Bremgarten
Der dritte König ist für Josef Sachs Trumpf

Am Dreikönigsanlass der CVP des Bezirks sprach Josef Sachs, Chefarzt Forensik der Psychiatrischen Dienste Aargau, über die Notwendigkeit eines Systems, das mehr als zwei Meinungen zulässt.

Roger Wetli
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Josef Sachs, Chefarzt Forensik der Psychiatrischen Dienste Aargau, sprach am Dreikönigsanlass der CVP Bezirk Bremgarten. rw

Josef Sachs, Chefarzt Forensik der Psychiatrischen Dienste Aargau, sprach am Dreikönigsanlass der CVP Bezirk Bremgarten. rw

«Was wir brauchen, ist eine Polyarchie.» Mit diesen Worten schloss Josef Sachs sein Referat in der gut gefüllten Kapuzinerkirche. Was er damit genau meinte, erklärte er zuvor ausführlich. Passend zum Dreikönigstag stellte er dieses unter den Titel «Warum zwei Könige nicht reichen.» Die drei Könige würden die vor 2000 Jahren bekannten drei Kontinente Europa, Asien und Afrika repräsentieren – und damit drei verschiedene Lebenswelten und Meinungen.

«Viele komplexe Probleme lassen sich in drei Punkten zusammenfassen», schlug Sachs die Brücke zur Gegenwart. «In der Politik findet aber zu oft eine Reduktion auf das Links-Rechts-Schema statt, als dass die Probleme von weiteren Seiten lösungsorientiert behandelt werden würden.» Sachs gewann diesem Treiben durchaus positive Seiten ab. So würde die Politik zu einem spannenden Wettkampf, wie er in der Arena wöchentlich inszeniert würde. «Daraus resultiert aber auch, dass viele Politiker darauf programmiert sind, gegnerische Argumente automatisch als schlecht anzuschauen», wurde Josef Sachs wieder kritischer und warnte: «Ein dauernder Links-Rechts-Konflikt ohne dritte Sicht ist langfristig brandgefährlich.» Dies vor allem dann, wenn solche Konflikte in den Alltag eindringen.

Sachs berichtete von der Situation in den USA, wo es zwischen republikanischen und demokratischen Wählern ähnlich zu und her gehe, wie zu Zeiten der Rassentrennung. Ähnliche Tendenzen gebe es bereits in Deutschland zwischen der CDU und der SPD.

Sachs plädierte darum dafür, dass «man die Theorien und nicht die Menschen sterben lassen solle». Denn meist seien sich die beiden Pole ähnlicher, als diese es gerne hätten. «Es braucht darum in einem politischen System mindestens drei, besser aber noch mehr, starke Könige», so Sachs. Diese dritte oder vierte Kraft müsse eine weitere Sicht einbringen, oder als potenter Partner Brücken schlagen können.

Aber nicht nur von Kräften sprach Josef Sachs. In seinem Referat schweifte er auf die heutige Mentalität ab. «Alle wollen nur noch säen. Aber niemand wartet mehr, bis er ernten kann.» Die Zeit sei sehr schnelllebig geworden. «Früher wurde versprochen, dass man dank den schnellen Computern mehr Freizeit haben werde», sinnierte Sachs. «Das Gegenteil ist aber eingetroffen. Und so verhält es sich auch mit den schnelleren Zugs- und Flugverbindungen.»

Die Lasten der Leistungsgesellschaft wähnte auch der Präsident der CVP Bezirk Bremgarten, Karl Kaufmann, in seiner Begrüssung als grosses aktuelles Problem. «Ich wünsche mir wieder mehr Besonnenheit im Handeln. Denn neu ist nicht immer zwingend besser als alt.»

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