die Uezwiler Schulkinder in die Sommerferien. Drei von ihnen werden ab August die Oberstufe in Wohlen besuchen. Für sie ergänzen neun neue Erstklässler die kleine Schule Uezwil.