Theater
Der berühmteste Villmerger Lunzi kommt zurück in den Rösslisaal

Die Theatergesellschaft bringt mit «Der Kammerdiener» das Leben des berühmten Villmergers auf die Bühne.

Andrea Weibel
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Produktionsleiter Niklaus Meyer, Regisseur Paul Steinmann, Autor Lorenz Stäger und Produktionsleiterin Hildegard Hilfiker (von links) freuen sich sehr, Stägers «Der Kammerdiener» im historischen Rösslisaal zu spielen.

Produktionsleiter Niklaus Meyer, Regisseur Paul Steinmann, Autor Lorenz Stäger und Produktionsleiterin Hildegard Hilfiker (von links) freuen sich sehr, Stägers «Der Kammerdiener» im historischen Rösslisaal zu spielen.

Andrea Weibel

Klamauk, um die Zuschauer zu unterhalten, das ist der Theatergesellschaft Villmergen viel zu wenig. Spätestens seit «Mit Chrüz und Fahne» im Jahr 2012 haben sie gezeigt, wo ihre Stärke liegt: Damals haben sie ein grosses Stück Freiämter Geschichte auf die Bühne oder eben rund ums historische Schloss Hilfikon gebracht. Nicht ganz dieselben Ausmasse, aber dennoch viele Parallelen zeigt nun ihre neueste Idee: «Der Kammerdiener» von Lorenz Stäger. «Das ist die Geschichte eines berühmten Villmergers, wir spielen sie in Villmergen, ja, ich denke, die Theatergesellschaft Villmergen ist befugt, diese Geschichte zu erzählen», sagt der ebenfalls aus Villmergen stammende Regisseur Paul Steinmann schmunzelnd, der derzeit daran ist, das 227 Seiten dicke Buch in eine Theaterfassung umzuschreiben.

Perfekten Spielort gefunden

Die Theatergesellschaft wagt sich mit dem Kammerdiener Hans «Lonzi» Koch an eine bereits weit über die Grenzen des Freiamts hinaus bekannte Vorlage des Wohler Autors Lorenz Stäger. Worüber sie sich aber wohl am meisten freuen: Sogar die Bühne wird an einen Ort zu stehen kommen, der im Buch vorkommt. «Schon bei Chrüz und Fahne hätten wir nie gedacht, dass wir beim Schloss Hilfikon spielen dürften. Diesmal war es ähnlich, denn wir spielen als wohl Letzte im alten Rösslisaal», freut sich Co-Produktionsleiter Niklaus Meyer. Dort habe seinerzeit noch Lunzis Mutter ihren 70. Geburtstag gefeiert, wie Lorenz Stäger herausgefunden hat. «Der perfekte Ort», freut sich auch Co-Produktionsleiterin Hildegard Hilfiker. Momentan sei der Saal zwar noch ein schwarzes Loch und müsse komplett neu eingerichtet werden, aber das sei es ihnen auf jeden Fall wert, sind sich die Verantwortlichen einig. Sie haben Glück: Laut heutigem Stand soll das Rössli, abgesehen von der Fassade, im Oktober 2018 abgerissen werden – «da müssen wir unbedingt noch im September spielen», verdeutlicht Meyer.

Das Stück soll ganz auf Villmergen ausgerichtet werden, dabei aber natürlich Lunzis zahlreiche Reisen und all die Geschichten um den armen Villmerger Bauernsohn, der die Prominenz der damaligen Welt wie Jules Verne, Karl May und den Pianokönig Steinway kennen gelernt haben soll, nicht vergisst. «Ich möchte zeigen, wie das damals für die Villmerger gewesen sein könnte, wie stolz sie waren auf ihren Lunzi, der so weit herumgekommen war und die Welt kannte wie niemand sonst im Dorf», erklärt der Regisseur. Seine fertigen Fassungen schickt er immer Lorenz Stäger, um sie auf ihre historische Richtigkeit zu überprüfen. Dem tut es überhaupt nicht weh, dass seine Geschichte gekürzt und verändert wird: «Ich freue mich sehr, dass mein Buch als Theater aufgeführt wird, und finde es wunderbar, wie Paul Steinmann das macht», so Stäger.

Suche und eine Überraschung

Die Theatergesellschaft sucht für die 15 Aufführungen, die den ganzen September 2018 dauern sollen, noch Mitwirkende: «Wir suchen männliche Schauspieler im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Und Techniker fehlen uns auch noch», so Steinmann. Rund 30 Schauspielerinnen und Schauspieler haben sich aber bereits für das Projekt gemeldet. «Viele von ihnen kenne ich schon, das hilft enorm beim Schreiben, denn ich weiss, wie sie spielen und wie ich sie einsetzen kann», so Steinmann.

Eine kleine Überraschung hat das Team noch auf Lager: Am 1. April 2016 schrieb die damals noch existente Villmerger Zeitung, der Villmerger Koch Hugo Weibel, Küchenchef des Fünf-Sterne-Hotels Palace in Gstaad, würde das «Rössli» übernehmen. «Wir fanden den Erst-April-Scherz damals sehr lustig, und das brachte uns auf die Idee, Weibel anzufragen, ob er unsere Theaterbeiz führen würde», berichtet Niklaus Meyer. Strahlend fügt er hinzu: «Und er macht es tatsächlich.»

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