Sarmenstorf
Das Haus ist kaum zu retten – die Ruine im Dorf soll endlich weg

Die Sarmenstorfer stimmen am Freitag darüber ab, ob die Ruine aus dem Schutz entlassen wird. Dazu kommen fünf Prozent mehr Steuern, die Neugestaltung des Lindenplatzes und der Ausbau zweier Gemeindegebiete.

Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen
Das Haus an der Hilfikerstrasse 13 ist verlottert, steht aber noch unter Schutz.

Das Haus an der Hilfikerstrasse 13 ist verlottert, steht aber noch unter Schutz.

Andrea Weibel

Wer von Villmergen nach Sarmenstorf hinein fährt, kommt an einer eigenartigen Ruine vorbei. Sie ist so alt, dass sogar die Umzäunung, die Unbefugten den Zutritt verwehren soll, in die Jahre gekommen wirkt und vielerorts am Boden liegt. Das Haus ist teilweise eingestürzt, schief hängen einige der grünen Fensterläden in den Angeln, andere liegen am Boden, Brombeerranken klettern den bröckelnden gelblichen Putz hinauf. Zu allem Überfluss prangt über der uralten Tür die Hausnummer 13. Ein perfekter Schauplatz für eine Gruselgeschichte.

Doch für die Gemeinde ist das alte Haus an der Hilfikerstrasse 13 keine gruslige, sondern eine leidige Geschichte. 1997 wurde das Gebäude, das vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt, als Kulturobjekt respektive Baudenkmal kommunaler Bedeutung unter Schutz gestellt. Allerdings nur das Wohnhaus, nicht die Scheune und nicht der Anbau, in dem die erste Druckerei des Freiamts einst untergebracht war.

Es kann kein zehnstöckiges Wohnhaus dort entstehen

Mittlerweile ist es jedoch so zerfallen, dass es kaum mehr zu retten ist, was eine statische Kontrolle vom März 2020 bestätigt. Deshalb beantragt der Gemeinderat, dass es aus dem Schutz entlassen wird und somit abgerissen werden kann. Gemeinderätin Nadine Baur erklärt: «Die Eigentümer haben es schlicht verlottern lassen. Wir hoffen nun, dass die Bevölkerung es aus dem Schutz entlässt. So könnte an der Stelle ein neues Haus entstehen.» Dieses neue Haus müsse laut Gestaltungsplan im ähnlichen Stil gebaut werden wie das bisherige, «es gibt da also keinen zehnstöckigen Block», versichert die Gemeinderätin.

Ein Diskussionsthema könnte das Budget werden. Es rechnet 2021 mit einem Steuerfuss von 105 Prozent. Das ist ein Anstieg um 5 Prozent. Gemeindeammann Meinrad Baur sagt dazu: «Ich bin seit bald 30 Jahren in der Politik. In den 90er-Jahren lag der Steuerfuss bei 125 Prozent, später kam er kontinuierlich bis 97 Prozent runter. Ich habe schon in der Finanzkommission und später als zuständiger Gemeinderat immer gesagt, wenn es nötig ist, werden wir wieder hochgehen. Ich hoffe, dass der Souverän das nun versteht.» Das Budget 2021 rechnet mit einem Plus von 27'000 Franken. Ohne die Steuerfusserhöhung würde ein Minus von 225'000 Franken resultieren.

Das Chaos auf dem Lindenplatz soll beseitigt werden

Ein weiterer wichtiger Punkt, der allenfalls zu reden geben könnte, ist die Neugestaltung des Lindenplatzes. 2018 wurde darüber sehr ausführlich an der «Gmeind» diskutiert. Damals ging es darum, ob die Parkplätze auch unterirdisch angelegt werden könnten. Das wurde mit 127 Ja- gegen 143 Nein-Stimmen knapp abgelehnt. «Mit dem jetzigen Projekt sollte nicht nur das Chaos mit den Parkplätzen beseitigt, sondern auch das Problem mit dem Militär und unserem Festplatz gelöst werden können», ist Meinrad Baur sicher. Am Freitag wird über 757'000 Franken für das Projekt abgestimmt.

Eine Wasserleitung hat Jahrgang 1890

Neben dem alten Haus geht es an der «Gmeind» vor allem um neue Bauprojekte. Für 2,75 Mio. Franken sollen die Strassen und die Werkleitungen am Kirchweg und im Zelgli ausgebaut werden. Meinrad Baur erklärt: «Hier geht es um alte Strassen mit alten Leitungen, die erneuert werden müssen. Da können wir gar nicht viel dagegen machen.» Eine Wasserleitung habe den Jahrgang 1890, da erklärt sich der Sanierungsbedarf von selbst.

Ganz anders sieht es im Gebiet «Am Chapf» aus, das am ehemaligen Bahntrassee der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn liegt. Hier haben die privaten Bauherren die Erschliessung bereits vorfinanziert. «Jetzt muss die Gemeinde ihren Anteil von 236'500 Franken daran zahlen», so der Ammann.

Bezschüler werden neu nach Seengen geschickt

Zum Schluss wird über die Auflösung des Gemeindeverbands Oberstufenschule Oberes Seetal und die Genehmigung eines neuen Schulvertrags abgestimmt. Es geht formell darum, dass die Bezirksschüler künftig nicht mehr nach Fahrwangen, sondern neu nach Seengen geschickt werden, weil die Fahrwanger Bez vom Kanton aufgehoben wurde. Stattdessen soll es in Fahrwangen ein Sekundar- und Realschulzentrum geben.